Bahnverbindung
Gerlafingen wird an die Berner S-Bahn-Line angeschlossen

Die Linie 44 der S-Bahn wird bis nach Solothurn verlängert – für die Gerlafinger Politik erfüllt sich damit ein alter Traum. Denn somit erhält die Gemeinde stündlich zwei Verbindungen nach Bern.

Sven Altermatt
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Freude in Gerlafingen: Künftig gibt es hier stündlich zwei Züge nach Burgdorf. Die S-Bahn-Linie 44 wird das Dorf sogar direkt mit Bern verbinden.

Freude in Gerlafingen: Künftig gibt es hier stündlich zwei Züge nach Burgdorf. Die S-Bahn-Linie 44 wird das Dorf sogar direkt mit Bern verbinden.

Hanspeter Bärtschi

Träumen darf man immer. Doch in Gerlafingen könnte eine planerische Vision überraschend schnell zur Realität werden – ganz ohne Zitterpartie: Ab Dezember 2015 soll die Gemeinde ans Berner S-Bahn-Netz angeschlossen werden. Geht es nach den Plänen der Kantone Bern und Solothurn, wird die S-Bahn-Linie 44 aus Bern bis nach Solothurn verlängert. Heute fahren die BLS-Züge nur bis ins bernische Wiler, künftig sollen auch Solothurn, Biberist und eben Gerlafingen bedient werden. «Wir haben ein wichtiges Legislaturziel erreicht», sagt der Gerlafinger Gemeindepräsident Peter Jordi (SP). Für sein Dorf ist es die attraktivste Erweiterung seit Jahren – und trotzdem wird das in der Gemeindekasse kaum zu spüren sein. «Nur 14 500 Franken» müsse Gerlafingen für die Anbindung hinlegen.

S44 bis nach Solothurn: Was ändert sich für Bahnkunden?

Gerlafingen: Zweimal stündlich in die Stadt Bern

Eine Anbindung an die Berner S-Bahn wird in Gerlafingen schon lange angestrebt. Bislang gibt es nur eine Verbindung stündlich in die Bundesstadt. Bei dieser müssen Gerlafinger Pendler jedoch in Burgdorf umsteigen. Reisen Gerlafinger via Solothurn nach Bern, verlängert sich ihre Reisezeit um mehr als 20 Minuten. Für viele ist es dabei besonders ärgerlich, dass die Berner S-Bahn im Nachbarsdorf Wiler endet. Das soll sich ab Dezember 2015 ändern. Mit dem Anschluss an die S-Bahn hat Gerlafingen künftig zwei Verbindungen pro Stunde nach Bern. Davon werden auch Studenten und Berufsschüler profitieren, ist der Gerlafinger Gemeinderat überzeugt.

Solothurn/Biberist: Direkte Anbindung ans Wankdorf

Bereits heute verkehrt der RBS zwischen Bern und Solothurn im Viertelstundentakt – zumindest morgens und abends. Ab Dezember 2015 werden Solothurn und Biberist mit der verlängerten S44 eine weitere Direktverbindung in die Bundesstadt erhalten. Mit dieser wird die Fahrt zwar rund zehn Minuten länger dauern, dafür wird der Bahnhof Bern-Wankdorf bedient. Dieser ist das Ziel vieler Pendler aus Solothurn. Im Norden Berns sind in den vergangenen Jahren Tausende Arbeitsplätze entstanden. Zuletzt wurde dort das neue SBB-Hauptquartier eröffnet. (sva)

Veränderungen erfährt auch der Regioexpress Solothurn–Burgdorf, der ebenfalls in Gerlafingen und Biberist hält. Man darf hier getrost von einer kosmetischen Korrektur sprechen: Die Bahn wird – zumindest auf dem Papier – deklassiert und künftig als Regiozug geführt, was die Berner Gemeinden an der Strecke finanziell entlasten soll. In Burgdorf bietet der Regiozug weiterhin Anschlüsse an die S4 nach Bern und an den Fernverkehr nach Olten. Anschliessend verkehrt der Zug vom Emmental aus weiter nach Thun.

Mehr Effizienz gefordert

Mit den Anpassungen gibt es zwischen Solothurn und Burgdorf erstmals einen durchgehenden 30-Minuten-Takt. Was für Gerlafinger Pendler aber noch viel wichtiger ist: Die Industriegemeinde erhält stündlich zwei Verbindungen nach Bern. Einmal direkt mit der S44, einmal wie bisher mit Umsteigen in Burgdorf. «Für unser Standortmarketing ist das von enormer Bedeutung», so Jordi. Der Gemeindepräsident denkt dabei vor allem an das Bahnhofquartier: «Dieser Ortsteil könnte schon bald zu einer kleinen Perle werden.»

Gewünscht hat man sich die Anbindung ans S-Bahn-Netz in Gerlafingen schon lange. Befeuert wurde die Diskussion auch vom Gerlafinger SP-Nationalrat Philipp Hadorn, der die Erschliessung bereits während seiner Zeit als Gemeinderat forderte. Der Rat folgte seinem Antrag einstimmig. Das war vor fünf Jahren. Allerdings ist es kaum allein mit dem Wunsch Gerlafingens zu erklären, dass die Verlängerung der S44 nun möglich wird. Auch das liebe Geld spielt eine Rolle: Der Kanton Bern will die Linie mit der Verlängerung auf mehr Effizienz trimmen.

Derzeit dümpeln die Kostendeckungsgrade der Linie bei mageren 20 Prozent. Mit dem 30-Minuten-Takt und dank kürzeren Wendezeiten könne das Rollmaterial produktiver eingesetzt werden, heisst es im Berner Amt für öffentlichen Verkehr. Damit soll die Wirtschaftlichkeit deutlich gesteigert werden. Bis Mitte Oktober läuft das öffentliche Mitwirkungsverfahren zu den neuen Angeboten.

Eine kleine Kröte müssen jedoch auch Gerlafinger Pendler schlucken: Während der Regiozug aus Solothurn in Burgdorf seinen Anschluss an den Interregio nach Bern auch weiterhin erreichen soll, werden Anschlüsse in die Gegenrichtung nicht mehr gewährleistet. Im Dezember 2015 beginnen im Norden der Stadt Bern umfangreiche Bauarbeiten – und dafür muss der halbe Fahrplan umgekrempelt werden. Ein Tunnel soll das Nadelöhr Wylerfeld entflechten und den Bahnbetrieb weniger störungsanfällig machen. «Die Bauarbeiten haben negative Auswirkungen auf den Knoten Burgdorf», erklärt Seraina Zellweger vom Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau.

Enttäuschung bei den Nachbarn

Des einen Freud ist oft des anderen Leid. Anderswo dürften nämlich Proteste aufflammen. Für Wiler und Utzenstorf ist die Erschliessung Gerlafingens ein schwacher Trost. Die Gemeinden werden zu Stosszeiten statt drei nur noch zwei Verbindungen stündlich nach Bern haben. Gleichzeitig verlängert sich die Fahrzeit in die Bundesstadt um bis zu zehn Minuten. In Burgdorf wird die aus Bern kommende S44 für die Weiterfahrt nämlich mit dem Zug aus Sumiswald zusammengelegt. Die beiden Züge können aber nicht gleichzeitig einfahren.

Hinzu kommt: In Solothurn müssen Reisende künftig bis zu 20 Minuten auf ihren Anschluss in Richtung Olten warten. «Damit läuft man Gefahr, die Pendler aus dem Gebiet der unteren Emme abzuschneiden», erklärte der Wiler Gemeindepräsident Markus Schütte jüngst an einer Orientierungsversammlung.