Urteil
Gericht sieht beim Büsseracher Brudermörder keine Notwehr

Das Obergericht bestätigte das vorinstanzliche Urteil. Der Mann aus Büsserach, der im August 2013 seinen Bruder tötete, hat vorsätzlich gehandelt. Es war keine Notwehr. Die Richter halten den Mann aber für schuldunfähig.

Ornella Miller
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Der Büsseracher hat 2013 seinen Bruder getötet.

Der Büsseracher hat 2013 seinen Bruder getötet.

TeleM1

Der jetzt 51-jährige Schweizer, der in Büsserach im August 2013 seinen Bruder mit einer Schrotflinte tötete, muss tatsächlich eine stationäre Massnahme antreten. Das Obergericht mit Daniel Kiefer, Hans-Peter Marti und Thomas Laube bestätigte das vorinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Dorneck-Thierstein vom 6. Juli 2015, gegen das er rekrutiert hatte: Der Mann beging eine vorsätzliche Tötung, ist aber wegen seiner paranoiden Schizophrenie schuldunfähig.

Das Gericht konnte sich auf die Spurensicherung und auf glaubwürdige Zeugen abstützen. Und erachtete es als erwiesen, dass der Täter nicht in Notwehr gehandelt hatte. Die Furcht des Täters vor dem Getöteten beruhe nicht auf einer objektiv nachvollziehbaren, tatsächlichen Gefahr, sondern sei auf die psychische Krankheit zurückzuführen.

Für die Tötung gebe es keine Rechtfertigungsgründe. «Da sein Wahnerleben die entscheidende Quelle für die Tat ist, ist er schuldunfähig», so Kiefer.

Hohe Genugtuungssummen

Das forensisch-psychiatrische Gutachten, das diese Krankheit bestätigt, habe volle Gültigkeit. Es decke sich auch mit den fachkompetenten Auskünften Dritter. Kiefer gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich der Mann «auf eine mit Medikamenten unterstützte Therapie einlässt und somit eine Perspektive auf Entlassung hat».

Bisher verweigerte er sich einer Therapie und sitzt im Thorberger Gefängnis. Nebst Verfahrens- und Anwaltskosten muss der Verurteilte den als Privatklägern aufgetretenen Hinterbliebenen hohe Genugtuungssummen von rund 90'000 Franken bezahlen.