Der Kanton Solothurn soll ein Sterbehospiz erhalten. Es brauche einen Ort, wo die Menschen ihre letzte Lebensphase in Würde verbringen können, findet der pensionierte Hausarzt Daniel Preisig: «Früher starb man zu Hause, begleitet von der Grossfamilie. Dann haben wir das Sterben in die Intensivstationen der Spitäler verdrängt. In einem Sterbehospiz können wir das Sterben wieder als einen natürlichen Prozess in einer schönen Umgebung gestalten.»

«Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens. Er macht Platz für das Neue.» Steve Jobs, das Genie von Apple, sagte diese Worte, als er 2005 an Krebs erkrankt war. Sieht dies auch ein Palliativmediziner so, der sich intensiv mit dem Sterben beschäftigt? «Ja, es ist ein grosses Glück, dass wir nicht unsterblich sind», sagt Daniel Preisig, Vorstandsmitglied des Solothurner Vereins Sterbehospiz, «die Welt wäre längstens untergegangen, wenn wir nicht alle sterben müssten. Die Menschen könnten nicht damit umgehen, wenn sie ewig leben könnten.»

Aber woran liegt es, dass wir uns so schwer damit tun, den eigenen, unausweichlich näherkommenden Tod zu akzeptieren? «Jeder wünscht sich einen leichten Tod. Daheim in der gewohnten Umgebung soll es schnell und ohne Leiden passieren. Alle möchten das, aber nur die wenigsten Menschen dürfen so sterben.» In unserem Kulturkreis werde das Sterben in die Spitäler, hinter verschlossene Türen verdrängt, und Preisig möchte dies ändern. «Dass sich jemand an das Bett eines geliebten Menschen setzt und schaut, was wir noch für den Sterbenden tun können, das wird immer seltener. Deshalb brauchen wir auch in der Region Solothurn ein Sterbehospiz. Einen Ort, an dem die sterbenden Menschen die letzte Phase ihres Lebens aktiv mitgestalten können.» 

Als Hausarzt hat Preisig viele harmonische Sterbebegleitungen erlebt, und er wurde zu einem Fachmann für Palliativmedizin. «Dabei habe ich mir konkret überlegt, wie mein eigenes Sterben aussehen soll, und vor allem, wie ich es ganz sicher nicht haben möchte. Das hat mich einerseits motiviert, mich für die Gründung eines Sterbehospizes einzusetzen. Auf der anderen Seite habe ich für mich eine Patientenverfügung geschrieben. Damit ist eine grosse Last von meinen Schultern, weil ich weiss, dass alles in meinem Sinn geregelt ist, wenn es so weit ist.»

Am Dienstag, 5. September, führt nun der Verein Sterbehospiz ab 19 Uhr in der Säulenhalle im Solothurner Landhaus seinen zweiten Öffentlichkeitsanlass durch. Dabei stehen laut Preisig zwei Themen im Vordergrund. «Zunächst wollen wir aufzeigen, wie weit unsere Arbeit fortgeschritten ist, und danach möchten wir den Leuten darlegen, wie die Palliativmedizin in einem Sterbehospiz den Sterbeprozess erleichtern kann.»

Vier Häuser stehen zur Wahl

«Die richtige Liegenschaft zu finden, ist schwieriger, als wir dachten», beginnt Preisig vom langen Weg zu erzählen, den der Verein Sterbehospiz bereits gegangen ist. «Wir konnten das Fundraising professionell aufziehen. Es genügt nicht, dass wir von unserem Projekt überzeugt sind und viel Einsatz zeigen. Da muss ein Fachmann ans Werk, der etwas von Marketing versteht.»

Derzeit werde eine Liste mit Stiftungen erstellt, die das Sterbehospiz möglicherweise unterstützen könnten. «Zudem haben wir von einer Privatperson ein zinsloses Darlehen in der Höhe einer halben Million Franken als Starthilfe zugesprochen erhalten. Möglicherweise wird diese Person zu einem späteren Zeitpunkt sogar auf eine Rückzahlung verzichten», sagt Preisig. «Dank diesem Darlehen könnte das Sterbehospiz bereits 2018 den Betrieb aufnehmen, sofern sich der Verein für eine der möglichen Liegenschaften entscheiden kann.»

Da wäre einmal das ehemalige Seniorenheim in Kriegstetten. «Es liegt wunderbar im Grünen und wäre in einem ausgezeichneten Zustand. Da es bereits ein Pflegeheim war, könnten wir dort sehr rasch mit dem Sterbehospiz beginnen», meint Daniel Preisig. «In Derendingen gäbe es ein Haus mit sieben Zimmern und parkähnlichem Garten, aber es wird derzeit von Asylsuchenden genutzt. Dieses Haus müsste sicherlich zuerst saniert werden. Das bereitet potenziellen Spendern grosse Sorgen.»

Eine Basler Stiftung interessiere sich für eine sehr schöne Liegenschaft in Lüterkofen. «Dieses Haus wäre ideal für uns, aber es ist verständlicherweise teuer. Da bräuchte es schon sehr viel Enthusiasmus vonseiten der potenziellen Spender, damit sich der Verein dieses Objekt leisten könnte. Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass diese Basler Stiftung die Liegenschaft kauft und sie uns zur Verfügung stellt.»

Eine vierte Option sei ein Haus in Selzach, in welches sich der Verein Sterbehospiz einmieten könnte. «Der Kanton hat dieses umgebaute Haus bereits als Pflegeheim abgenommen, und dort zu beginnen, wäre vielleicht gar nicht so schlecht. So könnten wir mit kleinen Strukturen anfangen und langsam wachsen.»

Als Unternehmen führen

Ein Platz in einem Sterbehospiz wäre ähnlich teuer wie einer in einem Altersheim. Die Kosten schätzt Daniel Preisig auf etwa 400 bis 500 Franken pro Tag und Person. Im Vergleich zu einem belegten Spitalbett, das im Durchschnitt mehr als 1600 Franken pro Tag kostet, eigentlich eine preiswerte Angelegenheit. Aus Sicht des Vereins müsste das neue Sterbehospiz in die Heimliste aufgenommen werden, damit Kanton und Gemeinden Beiträge zahlen wie an Alters- und Pflegeheime.

So oder so: Wenn ein Sterbehospiz langfristig eine Chance haben soll, dann muss es wie ein Unternehmen funktionieren. Deshalb hat der Verein die Unterstützung des Gründerzentrums des Kantons Solothurn angenommen. «Thomas Heimann, der Leiter des Gründerzentrums, hat unseren Businessplan geprüft und als ausgezeichnet bewertet», so Preisig