Tageskarte Gemeinde
«Gemeinde-Tageskarten sind vor allem eine Dienstleistung für die Bevölkerung»

Das Geschäft mit den Tageskarten rentiert längst nicht für alle Gemeinden, welche diese anbieten. Vielerorts werden die Karten aber auch nicht als Einnahmequelle, sondern vor allem als eine Dienstleistung für die Bevölkerung angesehen.

Joshua Villing
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In den Gemeinde-Tageskarten findet sich eine preiswerte Alternative zur Tageskarte der SBB. Eine Tageskarte der Gemeinde kostet in den meisten Kommunen 40 Franken. Einige Gemeinden verkaufen die Tageskarten sogar für noch weniger, so erhält man als Einwohner Selzachs eine Tageskarte schon für 36 Franken. Eine Tageskarte der SBB (2. Klasse mit Halbtax) kostet mit 71 Franken fast das Doppelte.

Seit 2011 dürfen die Gemeinden Tageskarten nur noch an ihre Einwohner und nicht mehr an Auswärtige verkaufen. Eine Ausnahme bilden hier Einwohner aus Nachbargemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern.

Viele Solothurner Gemeinden halten sich strikt an diese Regelung, so zum Beispiel die Stadt Solothurn. Die vier Tageskarten, welche der Kantonshauptort anbietet, werden ausschliesslich an Einwohner der Stadt verkauft.

Gleich verhält sich die Situation in Zuchwil, so sind nur Einwohner mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Gemeinde Zuchwil berechtigt, eine der vier Tageskarten der Gemeinde zu beziehen. Wobei die Karten nur gegen Vorweisen eines persönlichen Ausweises gekauft werden können.

Andere Gemeinden weiten diese Regelung ein wenig aus und verkaufen die Billetts auch an Auswärtige, meistens jedoch erst kurz vor dem Reisedatum oder zu einem höheren Preis, um den eigenen Einwohnern den Vorrang zu lassen.

Eine dieser Gemeinden ist Balsthal, hier dürfen auch Auswärtige die Karten beziehen, jedoch zahlen sie dafür mit 45 Franken, fünf Franken mehr als die Einwohner Balsthals. Ähnlich ist die Situation in der Gemeinde Selzach geregelt, wer in einer der Nachbargemeinden wohnt, kann auch hier eine Tageskarte kaufen, bezahlt dafür aber 40 Franken.

Angst vor rigorosen Kontrollen oder hartem Durchgreifen durch die SBB wäre aber fehl am Platz. «Wenn wir feststellen, dass sich eine Gemeinde nicht an die Regelung hält, machen wir sie schriftlich darauf aufmerksam», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Tageskarten als Dienstleistung

Die Gemeinden, welche die Tageskarten auch an Auswärtige verkaufen, tun dies oft nicht primär aus finanziellen Gründen. Auch wenn sich das Geschäft mit den Tageskarten nicht immer finanziell lohnt.

«Das Geschäft mit den Tageskarten rentiert nicht», bestätigt Andreas Gervasoni, Finanzverwalter der Gemeinde Dulliken. Dulliken bietet insgesamt vier Tageskarten an, diese dürfen auch Auswärtige beziehen, jedoch erst drei Tage vor Reisebeginn.

«Dies ist aber nicht so geregelt, um mehr Karten verkaufen zu können», so Gervasoni. Man sehe die Tageskarten nicht als Mittel um Geld einzunehmen, sondern als eine Dienstleistung für die Bevölkerung.

Man ermögliche auch Auswärtigen den Kauf, um es Personen, welche näher an der Dulliker Gemeindeverwaltung wohnen als an ihrer eigenen, einfacher zu machen. Prinzipiell komme es aber selten vor, dass Auswärtige eine Tageskarte beziehen, und wenn, seien es Anwohner aus einer der Nachbargemeinden.

In erster Linie sollen die Tageskarten aber von den Einwohner der Gemeinde genutzt werden, zumal diese auch Steuern an die Gemeinde entrichten.

Ähnlich ist die Situation in Lostorf geregelt, hier dürfen Auswärtige die Tageskarten frühestens einen Tag vor dem Reisedatum beziehen. Auch in Lostorf sieht man die Karten nicht als Einnahmequelle, sondern als Dienstleistung für die Einwohner.

«Die zwei Tageskarten rentieren gut», informiert der Lostorfer Gemeindeschreiber. Mit der Regelung wolle man vor allem sicherstellen, dass die Karten der Gemeinden auch von den Einwohnern Lostorfs genutzt werden können. Schliesslich werden diese durch Lostorfer Steuergeldern finanziert. Die Anzahl von Karten, die Auswärtige beziehen, sei aber äusserst gering.

Null-Geschäft

In einigen Gemeinden ist der Verkauf von Tageskarten an Auswärtige jedoch notwendig, um die Karten auch weiterhin anbieten zu können. So zum Beispiel in der kleinen Gemeinde Fulenbach. Gut die Hälfte aller Tageskarten wird hier von Auswärtigen gekauft.

«Würden wir den Verkauf auf die Einwohner Fulenbachs beschränken, müssten wir den Preis für die Tageskarten verdoppeln damit die Rechnung aufgeht», erklärt Jörg Nützi, Verwaltungsleiter der Gemeinde.

So könne man das Geschäft mit den beiden Tageskarten etwa als ein Null-Geschäft bezeichnen, allerdings nur, wenn man den Verwaltungsaufwand nicht mit einberechne. In Fulenbach könnte diese Dienstleistung für die Einwohner also gar nicht erbracht werden, ohne die Billetts auch an Auswärtige zu verkaufen.

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