Es war am 15. Dezember 2014, als Fahnder den reformierten Subinger Pfarrer am Flughafen Kloten festnahmen – zusammen mit einem Drogenkurier aus Brasilien. Der Südamerikaner führte rund drei Kilogramm hochwertiges Kokain mit sich. Der 44-jährige Seelsorger wollte den Transporteur nach dem Grenzübertritt nach Basel fahren.

Dort sollten die Drogen weiterverkauft werden. Doch daraus wurde nichts. Der festgenommene Pfarrer A. W. (Name der Redaktion bekannt) verschwand für zwei Monate in Untersuchungshaft. Er gab zu, im Auftrag einer befreundeten Dealerin serbischer Abstammung gehandelt zu haben.

Am Dienstag stand der inzwischen freigestellte Seelsorger vor dem Bezirksgericht Bülach. Er hoffte, auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die er im Vorfeld mit der Staatsanwaltschaft – im sogenannt abgekürzten Verfahren – ausgehandelt hatte. Doch er hoffte vergebens. Die Richter stuften die Sanktion als zu milde ein und wiesen den Fall zurück.

Drogendelikte und Geldwäscherei eingeklagt

Angeklagt war der 44-Jährige nicht nur wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, sondern auch wegen mehrfach versuchter Geldwäscherei. So hatten die Ermittlungen ergeben, dass der deutsche Beschuldigte mit der serbischen Drogenhändlerin zwar nicht intim, jedoch fest befreundet war und ihr ein Darlehen für 10 000 Franken gewährt hatte. Für das Abholen des Drogenkuriers hatte sich der Pfarrer eine Rückzahlung von noch ausstehenden 5000 Franken erhofft.

Vorgeworfen wurde ihm auch, dass er rund 30 000 Franken Drogengelder gewaschen haben soll. Es kam heraus, dass der Gottesmann für die Serbin zwischen Februar 2014 bis zu seiner Verhaftung immer wieder via Western Union Drogengelder nach Brasilien oder Portugal verschickt hatte. Zudem tätigte er via Internet von Subingen aus diverse Buchungen für Flugreisen von Brasilien in die Schweiz oder nach Amsterdam. Mutmasslich ging es dabei auch um Drogentransporte.

Wobei der Beschuldigte die fraglichen Gelder für die Bezahlung der Tickets seiner Freundin jeweils vorstreckte und danach von dieser zurückerstattet erhielt. Obwohl er annehmen musste, dass die Gelder grösstenteils aus Drogengeschäften stammen könnten.

Parteien einigten sich auf zwei Jahre bedingt

Vor Gericht stand ein Pfarrer, der sich schon im Vorfeld umfassend geständig gezeigt hatte. Deshalb hatten sich die Parteien bereits vor der Verhandlung auf einen Urteilsvorschlag von zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe geeinigt.

Wer mit einem kurzen Prozess rechnete, täuschte sich allerdings gewaltig. Zuerst war es Gerichtspräsident Rainer Hohler, der den Theologen einer peinlich genauen Befragung unterzog. Dabei kam heraus, dass bereits eine Ex-Frau des Beschuldigten eine Drogenkonsumentin gewesen war und er auf einem Schuldenberg von über 100 000 Franken sitzt. Zur inzwischen ebenfalls verhafteten Serbin wollte Hohler wissen: «Was bedeutete für sie diese Freundin?». Er könne es sich nicht erklären, antwortete er. Er sei jedenfalls von ihr abhängig gewesen, räumte er ein. «Ich habe den Punkt der Abgrenzung von ihr verpasst», blickte der Verheiratete selbstkritisch zurück.

Staatsanwältin sieht «Helfersyndrom» – Verteidiger «Naivität»

Die zuständige Staatsanwältin Daniela von Känel ergriff danach das Wort und bezeichnete den Pfarrer als einen Menschen, der einfach nicht «Nein» sagen könne. Ja, er leide sogar an einem Helfersyndrom, zeigte sich die Anklägerin überzeugt und lastete die Hauptverantwortung der Serbin an. Bei dieser handle es sich um eine sehr manipulative Person, plädierte sie und setzte sich deshalb für die Bewährungsstrafe von zwei Jahren ein.

Der Verteidiger Daniel Petazzi schloss sich diesem Antrag an und hob hervor, dass sein Mandant keine Bereicherungsabsichten verfolgt habe. Triebfeder seien vielmehr eine grosse Hilfsbereitschaft und eine ebenso grosse Portion Naivität gewesen. Petazzi sprach von einer äusserst geringen kriminellen Energie und einer grossen Kooperationsbereitschaft seines Klienten. Zudem habe der Pfarrer inzwischen nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Wohnung verloren. Zudem sei seine heutige Ehefrau anfänglich zu Unrecht in den Fall miteinbezogen worden.

Gericht will strengeres Urteil

Das Bülacher Gericht sorgte zum Schluss für eine grosse Überraschung. So verzichtete es auf ein Urteil und wies den Fall an die Anklagebehörden zurück. Aus zwei Gründen: Einerseits aus rechtlichen Erwägungen, da die Anklage nicht den Akten entsprechen würde. So liege beim Empfang des Drogenkuriers nicht nur eine versuchte Förderung der Kokaineinfuhr, sondern womöglich Gehilfenschaft oder gar Mittäterschaft vor. Zudem habe es sich bei der Geldwäscherei nicht nur um Versuche, sondern wohl um vollendete Akte gehandelt, erklärte der Gerichtsvorsitzende Hohler.

Andererseits stufte das Gericht den Strafantrag der Parteien aufgrund des Sachverhaltes als deutlich zu tief ein und lehnte damit den «Deal» als zu milde ab. «Der Angeschuldigte wusste, worum es ging und hat mehrfach mitgewirkt», führte Hohler aus. Zudem habe der Pfarrer ohne Not und ohne Sucht gehandelt.

Pfarrer geschockt – Gefängnis- strafe droht

Der Beschuldigte nahm den Beschluss sichtlich geschockt entgegen. So hatte er sich noch vor dem Prozess optimistisch gezeigt und im Warteraum witzige Sprüche von sich gegeben. Nun war ihm das Lachen vergangen. Kein Wunder, droht ihm jetzt doch wieder der Gang hinter Gitter. So kann eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.