Die Aufregung kommt nicht von ungefähr. Das 400-jährige Gemäuer mit seinem idyllischen Ambiente erfreut sich das ganze Jahr über bei Veranstaltern aller Art grosser Beliebtheit.

Und verhilft damit dem Kanton als Besitzer der Liegenschaft zu wertvollen Mieteinnahmen. Darüber hinaus beflügelt das geschichtsträchtige Haus so manche Projektidee.

Der Druck, genügend Asylunterkünfte zur Verfügung stellen zu können, sei gross, sagte ASO-Chefin Claudia Hänzi am Freitag gegenüber dieser Zeitung. Gegenwärtig würden dem Kanton pro Monat vom Bund 200 asylsuchende Personen zugeteilt.

«Wir führen deshalb viele Gespräche und prüfen alle irgendwie denkbaren Alternativen.» Und ja, das Kapuzinerkloster in Solothurn sei eine dieser Optionen, bestätigt Hänzi die kursierenden Gerüchte.

Das Kloster stehe zurzeit leer und gehöre dem Kanton, so die Begründung. Sie fügt aber sofort relativierend bei, dass das Kloster lediglich auf einer Liste figuriere, «so wie 100 andere Objekte auch».

Keinesfalls aber würden dort, wie von einigen behauptet, bereits demnächst Asylsuchende einquartiert. Zurzeit bestehen keine konkreten Pläne, so Hänzi, «es ist noch nichts spruchreif». Und: Sollte es denn einmal so weit sein, werde die Öffentlichkeit rechtzeitig und umfassend darüber informiert, versichert sie.

Zivilschutzanlagen im Blick

Hänzi ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass bei oberirdischen Anlagen generell und erst recht bei so geschichtsträchtigen Gebäuden wie dem Kapuzinerkloster mit gehörig Widerstand zu rechnen ist.

Der Kanton konzentriere sich bei seiner Suche nach Asylunterkünften derzeit auf Zivilschutzanlagen, erläutert Hänzi die aktuelle Strategie. Bei diesen kantonseigenen Bauten brauche es bei der Nutzung als Asylunterkunft keine Bewilligungen. Entsprechend rasch liessen sich solche Unterkünfte denn auch realisieren.

Im Unterschied dazu müssten die Kantonsbehörden für eine Umnutzung des Klosters eine Bewilligung der Stadt Solothurn einholen, wie freitags aus dem Stadtbauamt zu erfahren war.

Die Idee, das Kapuzinerkloster für die Unterbringung von Asylsuchenden zu nutzen, widerspricht freilich den bisher vom Kanton kommunizierten Plänen für die Liegenschaft. Im Vordergrund stehe die «Substanzerhaltung mit minimalen Kosten», sagte im September Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli gegenüber dieser Zeitung.

Im Blick habe man dabei eine «optimierte Nutzung bezogen auf Aufwand/Ertrag und Sicherheit». Zudem zeige man sich im Hinblick auf eine langfristige Nutzung offen für die Pläne von Investoren.

So lange das Kloster leer stehe, könne eine Zwischennutzung als Asylzentrum grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, meint die ASO-Chefin. Auch bei der ehemaligen Klinik Fridau habe man sich – trotz langfristig anderer Pläne – für eine vorübergehende Nutzung als Asylunterkunft entschieden.

«Grundsätzlich kommen für uns alle Objekte infrage, die sich zum Wohnen eignen, über eine zentrale Küche verfügen und wo bei der Umnutzung nicht allzu viel kaputtgehen kann.» Hänzi unterstreicht aber erneut, dass eine Umnutzung des Kapuzinerklosters derzeit nicht spruchreif sei.

Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli war am Freitag nicht mehr für eine Stellungnahme erreichbar.