Geschäftsbericht
45 Millionen Schaden: Corona hat für soH gravierende Folgen – Kurt Fluri neu im Verwaltungsrat

Der Geschäftsbericht der Solothurner Spitäler AG zeigt: Die Zahlen der stationär behandelten Patientinnen und Patienten ging zurück. Das hat finanzielle Folgen. Nationalrat Kurt Fluri wurde als neues Mitglied des Verwaltungsrats gewählt.

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Weniger Patienten im 2020.

Weniger Patienten im 2020.

zvg

Das Coronavirus bestimmt das Geschäftsjahr 2020 der Solothurner Spitäler AG (soH). Im Frühjahr wurde eine Beschränkung auf Notfalleingriffe und -behandlungen verordnet. Der daraus resultierende Rückgang konnte die soH in den Coronavirus-freien Monaten nicht ausgleichen, «weil doch einige Menschen auch im Sommer und Frühherbst einem Spitalaufenthalt zurückhaltend gegenüberstanden oder den dringlichen Eingriff an einem anderen Spital ohne Einschränkungen durchführen liessen», heisst es in einer Mitteilung zum Geschäftsbericht.

Ab Ende Oktober sah sich die soH zudem mit der zweiten Pandemiewelle konfrontiert, die in Bezug auf die Anzahl behandelter Patientinnen und Patienten mit einer Corona-Erkrankung die erste Welle bei Weitem übertraf.

In den drei Akutspitälern Solothurn, Olten und Dornach behandelte die soH schlussendlich 28'605 Patientinnen und Patienten stationär – im Vergleich zu 30'240 im Vorjahr (-5,4 Prozent). In den Psychiatrischen Diensten lagen die akutstationären Austritte insgesamt 3,3 Prozent unter dem Vorjahr.

745 stationäre Covid-19-Patienten behandelt

Die soH hat 2020 insgesamt 745 stationäre Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandelt. Rund 2'500 Personen mussten einzelisoliert werden, bis das Testresultat vorlag. Die Anzahl Isolationstage betrug weit über 15'000.

Um die Corona-Pandemie bewältigen zu können, bedurfte es insgesamt über 250 zusätzlicher Mitarbeitender, welche meist monatelang im Einsatz waren und noch immer sind. Darunter waren auch 80 Angehörige der Schweizer Armee sowie Zivilschutzangehörige.

Gravierende Folgen der Corona-Pandemie

Die finanziellen Folgen der Pandemie sind für die soH «gravierend». Die bundesrätlichen und kantonalen Vorgaben brachten über das ganze Jahr Ertragsausfälle und Mehraufwände: Der kumulierte finanzielle Schaden betrug rund 45 Millionen Franken. Insgesamt schloss die soH ihre Rechnung 2020 mit einem Jahresverlust von 43,2 Millionen Franken ab.

Zwar habe die soH in vergangenen Jahren Reserven für die Sicherstellung des Betriebes bilden können. «Diese sind aber nicht zur Tilgung eines finanziellen Schadens im Ausmass der Folgen der Corona-Pandemie gedacht respektive wären dadurch in kürzester Zeit aufgebraucht», so das Unternehmen. Wichtig sei, dass die soH einen finanziellen Ausgleich im Umfang der Corona-bedingten Mindererträge und Mehraufwände erhalte.

Bei der soH rechnete man im vergangenen Jahr sogar mit möglichen Ausfällen von über 60 Millionen Franken. Um den finanziellen Schaden möglichst klein zu halten, haben die Spitäler der soH laut CEO Markus Häusermann auch im vergangenen Herbst noch versucht, trotz der hohen Belegung der Intensivbetten noch elektive Eingriffe durchzuführen. Den Ausfall von 45 Millionen kann die soH laut Häusermann mit Beträgen aus der Reserve decken. Man erwarte aber, dass Bund, Kanton, und allenfalls auch die Versicherungen für die Ausfälle aufkommen.

Einen Teil der Pandemiebedingten Ausfälle wird der Kanton übernehmen. Am Wochenende hat die Stimmbevölkerung die Vorlage zu den Akontozahlungen für die Ertragsausfälle der Spitäler und Kliniken in Zusammenhang mit der Pandemie mit grosser Mehrheit angenommen. «Darüber sind wir erleichtert und dankbar», so Häusermann. Insgesamt will der Kanton den Spitälern nun rasch etwas mehr als 16 Millionen Franken zukommen lassen.

Weitere Zahlungen hat die Kantonsregierung bereits in Aussicht gestellt. Wie hoch diese ausfallen, ist aber noch unklar. Der CEO der soH rechnet damit, dass im Herbst der Entscheid zur Höhe des Betrages fällt.

Bezug des Neubaus verzögert

Neben den Ertragsausfällen und Mehrkosten durch die Pandemie konnte die soH den Neubau Haus 1 Bürgerspital Solothurn nicht wie geplant im Sommer 2020 beziehen. Die Corona-Pandemie als auch fehlerhafte Böden in den Patientenzimmern verhinderten einen zeitgerechten Umzug.

zvg

Ausserdem wurde auch der Kanton Solothurn vom sich schweizweit abzeichnenden Veränderungsprozess in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingeholt: Die stationäre Einheit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn wurde in der Folge geschlossen.

Neues Verwaltungsmitglied gewählt

An der ordentlichen Generalversammlung vom Dienstag wurde Kurt Fluri als neues Mitglied des Verwaltungsrats gewählt. Der 66-Jährige ist noch bis Sommer 2021 Stadtpräsident der Stadt Solothurn und ausserdem FDP-Nationalrat.

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Fluri ersetzt Urs Bichler, der auf eigenen Wunsch nach siebenjähriger Tätigkeit ausgeschieden ist.

Fluri hat eine Reihe weiterer Mandate und Mitgliedschaften in Verwaltungsräten, Stiftungen und Vereinen inne, vor allem mit Stadt- und verkehrspolitischem sowie kulturellem Zweck, aber auch im Bereich des Landschaftsschutzes. Er wird seine neue Funktion bei der soH ab 1. Oktober 2021 antreten und ab der Generalversammlung 2022 für das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der soH zur Verfügung stehen. (mgt/ldu)