Nationalratswahlen

Gibt es eine ausgewogene Auswahl Kandidierender im Kanton Solothurn?

Versammelten sich alle Kandidierenden aus dem Kanton Solothurn auf dem Bundesplatz, sähe es ungefähr gleich aus.

Versammelten sich alle Kandidierenden aus dem Kanton Solothurn auf dem Bundesplatz, sähe es ungefähr gleich aus.

147 Personen kandidieren für einen Nationalratssitz, gewählt werden schlussendlich nur sechs. Die Solothurner Parteien versuchen sich in einer optimalen Abdeckung der Wählerschaft. Ist ihnen das in diesem Jahr gelungen?

Ein erster Blick auf die Listen für die Nationalratswahlen hat gezeigt: 24,5 Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen um jeweils einen der sechs zukünftigen Solothurner Sitze im Nationalrat. Man kann dies nun positiv sehen, etwa dass jede Altersgruppe, jede Region, jede Bevölkerungsschicht und noch vieles mehr abgedeckt wird. Bemerkenswert ist das Bestreben der grossen Parteien, jede potenzielle Stimme mit einem geeigneten Kandidaten abzuholen. Und wenn man es mit den eigenen Listen nicht schafft, dann wenigstens über Listen- und Unterlistenverbindungen. Hauptsache man versucht abzudecken, was sinnvoll erscheint. Ob man den Wählerinnen und Wählern und sich selbst nun einen Dienst getan hat, wird der Wahlherbst zeigen.

Neben den bisherigen Nationalräten und der Nationalrätin werden sich nur ganz wenige ernsthafte Chancen ausrechnen können. Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick auf die Listen, denn auch Kleinvieh macht Mist, sprich die grossen Namen profitieren von den Stimmen der kleinen. Vorbehalte muss man grundsätzlich zu den Speziallisten haben.

Kandidierende auf diesen Listen haben keine realistischen Wahlchancen. So kommt das Potenzial einer Jungen- oder Frauenliste der Hauptliste zu Gute. Dies ohne, dass der Wähler eine richtige Chance hat, das gewünschte Segment einer Partei ins Parlament zu bringen. Man könnte dies – böswillig – Augenwischerei nennen.

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Haben die Parteien eine ausgewogene Auswahl ihrer Kandidierenden getroffen, oder ist man einfach dem Credo «Hauptsache mehr» gefolgt?

Geschlechterverteilung

Bereits auf den ersten Blick zeigt sich, dass die Parteien hier ihre Aufgabe nicht erfüllt haben. Seit 1999 stellen sich immer nur rund 30 Prozent Frauen für die Nationalratswahlen auf. Betrachtet man die Hauptlisten der Parteien, sieht es nicht viel besser aus. Nur die Grünen haben eine 50-Prozent-Quote auf ihrer Hauptliste, alle anderen Listen weisen eine schlechtere Quote auf. Erstaunlich auch, dass die SVP auf ihrer Hauptliste gänzlich auf Frauen verzichtet.
Fazit: Die Solothurner Frauen sind auch in diesem Jahr nicht genügend repräsentiert.

Verteilung nach Regionen

Hier lässt sich erst nach einem genauen Blick auf die Listen ein Fazit ziehen. So stammen gut 29 Prozent der Kandidierenden aus der Amtei Solothurn-Lebern, obwohl dort nur rund 24 Prozent der Wahlberechtigten wohnen. Diese leicht überproportionale Vertretung geht auf Kosten der beiden bevölkerungsmässig kleinsten Amteien Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein. Auffällig ist, dass vor allem SVP, FDP, CVP und die SP über all ihre Listen die Regionen am besten abdecken. Sie stellen bis auf jeweils eine Ausnahme in jedem Bezirk einen Kandidaten oder eine Kandidatin. Die BDP zum Beispiel hat trotz zweier Listen keinen Kandidaten aus dem unteren Kantonsteil. Olten als Bezirk mit den potenziell meisten Wählerinnen und Wählern stellt auch am meisten Kandidierende. Der Bezirk Bucheggberg hat mit gerade mal vier Kandidierenden am wenigsten Personen im Rennen, was sich aber mit dem Wählerpotenzial deckt.

Fazit: Die Regionen sind auf den Wahllisten insgesamt mehr oder weniger entsprechend der Anzahl der Wahlberechtigten vertreten. Dies trifft auch auf die einzelnen Parteien zu, Ausnahmen bestätigen, wie immer, Regel.

Verteilung nach Alter

Alters- und Jungenlisten scheinen für die Parteien ein probates Mittel zu sein, um möglichst viele Wählerinnen und Wähler anzusprechen. Somit präsentiert sich bei einigen Parteien die Altersstruktur vorzüglich. Auf den Hauptlisten zeigt sich, dass rund zwei Drittel zwischen 40 und 59 Jahre alt sind. 17 Prozent sind zwischen 30 und 39 Jahre. Von der gewünschten Altersdurchmischung ist also bei genauerem Hinsehen nicht mehr viel zu sehen. Die SP deckt die Altersgruppen noch am besten ab, obwohl sie daneben noch eigenen Listen für die Jungen und die Generation 60+ hat.

Fazit: Der Ruf nach einer durchmischten Altersstruktur verhallt weiter ungehört, auch wenn man sich Listen gefüllt mit Nachwuchs und der älteren Generation gönnt. Am besten abgedeckt bleiben die 40- bis 59-Jährigen.

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