Landwirtschaft
Gibt es in 27 Jahren keine Schweizer Milch mehr?

Fleckviehzüchter An der Delegiertenversammlung des Solothurnischen Fleckviehzuchtverbands standen Fragen rund um die Zukunft der (Schweizer) Landwirtschaft im Mittelpunkt.

Benildis Bentolila (Text und Foto)
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Die Besitzer von 17 Fleckviehkühen erhielten eine Ehrentafel von Swissherdbook für ihre Tiere mit einer Lebensleistung von 100000 Kilogramm.

Die Besitzer von 17 Fleckviehkühen erhielten eine Ehrentafel von Swissherdbook für ihre Tiere mit einer Lebensleistung von 100000 Kilogramm.

Benildis Bentolila

«2016 haben in der Schweiz 832 Betriebe aufgehört zu melken», stellte Präsident Werner Walter an der von der Viehzuchtgenossenschaft Grenchen (VZG) organisierten Delegiertenversammlung des Solothurnischen Fleckviehzuchtverbandes (SOFZV) im «Eusebiushof» fest. «Wenn es so weiter geht, gibt es in der Schweiz in 27 Jahren keine Milchproduktion mehr.» Der Verband umfasst aktuell 30 Viehzuchtgenossenschaften und Vereine, die 281 Betriebe vertreten. Dort stehen 8200 weibliche und 33 männliche Tiere.

Landwirtschaft: Lob und Sorgen

Regierungsrätin Esther Gassler hielt in ihrer Grussadresse fest, die Regierung sei den Bauernfamilien wohlgesinnt und setze sich für sie ein auf politischer und praktischer Ebene, besonders auch gegenüber Bundesbern. «Wir glauben an die Landwirtschaft», betonte sie, «es braucht sie als wichtiger Teil der Volkswirtschaft.»

Präsident Werner Walter sorgt sich allerdings um die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Besonders wenn er Berichte lese über Viehhaltung in Saudi-Arabien, wo in einem klimatisierten Stall bei 20 bis 23 Grad 1800 Milchkühe gehalten werden, bei Aussentemperaturen von über 50 Grad. Bis zu 60 Liter Tagesmilch pro Tier würden erzeugt. Diese Milch werde für Babynahrung verwendet, weil offensichtlich Schweizer Milchpulver nicht mehr gut genug sei für die Entwicklungshilfe. Besonders stösst er sich daran, dass der Betriebsleiter dieser Riesenfirma ein ehemaliger Swissair Manager sei.

Wegen der Amtszeitbeschränkung traten nach 16 Jahren aus dem Vorstand zurück Toni Bläsi, Härkingen, und Daniel Schaub, Beinwil. Schaub versah während neun Jahren das Amt des Vizepräsidenten. Neu in den Vorstand wählten die Delegierten zwei junge Landwirte, nämlich Roland Zemp, Unterer Passwang, Ramiswil, und Thomas Spring, Niederhuggelwald, Kleinlützel.