Amtsgericht

Geld von Opfer für sich gebraucht – selbst ernannter Treuhänder vor Gericht

Der selbst ernannte Treuhänder musste sich dem Gericht stellen.

Der selbst ernannte Treuhänder musste sich dem Gericht stellen.

Statt die Altersvorsorge sicher anzulegen, verbrauchte ein selbst ernannter Treuhänder das Geld seines Opfers für seinen Lebensunterhalt. Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt befasste sich nun mit dem 53-jährigen Italiener.

Fedele R.* nennt sich Treuhänder, aber ein entsprechendes eidgenössisches Diplom besitzt er nicht. Eine gewisse Zeit liefen die Geschäfte wohl recht gut und so besass er 2011 in Spanien gar ein Ferienhaus mit Swimmingpool. Aber so gut, als dass er sich seinen gewünschten Lebensstandard hätte aufrechterhalten können, verdiente er mit dem Vermitteln von Versicherungen und dem Ausfüllen von Steuererklärungen eben doch nicht. Als dann ein befreundeter Landsmann bei der Pensionierung seine bescheidenen Altersersparnisse lukrativ anlegen wollte, wurde Fedele R. kreativ und zweigte das Geld auf sein eigenes Konto ab.

Mit einem ebenso mächtigen wie konfusen Wortschwall versuchte Fedele R. dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt diese Woche zu erklären, welche lukrativen Investitionen er mit Geldgebern aus aller Herren Ländern abschliesst – und dass er selber betrogen worden sei. «Sonst hätte ich meinem Freund das Geld schon lange zurückbezahlt, und zwar noch viel mehr, als ich ihm eigentlich schulde», sagte Fedele R. dem Gericht. Er besitze zum Beispiel Verlustscheine von über 400'000 Franken aus der bekannten Betrugsgeschichte eines ehemaligen Grenchner UBS-Bankers, der 2008 nicht weniger als 162 Geschädigte und ein Finanzloch von 8,7 Millionen Franken hinterlassen hatte.

Dann wollte Fedele R. dem Gericht auch noch weissmachen, dass er in den nächsten Tagen eine Summe von 25 Millionen Franken aus chinesischen Bonds erhalten wird. «Für die Auszahlung muss nur noch die Finma grünes Licht geben. Es wird gerade überprüft, dass es sich nicht um Geldwäscherei handelt. Dann werde ich mit dem Geld sämtliche Schulden bezahlen und wieder geschäftlich durchstarten», sagte der Beschuldigte. Staatsanwältin Melanie Wasem konnte nur mit Mühe ein Lächeln unterdrücken, als sie dem Gericht erklärte, dass es sich um über 100 Jahre alte chinesische Papiere handle, die man im Internet wegen ihres dekorativen Wertes kaufen kann.

Arglistiger Betrug

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Fedele R. das Geld nie investieren wollte und den Betrug vorsätzlich geplant hatte. «Der Geschädigte war der Meinung, dass sein Geld sicher auf einem Finanzinstitut in Zug angelegt sei», erklärte Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt in der Urteilsbegründung. «Dort befanden sich aber bei einer Überprüfung wegen der Steuererklärung im Jahr 2015 nur noch 3000 Franken.»

Die Aussagen des Beschuldigten seien unglaubhaft. «Bei der ersten Einvernahme im August 2015 sagte er, das Geld sei in einer spanischen Immobilienfirma investiert und sicher. Doch zur mehrfach versprochenen Rückerstattung kam es nie. Später brachte er die Geschichte eines spanischen Investors mit dem Namen Rodríguez ins Spiel, dem er das Geld persönlich bar übergeben haben will. Damit seien chinesische Bonds gekauft worden. In einer weiteren Version sagte er aus, er habe einem Herrn Sanchez für 120'000 Euro in bar einen Bond abgekauft. So sei das Geld des Geschädigten lukrativ investiert worden.»

Trotzdem nur bedingte Strafe

Das Beweisverfahren habe aber keine glaubhaften Hinweise auf solche Investitionen hervorgebracht. Vielmehr hätten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gezeigt, dass Fedele R. die 88'000 Franken des Pensionärs auf das Konto seiner GmbH überwiesen hatte. Von diesem Konto aus wurden die Rechnungen des täglichen Lebens bezahlt – bis das ganze Geld verbraucht war. «Der Beschuldigte hat das Vertrauen, das Unwissen und die mangelhaften Deutschkenntnisse des Geschädigten schamlos ausgenützt», qualifizierte das Gericht die Straftat. «Das Vorgehen war arglistig und nicht leicht durchschaubar. Er hat mit vorsätzlicher Bereicherungsabsicht gehandelt. Er hat einen Rentner um die Altersvorsorge geprellt. Das ist ein erhebliches Verschulden», sagte Altermatt.

Straferhöhend betrachtete das Gericht den Umstand, dass der Betrug am befreundeten Rentner während eines ganz ähnlichen Verfahrens passierte, an dessen Ende der selbst ernannte Treuhänder bereits wegen Veruntreuung einer allerdings deutlich kleineren Summe verurteilt wurde. Trotzdem setzte das Gericht die Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung aus. Andererseits wurde Bewährungsfrist wegen der latenten Rückfallgefahr mit vier Jahren recht hoch angesetzt.

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