6-Spur-Ausbau A1
Gemeinden entlang der A1 klagen: «Wir wollen mehr Lärmschutz»

Die A1 soll frühestens ab 2022 zwischen Luterbach Gemeinden auf sechs Spuren ausgebaut werden. Alle elf Gemeinden, die an die Autobahn grenzen, fordern mehr Lärmschutz.

Stefan Frech
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Stau auf der Autobahn A1 bei Luterbach: Alle Solothurner Gemeinden sagen grundsätzlich Ja zum Ausbau auf sechs Spuren.

Stau auf der Autobahn A1 bei Luterbach: Alle Solothurner Gemeinden sagen grundsätzlich Ja zum Ausbau auf sechs Spuren.

Keystone

«Der Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren ist nötig. Wir wollen aber mehr Lärmschutz». So tönt es in allen 11 Solothurner Gemeinden, die an die A1 zwischen Luterbach und Härkingen grenzen und zum Ausbauprojekt des Bundes Stellung nehmen können.

Grundsätzliche Opposition gibt es also keine – kein Wunder, wälzen sich doch täglich 87 000 Fahrzeuge auf der 22 Kilometer langen Strecke, ständig gibt es Stau und der Fluchtverkehr belastet die Strassen in den Gemeinden. Trotzdem wird dort auch Kritik an den Ausbauplänen des Bundes laut, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigt.

Thema Nummer 1 in den rund 15 Eingaben aus der Bevölkerung und den Stellungnahmen der Gemeindebehörden ist der Lärmschutz: Es werden mehr oder bessere Lärmschutzwände und -wälle gefordert. Das zweite grosse Thema sind die Anschlüsse in Oensingen und Egerkingen, die anders gestaltet werden sollen. Beim Bundesamt für Strassen (Astra) macht man den Gemeinden aber wenig Hoffnung, dass all ihre Anliegen aufgenommen werden können (siehe Kasten).

In Luterbach fordert der Gemeinderat, dass im Gebiet der Verzweigung A1/A5 Erdwälle aufgeschüttet werden, die das Dorf und das Naherholungsgebiet Affolterwald vom Verkehrslärm schützen. Das offizielle Derendingen hingegen gibt keine Vernehmlassungsantwort ab, weil der fragliche Autobahnabschnitt zu weit weg liegt. Hingegen hat ein Bewohner, Hansruedi Meyer, eine Eingabe gemacht – als Präsident des VCS Solothurn: «Wir sind grundsätzlich gegen den 6-Spur-Ausbau. Dieser wird noch mehr Verkehr auf der Autobahn und somit auch in den angrenzenden Gemeinden verursachen.»

Bundesamt: «Klare Grenzen für Lärmschutzwände»

Beim Bundesamt für Strassen (Astra) ist man nicht überrascht, dass der Lärmschutz in der Vernehmlassung zum generellen Projekt am meisten Reaktionen ausgelöst hat. Esther Widmer, Informationsbeauftragte der Astra-Filiale Zofingen, betont jedoch, dass die in den Plänen eingezeichneten Lärmschutzwände (Länge, Höhe usw.) nur provisorischen Charakter haben. «Auf Stufe generelles Projekt können noch keine Detailfragen beantwortet werden, es geht vor allem um die Linienführungen.» Erst das Ausführungsprojekt werde aufgrund von detaillierten Lärmmessungen ausgearbeitet. Fest steht bereits jetzt: Nur wo der fürs Jahr 2030 prognostizierte Lärm die Grenzwerte überschreitet, darf der Bund den Bau von Lärmschutzwänden finanzieren. «Die rechtlichen Grundlagen der Lärmschutzverordnung sind für uns bindend», betont Widmer. «Wenn die Gemeinden mehr oder höhere Wände als gesetzlich vorgeschrieben wünschen, müssen sie diese selber oder mithilfe des Kantons finanzieren», sagt die Astra-Sprecherin. Das wird sicher selten geschehen, denn: 100 Meter Lärmschutzwand kosten mehrere hunderttausend Franken. Klar ist aber auch, dass dort, wo bereits heute Lärmschutzwände entlang der A1 stehen, diese erhalten bzw. erneuert und wo notwendig ersetzt werden.
Auch für die gewünschten Projektänderungen bei den Anschlüssen in Oensingen und Egerkingen können sich die Gemeinden nicht allzu viele Hoffnungen machen. Laut Astra ist zum Beispiel eine direkte Anbindung der A2 an die Oltnerstrasse in Egerkingen ein raumplanerisches Problem, das zunächst vom Kanton Solothurn gelöst werden muss. Zeitlich wird es also kaum reichen, dass eine Umgestaltung in Egerkingen zusammen mit dem 6-Spurausbau erfolgen kann. Gemäss Astra könnten aber solche Änderungen in den Anschlussbereichen auch später noch separat gebaut werden. (sff)

