Gut informierter Journalist
Gibt es ein «internes Leck» bei der Kantonspolizei?

Die Kantonspolizei Solothurn schliesst «ein internes Leck», das Informationen an einen «Blick»-Reporter weitergibt, nicht aus.

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Nicht zum ersten mal tauchen Vermutungen über ein internes Leck bei der Polizei auf. (Themenbild)

Nicht zum ersten mal tauchen Vermutungen über ein internes Leck bei der Polizei auf. (Themenbild)

Kapo SO

Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei, bestätigt eine entsprechende Aussage der Kantonspolizei in der Wochenzeitung «Die Zeit». Diese hatte die umstrittenen Recherchepraktiken von «Blick»-Reporter Ralph Donghi beleuchtet.

Gribi betont allerdings: «Es gibt weder einen Verdacht noch eine Vermutung auf ein Leck.» Es habe jedoch Berichterstattungen im «Blick» gegeben, «bei denen wir in der Tat erstaunt waren über den Detaillierungsgrad und den Zeitpunkt von Informationen».

Nicht zum ersten mal tauchen Vermutungen über ein internes Leck bei der Polizei auf. 2009 leitete die Staatsanwaltschaft gar ein Strafverfahren gegen unbekannt ein – wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung. Mehrmals hatte damals das Zürcher Boulevardblatt wichtige, nicht öffentlich bekannte Ermittlungsinterna rund um die Grenchner Schenkkreismorde publiziert. 2012 wurde das Verfahren ergebnislos eingestellt.

Auch Recherche möglich

Kapo-Mediensprecher Bruno Gribi gibt zu bedenken, dass Donghi auch anderweitig zu seinen Informationen gelangen könnte – denn seine Recherechemethoden seien «derart, sagen wir, intensiv». So würden Personen im Nachgang zu Befragungen durch die Strafverfolgungsbehörden ebenso wie Geschädigte interviewt, Leserreporter würden sich melden und das Blatt entsende über Tage hinweg mehrere Journalisten an einen Ereignisort.

Dies könne zu Informationen führen, «welche der Öffentlichkeit nicht bekannt sind». Dies könne auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, dass die Informationen aus Polizeikreisen stammen. Das müsse aber nicht sein.

Der Kreis von Personen, die über Ereignisse Bescheid wissen, ist relativ gross: Bei Ereignissen orientieren die Mitarbeiter der Alarmzentrale per Funk. «Es versteht sich somit von selbst, dass der Kreis von Personen je nach Ereignis unter Umständen gross ist, die rasch Kenntnis von einem Ereignis erhalten, bzw. erhalten müssen», so Bruno Gribi. Dazu gehörten nicht nur Polizisten. Zudem würden die Ereignisse «in einem Polizeijournal festgehalten, auf welches ebenfalls ein grosser Personenkreis Zugriff hat.» (lfh)

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