Solothurn-Grenchen
Gibt es bald eine Autobahn für Velofahrer?

Freie Fahrt für schnellere Fahrradfahrer: Zwischen Solothurn und Grenchen könnte eine Fahrrad-Schnellverbindung realisiert werden. Der entsprechende Bericht ist zurzeit in Vernehmlassung.

Rahel Meier
Drucken
Teilen
Die Linie entlang der Bahn könnte als Velo-Schnellverbindung ausgebaut und vor allem auch von Pendlern mit E-Bikes genützt werden.

Die Linie entlang der Bahn könnte als Velo-Schnellverbindung ausgebaut und vor allem auch von Pendlern mit E-Bikes genützt werden.

Eine Schnellverbindung für den Veloverkehr (VSV)? Eine kantonale Studie zeigt auf, dass eine solche Schnellverbindung zwischen Grenchen und Solothurn zweckmässig und machbar ist. Deshalb wurde das Projekt als A-Projekt ins Agglomerationsprogramm 3. Generation aufgenommen.

Eine Umsetzung ist frühestens ab 2019 möglich. In Dänemark, in den Niederlanden und in Deutschland gibt es bereits solche Schnellverbindungen. Es handelt sich dabei um direkt geführte, qualitativ hochwertige Verbindungen zwischen Wohn- und Gewerbegebieten beziehungsweise Stadtzentren.

Sie ermöglichen den Benützern eine gleichbleibende Fahrgeschwindigkeit mit relativ geringem Energiebedarf. Dies wird durch Kreuzungsfreiheit, Geradlinigkeit oder grosse Kurvenradien, durch gute Oberflächenbeschaffenheit und besondere Radwegbreiten zum Überholen und Nebeneinanderfahren erreicht. Zudem hat der Radverkehr Vorfahrt.

Wieso eine Verbindung zwischen Grenchen und Solothurn? «Die Strecke ist rund zehn Kilometer lang, hat praktisch keine Steigungen und könnte südlich der Bahnlinie geführt werden, ohne dass eine Kantonsstrasse gequert werden muss», erklärt Peter Portmann, der Leiter Projektmanagement Kreis I, Fachstelle Langsamverkehr, im Amt für Verkehr und Tiefbau.

Zwar gebe es noch einige Defizite und Problembereiche, aber grundsätzlich würde sich die Strecke eignen, um eine Schnellverbindung zu realisieren. Zusätzlich würden damit die Arbeitsplatzgebiete in Bellach, Selzach, Bettlach und Grenchen, die meist südlich der Bahnlinie liegen, mit den neuen Wohnzonen in der Weststadt in Solothurn verbunden.

Die Velo-Schnellverbindung soll gezielt auch Pendler ansprechen und diese anregen, statt des Autos das Fahrrad zu nehmen, erklärt Kurt Erni, Leiter Grundlagen/Verkehr im Amt für Verkehr und Tiefbau. Genutzt werden könnte sie zudem auch von all denjenigen, die mit einem E-Bike unterwegs sind. Diese fahren heute entweder auf der Kantonsstrasse oder auf einer der Velorouten durch die Witi.

Würde die VSV zwischen Grenchen und Solothurn realisiert, müsste sie auf einer durchgehend drei Meter breiten und durchgehend asphaltierten Strasse geführt werden. Das heisst, dass einige Bereiche asphaltiert werden müssten. Zudem würden verschiedene Signalisationsmassnahmen vorgeschlagen. Ebenso müssten diverse Querungen und Knotenpunkte um- oder neu gestaltet werden.

Eines der grössten Probleme sehen die Planer in Selzach, beim Knoten Bahnweg-Selzacherstrasse. «Hier könnte eine Überführung Abhilfe schaffen. Was natürlich nicht ganz günstig ist», meint Kurt Erni. In Solothurn müsste unter anderem der Knoten Segetzstrasse-Gibelinstrasse umgebaut werden. Zudem wird eine Neugestaltung der Brühlstrasse zwischen den beiden Kreiseln vorgeschlagen.

Je nach Ausbaustandard müsste mit Kosten zwischen 0,9 und 2 Mio. Franken gerechnet werden. Wird das Projekt im Agglomerationsprojekt akzeptiert, kann mit Bundesgeldern gerechnet werden. Problematisch ist, dass Selzach, Bettlach und Grenchen nicht mehr zum Gebiet gehören, wie es für das Agglomerationsprogramm definiert wurde. «Ein gutes Projekt darf aber nicht an den Agglomerationsgrenzen scheitern», sind Portmann und Erni sich einig.

Geprüft wurde auch, ob sich die Linienführung für die Schnellverbindung entlang der Kantonsstrasse oder nördlich der H5 durchs Siedlungsgebiet eignen würde. Das sei klar mit «Nein» zu beantworten.

Das habe auch eine Expertise ergeben, die als Zweitmeinung eingeholt wurde. Würde die Schnellverbindung realisiert, dann könnte die nationale Skaterroute ebenfalls dorthin verlegt werden. Somit könnten mehrere Freizeitverbindungen auf der neuen Linie gebündelt werden.

Der Bericht zur Schnellverbindung für den Veloverkehr zwischen Solothurn und Grenchen ist zurzeit in der Vernehmlassung.