Recycling
Gemeinden erhalten wegen Einkaufstourismus weniger fürs Altglas

Die Gemeinden lassen das gesammelte Altglas auf eigene Kosten abtransportieren, wofür sie aber eine Entsorgungsgebühr erhalten. Diese ist aber nicht mehr kostendeckend. Schuld am Ganzen soll der Einkaufstourismus sein.

Simon Binz
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Solothurner und Solothurnerinnen «füttern» fleissig die Altglassammelstellen; sie zahlten zuvor eine Entsorgungsgebühr.

Solothurner und Solothurnerinnen «füttern» fleissig die Altglassammelstellen; sie zahlten zuvor eine Entsorgungsgebühr.

Oliver Menge

Schweizerinnen und Schweizer sammeln fleissig Altglas: 2011 wurden rund 94 Prozent aller in der Schweiz verkauften Glasverpackungen zurückgegeben. Auch Solothurnerinnen und Solothurner sind fleissige Altglassammler. «2011 wurden 25,8 Kilogramm Bruchglas pro Kopf gesammelt», meldet Stefan Gyr, Leiter des Schadendienstes des Kantons Solothurn. Für eine Tonne gesammeltes Altglas erhielten die Gemeinden bis anhin 100 Franken Entschädigung. Gesamthaft ergibt dies für den Kanton Solothurn einen Betrag von rund 670 000 Franken.

Für das Jahr 2012 wird die Entschädigung für die Altglassammlung wohl gegen 95 Franken pro Tonne sinken. Schuld daran soll der Einkaufstourismus sein (siehe Kasten). Einen allfälligen Verlust hätten die Wohngemeinden zu tragen. In der Region Solothurn macht man sich bisher aber wenig Sorgen, dass die niedrigere Entschädigung ein Loch in die Gemeindekasse reissen könnte.

Einkaufstourismus ist Schuld an der Gebühr

Wer in der Schweiz eine Getränkeflasche ab einem Deziliter Inhalt kauft, zahlt mit dem Preis auch zwischen zwei bis sechs Rappen für die Entsorgung. Mit dieser vorgezogenen Entsorgungsgebühr (VEG) werden seit 2002 die Kosten der Glassammlung gedeckt. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) zieht die Organisation Vetro-swiss die Gebühren ein und zahlt diese an die Gemeinden, Zweckverbände und Unternehmen aus, die Glassammlungen betreiben. Wie Vetroswiss mitteilt, rechnet sie für 2012 mit einem Rückgang der VEG-Einnahmen um rund drei Prozent. «Die einzige Erklärung ist der boomende Einkaufstourismus», erklärt Fritz Stuker von Vetroswiss. Im Ausland werden nämlich keine vorgezogenen Entsorgungsgebühren erhoben. Schweizer kaufen also teilweise ihr Bier, Mineral oder Wein im grenznahen Ausland ein, entsorgt werden die Flaschen aber dennoch in der Schweiz. Ergebnis: Obwohl 2012 in der Schweiz weniger Glasflaschen verkauft wurden und so die VEG-Einnahmen sanken, stieg im gleichen Zeitraum die gesammelte Menge Altglas. Wie Vetroswiss mitteilt, werde aus diesem Grund der Entschädigungssatz wohl von 100 Franken pro Tonne Altglas gegen 95 Franken sinken. (sbb)

Nicht überall kostendeckend

Die Stadt Solothurn hat insgesamt elf Sammelstellen - fünf unterirdische und sechs oberirdische. Die Altglassammlung wird durch die Firma Almeta AG in Bellach durchgeführt. 2011 wurden in der Hauptstadt insgesamt 580 Tonnen Altglas gesammelt.

Dafür erhielt Solothurn eine Entschädigung von 55 000 Franken. «Dieser Betrag deckt aber nur die externen Aufwandkosten der Almeta AG. Hinzu kommt noch der Unterhalt der Sammelanlagen durch den Werkhof», erklärt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt der Stadt Solothurn. Ein Rückgang der Entschädigung würde in Solothurn um die 3000 Franken betragen und könnte verkraftet werden, meint Lenggenhager weiter.

Nur Mischglas in Grenchen

Auch Biberist überlässt die Altglasentsorgung der Firma Almeta AG. Im Jahr 2011 sammelten die Biberister insgesamt 242 Tonnen Altglas. Dies entspricht einem Wert von 34,3 Kilogramm pro Einwohner und dafür erhielt die Gemeinde eine Entschädigung von rund 25 000 Franken. «Die Kosten für die Altglasentsorgung konnten bisher mit der Entschädigung gedeckt werden», sagt Beat Tschumi, Bereichsleiter Tiefbau in Biberist. «Eine allfällige Senkung um fünf Franken pro Tonne würde mir also momentan keine Bauchschmerzen bereiten», meint Tschumi.

Ähnliches meldet Grenchen, wo die Flaschen noch von Haus zu Haus eingesammelt und dadurch vermischt entsorgt werden. Dies bringt den Grenchnern, weil Mischglas, eine Entschädigung von «nur» 60 Prozent oder eben 60 Franken je Tonne. «Zwar können die Aufwandkosten nicht ganz mit den Entschädigungen gedeckt werden», erläutert Jakob Bräcker, Administration Sachbearbeiter Tiefbau. Aber dies könne meist kompensiert werden, indem man in einem Jahr mehr Grünabfuhren habe oder mehr Entschädigungen für die Entsorgung von Altstoffen erhalte. Für 500 Tonnen Mischglas erhielt Grenchen im Jahr 2011 übrigens eine Entschädigung von 30 000 Franken.

Oensingen hat eine zentrale Sammelstelle, die von der Balsthaler Firma Eggenschwiler Transporte AG betrieben wird. 2011 sammelten die Oensinger insgesamt rund 168 Tonnen Altglas. Die Gemeinde erhielt eine Entschädigung von 16 635 Franken. Die Entsorgungskosten beliefen sich auf 14 340 Franken. Oensingen macht also ein Plus und darum auch hier: «Wir werden eine allfällige Senkung überleben», sagt Michaela Filosoglou, Assistentin Leiter Bau.

Reaktion auf Einkaufstourismus

Falls sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in den nächsten Jahren nicht abschwächen wird, ist damit zu rechnen, dass auch der Einkaufstourismus nicht zurückgehen wird. Dieser Problematik ist man sich in den Gemeinden durchaus bewusst. Die Abläufe der Sammlungen müssten optimiert werden, erklärt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Solothurner Stadtbauamtes. «Sammelstellen müssten zusammengelegt werden. Somit liessen sich Transport- und Unterhaltskosten einsparen.» Oder wie es Beat Tschumi, Bereichsleiter Tiefbau in Biberist, ausdrückt: «Dann müsste man wieder über die Bücher.»

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