Das Gelände der ehemaligen Cellulosefabrik Attisholz ist aktuell immer wieder für eine Überraschung gut. Die von der Besitzerin Halter AG angekündigte Öffnung des Areals findet statt. Mit jeder abtransportierte Baggerschaufel Mauerwerk öffnen sich neue Blickwinkel auf ein grossartiges Industriegelände. Niemand bleibt da unbeeindruckt. Alle wollen mitplanen, haben Ideen und Visionen. Auch die Gäste, die der Unterzeichnung der Absichtserklärung von Gemeinde, Kanton und Immobilienbesitzerin Halter AG am Mittwochabend beiwohnten.

Aber das Projekt, die Transformation des Industriegeländes in ein modernes Wohn- und Gewerbequartier, braucht Unterstützung. Neues Leben soll in den nächsten beiden Jahrzehnten die grossen Hallen und Gebäude, und vielleicht auch Neubauten füllen. Gemeindepräsidentin Jasmine Huber spricht von einer Verdoppelung der Einwohnerzahl. Das mag verunsichern. Denn wer bestimmt was und wer bezahlt wie viel?

(V.l.) Jasmine Huber, Roland Fürst, Markus Mettler und Brigit Wyss

Absichtserklärung zur Entwicklung des Attisholz-Areals wird unterzeichnet:

(V.l.) Jasmine Huber, Roland Fürst, Markus Mettler und Brigit Wyss

Mit der Absichtserklärung werden diese wichtigen Fragen geregelt. Unterstützung gibt der Kanton. Symbolisch mit der Anwesenheit von gleich zwei Departementsvorstehern. Aber auch inhaltlich. Die Entwicklung von Attisholz Nord, zusammen mit der Entwicklung auf der anderen Seite der Aare könne beispielhaft werden für die Schweiz, sagt Regierungsrätin Brigit Wyss. Die Absichtserklärung soll bekräftigen, dass man den Weg der Entwicklung von Attisholz Nord gemeinsam gehen will, erklärt wiederum Vize-Landammann Roland Fürst.

«Für den Erfolg der Entwicklung über eine so lange Zeit ist wichtig, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel im Auge haben und behalten», sagt Jasmine Huber, Gemeindepräsidentin von Riedholz. «Mit dem Generationenprojekt Attisholz-Areal werden sich noch mehrere Nachfolgerinnen und Nachfolger von mir befassen – da braucht es Kontinuität.»

Grundlage für Kontinuität

Die in einem Festakt im Café Kantine auf dem Attisholz-Areal unterzeichnete Absichtserklärung sei eine Grundlage für diese geforderte Kontinuität. Für die Gemeinde signierte Jasmine Huber, für den Kanton Vize-Landammann Roland Fürst und Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss und für die Halter AG CEO Markus Mettler.
Was steht in der Absichtserklärung? Zuerst einmal stellt Jasmine Huber klar, dass mit der Absichtserklärung kein Geld fliesst. Die Absichtserklärung regle die Koordination der Planungs- und Entwicklungsarbeiten und halte die Grundsätze der Zusammenarbeit fest.

Für die Koordinationsaufgabe wird eine Kerngruppe Nutzungsplanung ins Leben gerufen, in der alle drei Parteien vertreten sind. Dabei würden sich die Gemeinde, der Kanton und Halter AG verpflichten, das Konsensprinzip hochzuhalten, sich gegenseitig offen zu informieren und die Planungsgrundsätze bei allen Entscheiden zu berücksichtigen. Zu diesen Grundsätzen gehörten unter anderem eine schrittweise und nachhaltige Entwicklung, die Anwendung qualitätssichernder Verfahren und ein Kostenteiler nach dem Verursacherprinzip. Für den Fall von Konflikten sei im Dokument ein Lösungsprozess festgehalten. Parallel zur Absichtserklärung nehmen alle Beteiligten im Rahmen der Planungs- und Bauvorschriften weiterhin ihre gesetzlich geregelten Aufgaben und Verpflichtungen wahr.

Die Absichtserklärung sei kein Instrument, um beispielsweise Nutzungsplanungen zu umgehen, Mitwirkungsrechte von Betroffenen auszuhebeln oder dass keine Baugesuche eingereicht werden müssten. «Im Gegenteil. Die Erklärung bekräftigt, dass man den Weg gemeinsam gehen will und den Raum gemeinsam gestalten will», ergänzte Roland Fürst.

Emotionale Sache

Ans Herz gewachsen ist das Attisholz-Areal Markus Mettler. Der Geschäftsführer der Zürcher Immobilienfirma Halter AG habe schon vor zweieinhalb Jahren, als der Firma «die Perle an der Aare» angeboten wurde, gespürt, dass das Attisholz-Areal ganz neue Dimensionen mit sich bringt. Als es darum ging eine Offerte zu machen, habe Halter AG nur eine Bedingung – neben dem Kaufpreis – gestellt: «Wir wollten von Anfang an spüren, dass Gemeinde und Kanton mitziehen würden.» Das sei der Fall gewesen. «Ein Projekt hat dann die grössten Erfolgschancen, wenn alle ein Ziel, eine Vision haben und an einem Strick ziehen.»