In Flumenthal regt sich bis jetzt kein Widerstand. Auch hier liegt die A1 zu weit weg. In Deitingen allerdings fordert ein Bewohner, dass die bestehende Lärmschutzwand auf der Südseite der A1 in Richtung Westen bis zur Verzweigung Luterbach verlängert wird. Die Gemeinde selber möchte erreichen, dass die Autobahnbrücke mit der Kantonsstrasse Deitingen-Luterbach derart ersetzt wird, dass ein Velostreifen Platz hat.

In Oensingen fordern mehrere Einwohner Lärmschutzwände – sie leben vorwiegend im östlichen Dorfteil, wo bereits solche Wände bestehen und in den Plänen des Bundes weiterhin vorgesehen sind. Gar nicht zufrieden ist der Gemeinderat, dass der Knoten Expressstrasse/Jurastrasse mitten im Dorf nur marginal umgestaltet werden soll. «So nicht», sagt Gemeindepräsident Markus Flury. «Das Verkehrschaos bleibt, vor allem werden sich weiterhin die Autos auf den Autobahnzubringer zurückstauen.» Deshalb verlangt die Gemeinde einen Vollanschluss.

«Der Lärm macht Angst», sagt der Gemeindepräsident von Kestenholz, Arno Bürgi. Auf der Höhe seiner Gemeinde sind weiterhin keine Lärmschutzwände vorgesehen. Die Gemeinde will ausserdem wissen, wie die Begleitmassnahmen zur neuen Wildtierüberführung in Oberbuchsiten aussehen. Dort sind die Behörden laut Gemeindepräsident Daniel Lederer «nicht glücklich» über den neuen Wildtierkorridor. «Wir werden ihn aber kaum verhindern können.» Auch die Modellfluggruppe Oberbuchsiten will in einer Eingabe wissen, was der geplante Wildübergang für ihren kleinen Flugplatz bedeutet. Die nördlich der A1 liegende Gemeinde fordert, dass die bestehende Lärmschutzwand in Richtung Westen verlängert wird.

Südlich der Autobahn liegt Niederbuchsiten. Dort plant der Bund auf der Höhe des Dorfes eine neue Lärmschutzwand. «Wir werden darauf beharren», sagt Vizegemeindepräsident Beat Kamber. Noch offen ist die Haltung der Gemeinde zum Wildkorridor.

In Neuendorf gibt es keine Begehren aus Behörden oder Bevölkerung. «Wir unterstützen den 6-Spur-Ausbau, damit der Fluchtverkehr abnimmt», sagt Gemeindepräsident Paul Stöckli. In Egerkingen fordern mehrere Einwohner und der Gemeinderat, dass Lärmschutzwände entlang der A2 gebaut werden. In den Plänen des Bundes ist nur bei der Abfahrt aus Richtung Basel eine neue Wand vorgesehen.

Das zweite grosse Thema für den Gemeinderat ist eine Neugestaltung des Anschlusses: «Wir fordern seit Jahren einen grosszügigen Umbau», sagt Markus Thommen, Bereichsleiter Bau. Verlangt wird auf der Ostseite der A2 eine direkte Anbindung der Kantonsstrasse von und nach Olten. Auch für den Gemeindepräsidenten von Härkingen, Daniel Nützi, ist die Frage zentral, wie der Verkehr in Egerkingen von der A2 weggeführt werden kann. Zudem will Härkingen erreichen, dass die bestehenden Lärmschutzwände optimal ersetzt werden.