Fleckviehzüchter
Gibt es bald keine Viehschauen mehr im Kanton Solothurn?

Wandertourismus und Abfallproblematik, die Zukunft der Viehschauen und die Herausforderungen der Agrarpolitik: Diese Themen dominierten die Delegiertenversammlung.

Benildis Bentolila
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Die Züchter von 100000-Liter-Kühen erhielten eine Glocke – ab nächstem Jahr gibts «nur» noch eine Plakette

Die Züchter von 100000-Liter-Kühen erhielten eine Glocke – ab nächstem Jahr gibts «nur» noch eine Plakette

Benildis Bentolila

Urs Kipfer (Aetingen), Präsident des Solothurnischen Fleckviehzuchtverbands (SOFV), widmete sich in seiner Ansprache an der Delegiertenversammlung dem Naturpark Thal. Er hoffe, dass die Landwirtschaft auch profitieren könne und der Park nicht nur Verkehr und wandernde Hundeführer beschere. «Und dass die Naturfreunde zuletzt den Bauernfamilien nicht damit danken, dass sie Abfall und Unrat auf Wiesen und Weiden zurücklassen.» Denn die Landwirtschaft geniesse nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor 30 Jahren. Im 2000 gab es im Kanton Solothurn 1806 Betriebe; im 2011 nur noch 1557. Anhand seines eigenen Betriebes zeigte Kipfer die Veränderung auf: Die bewirtschaftete Fläche wuchs von 26 auf 43 Hektaren, die Tierzahl von 35 auf 80. Damals stand das Lieferrecht bei 76 000 Kilogramm Milch, heute bei 250 000 Kilogramm. Das töne eigentlich gut, meinte Kipfer, doch waren früher drei männliche und eine weibliche Arbeitskraft für weniger Arbeit zuständig. Heute führe er den Betrieb mit seiner Frau allein.

Bald keine Viehschauen mehr?

Bedenklich sei die grosse Bürokratie, welche für die Schweizer Landwirtschaft aufgezogen worden sei; 9,3 Personen auf Ämtern und Kontrollstellen brauche es für 100 Betriebe. In der Schweiz gebe es laut Statistik 57 600 Betriebe mit einer Nutzfläche von 1 051 866 Hektaren und 164 067 Beschäftigten. Für diese Betriebe seien auf Ämtern 5201 Personen zuständig. Ein Teil dieser Beschäftigten verstehe kaum etwas von der Kultur und vom Leben auf einem Hof.

Enttäuscht habe die Bauernfamilien die Meldung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), dass ab 2015 keine finanzielle Unterstützung mehr fliesse für die Kantonalbeurteilungen. Das bedeute, dass es auch in den Kantonen Solothurn und Bern bald weniger bis gar keine Viehschauen mehr geben werde. «Ein weiterer schöner Brauch, der Familien, Züchter und Konsumenten erfreute, verschwindet», hielt Urs Kipfer fest.

Regierungsrätin Esther Gassler orientierte, dass eine kantonsinterne Arbeitsgruppe daran sei, den Vollzug der Agrarpolitik 2014–17 vorzubereiten. Einen zweiten neuen Bereich bildeten die Beiträge für eine ressourcenorientierte Milchproduktion, und schliesslich würden die Beiträge für die Ressourceneffizienz ausgebaut. «Es ist wichtig», sagte die Regierungsrätin, «dass die Landwirte ihre Betriebe auf die neue Situation ausrichten, weil ja die allgemeinen Direktzahlungen durch neue Beitragsarten abgelöst werden.» Bezüglich des Solothurner Auftritts als Gastkanton an der Olma vom 10. bis 20. Oktober 2013 sagte Gassler, dass die Hauptrolle am grossen Umzug in St.Gallen Kühe übernehmen werden; die Organisation dieses Teils übernimmt Urs Kipfer.

Geschäftsführer nahm den Hut

Geschäftsführer Res Rolli hatte sein Amt unerwartet am 1. Oktober 2012 abgegeben. Urs Kipfer freute sich, dass in Theres Tschanz aus Kyburg-Buchegg eine erfahrene Geschäfts- und Rechnungsführerin als qualifizierte Nachfolgerin gefunden werden konnte. Sie wurde einstimmig gewählt. Der gesamte bestehende Vorstand wurde für vier weitere Jahre gewählt.