Spitexkosten

Gemeinden müssen besser mit ihrer Spitex verhandeln

Eine Spitexmitarbeiterin besucht einen Klienten. Symbolbild/archiv

Eine Spitexmitarbeiterin besucht einen Klienten. Symbolbild/archiv

Die Beiträge der Gemeinden an ihre Spitex weisen grosse Unterschiede auf. Tief sind die Kosten vor allem dort, wo kurze Wege bestehen – und die Gemeinden mit ihrer Spitex verhandeln.

Die Entwicklung bei den Kosten der Spitex bereitet einigen Gemeinden derzeit gehörig Kopfzerbrechen – und andere sind ganz zufrieden. Zu Ersteren gehören die Bucheggberger Gemeinden, die ihre Leistungen beim Spitexverein Bucheggberg beziehen (wir berichteten). Sehr zufrieden mit den Kosten ihrer Spitex ist indes etwa die Gemeinde Derendingen. Während auf die Gemeinden in Bucheggberg im nächsten Jahr Beiträge in der Höhe von 78 Franken pro Einwohner zukommen, budgetiert Derendingen für 2015 gerade mal 38 Franken – und damit nicht mal ganz die Hälfte.

Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten gemäss einer Auskunft vom Amt für Gemeinden auf 57 Franken pro Kopf. Ähnlich hohe Beiträge wie die Gemeinden im Bucheggberg zahlen auch jene im Thal, sagte gestern auf Anfrage Thomas Blum, der Geschäftsführer des Verbands der Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG). Der Beitrag von Derendingen indes liege eher am unteren Rand. Wie aber lassen sich solche Unterschiede erklären?

Defizitgarantie ist teuer

Eine detaillierte Untersuchung über die Gründe für diese Kostendifferenz gebe es derzeit nicht, so Blum. Eine wichtige Rolle gerade für die hohen Kosten im Thal und im Bucheggberg spielen sicher die langen Wege. «Wir beobachten aber auch, dass immer noch viele Gemeinden mit ihrer Spitex Leistungsvereinbarungen abschliessen, die eine Defizitgarantie enthalten.» Derendingen indes verzichtet auf eine solche Garantie. Stattdessen setzen sich Vertreter der Gemeinde Jahr für Jahr mit dem Spitexverein an einen Tisch und verhandeln über den Gemeindebeitrag. «Wir konnten damit die Kosten stark reduzieren», sagt Kuno Tschumi nicht ohne Stolz.

In Derendingen zahle die Gemeinde nur Beiträge an die Pflichtleistungen der Spitex, erläutert der Derendinger Gemeindepräsident und gleichzeitig Präsident des VSEG. «Alle übrigen Leistungen, wozu auch die Hauswirtschaft gehört, muss die Spitex in der Regel kostendeckend erbringen.» Bei Angeboten, wo dies kaum möglich ist, übernehme die Gemeinde einen Teil der Aufwendungen. Dies treffe zum Beispiel auf den 24-Stunden-Notruf zu. Tschumi: «Diese Dienstleistung bedeutet einen Standortvorteil für die Gemeinde.» Zudem gibts auch einen Beitrag der Gemeinde an die Mietkosten. Derendingen halte sich im Übrigen nicht auf Kosten ihrer Spitexorganisation schadlos: «Die Spitex schreibt bei uns schwarze Zahlen.»

Kosten werden weiter steigen

«Es ist wichtig, dass die Gemeinden die Kosten der Spitex kennen und mit den Organisationen verhandeln», ist auch Sigrun Kuhn überzeugt, Präsidentin des Spitexverbands Kanton Solothurn. Und auch für sie steht fest, dass der Verzicht auf eine Defizitgarantie das betriebswirtschaftliche Denken der Spitexorganisationen fördert. In Bereichen wie der Hauswirtschaft, die über die Pflichtleistungen der Spitex hinausgehen, können die Gemeinden die Stundentarife selber festlegen. «Sind diese zu tief angesetzt, ist es kaum möglich, kostendeckend zu arbeiten.»

Unterschiedliche Kosten pro Einwohner entstehen zudem, so Kuhn, aufgrund verschiedener Aufwendungen in der Infrastruktur sowie teilweise im Bereich der Lohnkosten. Ganz generell sei damit zu rechnen, dass die Kosten in der Spitex weiter steigen werden. Dies aufgrund der demografischen Situation. Zudem schätzen immer mehr ältere Menschen die Betreuung zu Hause. Und: «Aufgrund der Fallpauschalen in den Spitälern verlagern sich die Kosten vom Spital auf die Spitex.»

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