Gerlafingen
1971 Teppichlappen für das Frauenstimmrecht: Mit dieser Aktion wollen vier Frauen das Jubiläum feiern

Vier Frauen aus Gerlafingen wollen zum Jubiläum des Frauenstimmrechts 2021 einen grossen Teppich zusammennähen. Dafür sollen Solothurnerinnen und Solothurner «gmeinsam lisme».

Sophie Deck
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Initiantin Monika Liebi mit dem fertigen Teppich in Schaffhausen

Initiantin Monika Liebi mit dem fertigen Teppich in Schaffhausen

zvg

In Solothurn wird ein Teppich glismet. Und zwar nicht irgendwo in Solothurn - sondern ein bisschen überall. Für das Projekt «Gmeinsam lisme macht Freud» suchen vier Frauen aus Gerlafingen 1971 Solothurnerinnen und Solothurner, die je einen oder auch mehrere Teppichlappen lismen, um am Ende einen grossen Teppich zusammenzunähen.

Der Anlass für diese Aktion versteckt sich in der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Im Jahr 1971, vor 50 Jahren, wurde das nationale Frauenstimmrecht in der Schweiz offiziell angenommen. Dieses Jubiläum möchten die Frauen 2021 mit dem Teppich feiern.Initiantin Monika Liebi hat die Idee aus Schaffhausen, wo das Projekt schon erfolgreich durchgeführt werden konnte.

«Sowie das Frauenstimmrecht über Jahrzehnte Stück für Stück erkämpft wurde, soll auch der Teppich Stück für Stück - mit kleinen Beiträgen vieler Einzelner - entstehen»,

erklärt Chantal Oberson, Mitorganisatorin des Projekts.

Monika Liebi am Lisme für das Projekt: «Gmeinsam lisme macht Freud»

Monika Liebi am Lisme für das Projekt: «Gmeinsam lisme macht Freud»

Zvg / SZ

«Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Lappen sind individuell und einzigartig wie jede Frau», so Monika Liebi. «Einzig die Form muss passen, 15x15 cm.» Sodass dann am Ende ein Teppich von 6.5 auf 6.5 Meter entsteht.

Lappen von allen Altersklassen und Geschlechtern

Das Projekt sei gut angelaufen: Die Gruppe habe schon viele Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden, darunter auch SP-Nationalrätin Franziska Roth, so erzählt Oberson. Ausserdem würden verschiedene Altersheime in der Region bereits fleissig mitlismen, zum Beispiel der Läbesgarte in Biberist und das Altersheim Am Bach in Gerlafingen.

Aber auch Mitglieder der jüngeren Generation hätten sich dafür begeistern lassen. «Alle sind ganz herzlich eingeladen, mitzuhelfen», sagt Oberson. Dabei sei das Alter egal - und auch das Geschlecht: Die Initiantinnen würde es freuen, wenn auch einige Männer Teppichlappen lismen.

«Auch Männer haben sich vor 50 Jahren für das Frauenstimmrecht eingesetzt und schliesslich haben sie darüber abgestimmt und die Entscheidung in der Schweiz so mitgetragen»,

betonen Liebi und Oberson.

Und zwei Männer hätten ihre Mithilfe auch schon zugesagt: Ein Mann aus dem Altersheim St.Katharinen und Thüringerhaus sowie Christoph Liebi, der Ehemann von Monika Liebi.

Ausstellung in der Stadt und später auf dem Bundesplatz?

Wenn sie dann alle 1971 Lappen zusammenhaben, plant das Team, sie in einem grossen Saal in Gerlafingen zusammenzunähen. Bereits jetzt fordern sie Lismerinnengruppen auf ihrer Facebookseite auf, Stücke von 5x5 Lappen zusammenzunähen, wenn sie können.

Bis am 11. April sollten dann alle Lappen eingetroffen sein. Danach hat die Gruppe noch bis am 6. Juni Zeit, den Teppich fertigzustellen, denn an diesem Tag wollen sie den Teppich in der Stadt Solothurn aufhängen. Sie haben das Datum so gewählt, da am 6. Juni 1971 auch in Solothurn das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene angenommen wurde.

Das Projekt bringe doch einigen unerwarteten Aufwand in der Planung mit sich, sagt Oberson, doch «wir sind sehr stolz, wie es bis jetzt aussieht und freuen uns auf den Teppich».

Und wenn das Projekt in Solothurn abgeschlossen ist, gibt es auch schon eine weitere Idee: Gemeinsam mit Schaffhausen und noch weiteren Kantonen, die Teppiche genäht haben oder ebenfalls daran sind, möchten die Frauen gerne alle Teppiche auf dem Bundesplatz in Bern präsentieren.

Die Initiantinnen

Monika Liebi, 51, Initiantin des Projekts «Gmeinsam lisme macht Freud», Spielgruppenleiterin

Özlem Kellenberger-Yüksel, 49, Gemeinderätin SP-Gerlafingen und Mitbegründerin des feministischen Instituts Sophia

Brigitte Schnyder, 51, kaufmännische Angestellte

Chantal Oberson, 38, Lehrerin

Teppichstücke an: Monika Liebi, Wilerstrasse 75 4563 Gerlafingen, bei Fragen: mlisme69@gmail.com