Verkehrsverbund
Gemeinsamer Tarifverbund: Alles kommt in den grossen Libero-Topf

Grenchen, Bettlach, Biel, das Seeland und Berner Jura sind neu im gemeinsamen Tarifverbund. Diese Ausweitung bringt für die Kunden einige Änderungen mit sich.

Oliver Menge
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Wer bisher von der Solothurner Weststadt mit einem Zwischenhalt in Grenchen nach Biel und von dort beispielsweise nach Brügg fahren wollte, musste mehrere Billette lösen. Einerseits ein Libero-Ticket, das bis zum Bahnhof Grenchen gültig war, dann ein SBB-Ticket bis nach Biel und dort ein Einzelbillett des Bieler Verkehrsverbunds, das bis Brügg gültig war. Eine komplizierte Geschichte, die noch um einiges komplizierter wurde, wenn ein Arbeitnehmer oder Schüler diesen Weg täglich machen musste und für eine solche Strecke ein Abo lösen wollte. Das war nicht möglich, man musste mindestens deren zwei kaufen.

Damit ist ab Mitte Dezember Schluss. Der Tarifverbund «Abo zigzag», der für Biel, das Seeland, den Berner Jura, aber auch für Grenchen, Bettlach und Selzach Gültigkeit hatte, wird zeitgleich mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember aufgelöst und in den Tarifverbund «Libero» überführt. «Damit entsteht der zweitgrösste Verkehrsverbund der Schweiz mit den Schwerpunkten Bern, Solothurn und neu Biel», so Libero-Direktor Daniel Hirt an der gestrigen Medienkonferenz.

Bereits vor zehn Jahren entstand aus der Fusion der Tarifverbunde Bern – dem BäreAbi – und Solothurn – Frosch-Abo – der Tarifverbund Libero. Der BGU, Busbetrieb Grenchen und Umgebung, fuhr einen eigenen Kurs. Einzelfahrten bot man zum Haustarif an, für Abonnemente Richtung Biel hatte man sich dem Abo zigzag angeschlossen und war bezüglich Abonnements für Strecken in Richtung Solothurn ein Partner des Libero-Tarifverbundes. Nun wird auch der BGU voll in den Tarifverbund Libero integriert.

Erweiterung um 18 Zonen

Die Ausweitung des Libero-Tarifverbundes bringt für die Kundschaft einige Änderungen mit sich: Der bestehende Zonenplan des Libero mit aktuell 73 Zonen wird um 18 Zonen erweitert. In den Kantonen Bern und Solothurn erreicht man 925 000 Einwohner an 2300 Haltestellen auf einem Verkehrsnetz von 2200 Kilometer Länge. 16 Partner, Transportfirmen und Bahnunternehmen in 350 Gemeinden bieten nun eine einheitliche Tarifstruktur.

Die Benutzung des öffentlichen Verkehrs wird grundsätzlich einfacher. Dies betonten die Vertreter des Libero-Tarifverbunds und des Abos zigzag sowie Vertreter der Solothurner und Berner Kantonsbehörden gestern an der Medienkonferenz in Biel. Egal, welche öffentlichen Verkehrsmittel benützt werden, man braucht nur noch ein Billett oder Abonnement zu lösen, um von A nach B zu gelangen. Man kann also beispielsweise von einer Bushaltestelle in einem Aussenquartier von Bern einen Fahrausweis direkt auf den Grenchenberg lösen. Einzelbillette funktionieren künftig überall nach dem Prinzip «Raum und Zeit». Das heisst, der Fahrgast löst einen Fahrausweis für eine bestimmte Anzahl Zonen, mindestens zwei. Innerhalb der vorgegebenen Zeitdauer kann er sich dann innerhalb dieses Raums frei bewegen. Die Ausnahmen sind Kurzstrecken und ein nur für Biel gültiger Lokaltarif mit 45 Minuten lang gültigen Billetten.

Damit die Fahrgäste in den Genuss des neuen Angebots kommen können, müssen bei den Verkehrsbetrieben Biel und beim BGU bis zum Fahrplanwechsel im Dezember neue Billettautomaten eingeführt werden.

Wie zu erwarten: Es wird teurer

Der öffentliche Verkehr geniesst in den beiden Kantonen Bern und Solothurn einen hohen Stellenwert und man ist bestrebt, ihn weiter zu attraktivieren. Beide Parlamente haben einer gemeinsamen Erhöhung der jährlichen Beiträge um 2,5 Millionen Franken zugestimmt, was dazu führt, dass sich die Tarifanpassungen in Grenzen halten. Aber: Neben der schweizweit vorgegebenen Tariferhöhung um durchschnittlich 3% im gesamten Libero-Gebiet ist eine Anpassung bei den Tarifen in den Regionen Biel, Seeland, Grenchen und im Berner Jura die Folge. Grundsätzlich werde das Fahrausweis-Angebot insgesamt etwas günstiger und die Tarife seien gerechter und transparenter, meinten die Verantwortlichen. Ein Blick auf die nebenstehende Tabelle zeigt aber auch, dass durch die Einführung des Zonensystems oder die neue Zoneneinteilung der Griff ins Portemonnaie mancherorts etwas schmerzhaft ausfallen dürfte. Vor allem für Kunden, die nur den Zug benutzen, werde es um einiges teurer, erklärte Ludwig Dünbier, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr des Kantons Solothurn. So wird die Einzelfahrt Solothurn–Biel um 16% teurer, die Fahrt von Grenchen nach Biel um 33% und ein Billett von Pieterlen nach Biel kostet satte 60% mehr als zuvor. Bei den Abopreisen stellt man eine durchschnittliche Preissteigerung von etwa 20% fest. Weiterhin geben wird es Ermässigungen bei Abonnements für Junioren bis 25 sowie Frauen ab 64 Jahren und Männer ab 65 Jahren für die 2. Klasse. Diese sind 25% günstiger als normale Abos.

Die neuen Libero-Tarife

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