Amtsgericht

Gescheiterter Tankstellenräuber muss fünf Jahre ins Gefängnis

Sinan K. flüchtete nach dem Überfall auf den Grenchner Tankstellenshop ohne Beute. (Symbolbild)

Sinan K. flüchtete nach dem Überfall auf den Grenchner Tankstellenshop ohne Beute. (Symbolbild)

Das Urteil über den gescheiterten Tankstellenräuber von Grenchen ist gefällt. Sinan K. muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre gefordert.

Die Liste der Vorwürfe an die Adresse von Sinan K.* war lang: versuchter qualifizierter Raub, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Tätlichkeiten und Nötigung - sowie zwei weitere Anklagepunkte, die nicht mit dem Überfall auf den Coop-Tankstellenshop in Grenchen im März 2012 zusammenhängen. Der 32-Jährige mit libanesischer und italienischer Staatsbürgerschaft hatte den Betreiber des Shops mit einem Revolver bedroht. Nach einem Handgemenge flüchtete er jedoch ohne Beute (wir berichteten).

Auf der Flucht soll K.* gemäss Staatsanwaltschaft eine dritte Person umgestossen und mit der Waffe in der Hand aufgefordert haben, ihn nicht zu verfolgen. Vom diesem Anklagepunkt - dem Vorwurf der Nötigung - wurde Sinan K.* vom Amtsgericht Solothurn-Lebern freigesprochen. In allen anderen Punkten wurde er für schuldig befunden.

Unglaubwürdiger Täter

«Sinan K. hat sich während des Verfahrens immer wieder in Widersprüche verstrickt», sagte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten an der Urteilseröffnung. Selbst eindeutige Beweismittel habe der Beschuldigte infrage gestellt. Das Gericht habe deshalb gute Gründe, an der Glaubwürdigkeit von Sinan K. zu zweifeln.

Unter anderem sei die Geschichte von Massimo*, dem Drahtzieher, der Sinan K. zum Raub gezwungen haben soll, unrealistisch. Man könne also nicht von einer Zwangslage ausgehen. Auch hätte K. wissen müssen, dass die Waffe echt und geladen ist. «Kein Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, begeht einen Raubüberfall, ohne sich vorher über den Ladezustand der Waffe zu vergewissern», befand von Felten.

Da dem Beschuldigten aber nicht nachgewiesen werden könne, dass er den Hahn des Revolvers während des Überfalls gespannt habe, und da mit der Waffe, so wie sie gefunden wurde, keine sofortige Schussabgabe möglich gewesen wäre, geht das Amtsgericht aber nicht von einer unmittelbaren Lebensgefahr des Opfers, sondern lediglich von einer besonderen Gefährdung aus.

Unter Berücksichtigung des Verhaltens von K. während der Tat und während des Verfahrens, hielt das Gericht eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren für angemessen.

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