Alkoholsucht

Gerade auch Rentner stehen im Fokus der kantonalen Alkoholprävention

Übermässiger Alkoholkonsum: nicht nur ein Problem der Jungen

Übermässiger Alkoholkonsum: nicht nur ein Problem der Jungen

Die meisten Personen im Kanton Solothurn, die mehr als ein Glas Alkohol pro Tag konsumieren finden sich bei den 65- bis 74-Jährigen. Das kantonale Alkoholpräventionsprogramm setzt auch bei dieser Gruppe einen besonderen Schwerpunkt.

Alkohol ist seit Jahrhunderten Teil der Gesellschaft. Obwohl die Schweizer bekanntlich gerne mal zur Flasche - oder zum Glas greifen, ist der durchschnittliche Alkoholkonsum entgegen der subjektiven Wahrnehmung in den letzten Jahren leicht gesunken. Er liegt seit zwei Jahren stabil bei jährlich 8,5 Liter reinem Alkohol pro Person. Immer wieder ist Alkoholkonsum auch ein Politikum. Aktuelles Beispiel aus Bundesbern, wo der Ständerat dem jugendlichen «Rauschtrinken» mit einem nächtlichen Verkaufsverbot und Mindestpreisen den Garaus machen will.

Steuerinstrument zur Prävention

«Auch in Solothurn ist der Alkoholkonsum keine Bagatelle», sagt Markus Schär, Leiter der Fachstelle Prävention des Kantons. Rund 17 800 Männer und 7800 Frauen im Kanton Solothurn konsumieren täglich Alkohol. Davon dürften etwa 12 000 Personen ein mittleres bis hohes Gesundheitsrisiko eingehen. «Der Schaden durch den risikoreichen Alkoholkonsum wird unter Einbezug aller sozialen Kosten, direkte und indirekte, gesamtschweizerisch auf jährlich rund 6,5 Mrd. Franken geschätzt», weiss Schär. Darum will Solothurn mit dem neuen Alkoholpräventionsprogramm 2013-2016 dem Problem Rechnung tragen. «Wir wollen das bestehende Angebot auf neue Schwerpunkte ausrichten und die Kräfte besser bündeln. Das Programm ist also ein Steuerinstrument, es stehen keine zusätzlichen finanziellen Mittel zur Verfügung», so Schär.

Zahlen zum Konsum schrecken auf

Das Alkoholpräventionsprogramm setzt sich aus sechs Schwerpunkten zusammen. Einer davon ist die Verminderung des chronischen Risikokonsums im Alter. «Diesem Problem ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, da keine Untersuchungen vorlagen», erklärt Markus Schär. Das aber hat sich jetzt geändert und die Zahlen schrecken auf: Die meisten Personen, die mehr als ein Glas Alkohol täglich konsumieren, finden sich in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen, nämlich 23,7 Prozent der Schweizer Männer und Frauen dieser Altersklasse. Das geht so weit, dass im Jahr 2011 rund 50,5 Prozent aller Schweizer Männer, die zu dieser Zeit 80 Jahre und älter waren, jeden Tag Alkohol konsumierten. Eine gefährliche Entwicklung, denn die gesundheitlichen Auswirkungen des chronischen Risikokonsums sind gerade auch im Alter sehr gross. Was viele nicht wissen: Ältere Menschen haben einen geringeren Körperwassergehalt als junge. Dadurch steigt der Promillewert im Blut schneller an und die Leber baut den Alkohol schlechter ab. Der Mischkonsum mit Medikamenten verschärft das Problem zusätzlich. Die Gründe für den steigenden Alkoholkonsum im Alter dürften unterschiedlicher Natur sein. «Einen grossen Einfluss hat sicherlich die soziale Situation», erklärt der Präventionsleiter. Etwa der Verlust von Angehörigen, die Einschränkung der Mobilität oder auch Schmerzen können ausschlaggebend sein.

Solothurn reagiert: Personen, die mit älteren Menschen in Kontakt stehen, haben die Möglichkeit eine Schulung zum richtigen Umgang bei Verdacht auf Alkoholprobleme zu besuchen. «Wichtig ist, dass sie einen möglichen Risikokonsum erkennen können und darin geschult werden, wie man solch heikle Themen anspricht», erklärt Schär.

Mehrheit trinkt moderat

Eines ist Schär besonders wichtig: «Der Kanton Solothurn strebt keine Abstinenz an, auch im Alter nicht. Wir stehen für einen massvollen Umgang mit alkoholischen Getränken ein.» Die grosse Mehrheit aller Erwachsenen Solothurner würde Alkohol in einem moderaten Rahmen geniessen oder sei gar abstinent, und diese Tatsache gelte es, in der Prävention ebenfalls zu berücksichtigen. Darum auch der Leitsatz: Wer trinkt, tut dies, ohne sich selbst und andere zu gefährden. Es gehe darum, die negativen Folgen von übermässigem Alkoholkonsum aufzuzeigen und zu thematisieren. «Wir sind nicht hier, um den Alkohol zu verteufeln», schliesst Markus Schär.

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