Kuno Tschumi geht
Gemeinden brauchen einen neuen Chef-Lobbyisten

Kuno Tschumi gibt das Präsidium des Verbands der Einwohnergemeinden früher als erwartet ab.

Urs Moser
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Gemeindepräsident von Derendingen und Noch-Präsident des Einwohnerverbandes, Kuno Tschumi.

Gemeindepräsident von Derendingen und Noch-Präsident des Einwohnerverbandes, Kuno Tschumi.

Hanspeter Bärtschi

Dass er keine volle vierjährige Amtsperiode mehr an der Spitze des Verbands der Einwohnergemeinden VSEG stehen will, hatte Kuno Tschumi an der letzten Generalversammlung im Juni 2017 angekündigt. Nun pfeifen die Spatzen schon länger von den Dächern, das Präsidium sei bereits dieses Jahr neu zu besetzen. Auf Nachfrage beim Verband hiess es unlängst dann allerdings, es liege keine Demission vor. Was stimmt nun?

Beides. Tatsächlich hat er seine Demission auch bis heute noch nicht eingereicht, er werde aber an der Vorstandssitzung am kommenden Donnerstag formell den Rücktritt auf die Generalversammlung am 18. Mai erklären, stellt Tschumi klar. Es wurden auch bereits sämtliche Gemeindepräsidien angeschrieben, sich Gedanken über Kandidaturen für die Nachfolge zu machen.

Man wird nicht jünger

Ursprünglich habe er die Mitte der Amtsperiode im Auge gehabt, sagt Tschumi. Nun sei aber einiges anders gelaufen als er sich das gedacht hatte. Der Gemeindeverband ist etwa ein wichtiger Player beim Aufgleisen der neuen Steuervorlage, und auch in seiner eigenen Gemeinde stünden grosse Reformen an. Das alles und daneben noch das Kantonsratsmandat werde doch etwas viel für ihn, meint der Gemeindepräsident von Derendingen. Schliesslich werde er bald 67 und merke, dass er längere Erholungsphasen brauche als in jüngeren Tagen.

Aber sollte eine Nachfolgeregelung nicht von etwas längerer Hand vorbereitet werden? Schliesslich sind die Gemeinden eine mächtige Lobby, der Präsident ihres Verbands hat ein wichtiges Amt mit Einfluss. Tschumi sieht kein grosses Problem: «Die Personen, die nächstes Jahr infrage kämen, wären die gleichen, bei denen das auch jetzt der Fall ist.» Es sei manchmal gar nicht schlecht, sich ohne grosse Bedenk- und Vorbereitungszeit zu etwas entschliessen zu müssen, meint Tschumi.

Fest in FDP-Hand?

Wunschkandidaten nennt er natürlich nicht. Sicher muss ein amtierender Gemeindepräsident an der Spitze des VSEG stehen. Idealerweise sitzt er oder sie auch im Kantonsrat, ist Jurist und kommt nicht unbedingt aus dem hintersten Schwarzbubenland oder dem tiefsten Niederamt. Der kurzen Wege zur Verwaltung in Solothurn wegen, mit der man als VSEG-Präsident viel zu tun hat. Das seien aber keine festgeschriebenen Kriterien, so Tschumi. Er selber etwa sass auch noch nicht im Kantonsrat, als er das Amt antrat.

Da etwa 60 Prozent der Gemeindepräsidien in freisinniger Hand sind, ist es naheliegend, dass es auch das VSEG-Präsidium bleibt. Ambitionen werden etwa Roger Siegenthaler nachgesagt, Gemeindepräsident von Lüterkofen-Ichertswil und Präsident der Repla Solothurn. Es gehe aber nicht um ein parteipolitisches Amt, betont Noch-Präsident Tschumi. Und: Um den Filz-Vorwurf zu entkräften wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn einmal jemand aus einer anderen Partei zum Zug käme.