Solothurner Sport

Geld für YB-Spieler: Geht es beim kantonalen Sportförderpreis um den Verdienst oder um Verdienste?

Förderungswürdig oder bereits an der Spitze angekommen? Fussballer Marvin Spielmann.

Förderungswürdig oder bereits an der Spitze angekommen? Fussballer Marvin Spielmann.

Der Oltner Fussballer Marvin Spielmann erhält am Montag einen Sportförderpreis. Warum fördert der Kanton jemanden, der bald bei YB in der höchsten Liga spielt und dort anständig Geld verdient?

Er hat es geschafft, da besteht kein Zweifel. Marvin Spielmann ist in der höchsten Schweizer Fussballliga angekommen. Die Karriere des gebürtigen Oltners scheint derzeit nur in eine Richtung zu zeigen: steil nach oben. Im Sommer wechselt der 23-Jährige von Thun zu YB. Die Transfersumme: Wohl um die 1,5 Mio. Franken. Als eines «der begehrtesten Super-League-Talente» hatte ihn kürzlich die «Neue Zürcher Zeitung» bezeichnet. «In diesem Sommer wird er den Oberländern wohl einen Rekordtransfer bescheren», mutmasste das Zürcher Blatt, bereits bevor der Transfer offiziell wurde.

Eine besondere Ehre wird Marvin Spielmann auch am Montag zuteil. Dann wird er vom Kanton Solothurn einen Sportförderpreis erhalten. Der Gesamtregierungsrat wird ins Schwarzbubenland reisen, um Spielmann (und andere Athleten) in der «Mammuthalle» in Hofstetten-Flüh zu ehren. 8000 Franken erhält der Oltner.

Dies blieb im Solothurner Breitensport nicht unbemerkt. Profi-Fussballer Spielmann nämlich dürfte ein Mehrfaches des Durchschnittslohnes verdienen. Auf seinem Instagram-Account zelebriert er, was man von erfolgreichen Fussballern dem Klischee nach erwartet, etwa den AMG-Mercedes ins Bild zu rücken. Es steht die Frage im Raum: Warum erhält jemand einen Förderpreis, der so viel verdient, dass er – finanziell – sicher nicht mehr gefördert werden muss? Immerhin ist der Förderpreis «zur Unterstützung vielversprechender Talente vorgesehen», wie der Kanton selbst schreibt.

«Niemanden ausschliessen»

Jürg Schibler ist Chef der Sportfachstelle des Kantons Solothurn. Diskussionen darum, wer einen Preis erhalten soll, sind ihm nicht fremd. Bedenken hat Schibler trotzdem keine, einen Förderpreis an Gutverdiener Spielmann abzugeben. Ausschlaggebend sei beim Förderpreis nicht nur das Alter. Der Preis drücke auch eine «Einschätzung des künftigen Potenzials» aus, so Schibler. Sie würden an Sportler verliehen, die «das Potenzial haben, ganz an die Spitze zu kommen». Doch wäre dann für Profi Spielmann nicht ein richtiger Sportpreis angemessen? Wer diesen erhalte, habe bereits eine exklusive Leistung wie die Teilnahme an Olympischen Spielen oder der Weltmeisterschaft vorzuweisen, so Schibler. Spielmann müsste dann beispielsweise in der Nationalmannschaft «tschutten».

Es wäre, so Schibler weiter, auch nicht fair, beim Förderpreis nur Sportarten zu berücksichtigen, in denen Geld keine Rolle spiele. Schliesslich müsse sich einer, der im Fussball weit kommen wolle, teilweise gegen viel mehr Konkurrenten durchsetzen, als dies in anderen Sportarten der Fall sei. «Wir schauen deshalb die Leistung an», so Schibler. Nicht die Löhne.

Neben Spielmann erhalten Förderpreise dagegen junge Talente, die ihre Karriere durchaus noch stärker aufbauen können als Spielmann, etwa Golfer Cédric Gugler (bspw. 2. Platz Europameisterschaft Team Junioren) oder Schwimmerin Kim Bachmann (Schweizer Meisterin Nachwuchs 100 m Freistil u.a.).

Nicht zum ersten Mal sind Vergaben der kantonalen Sportkommission umstritten. Bereits 2015 gab zu reden, dass die Spitzentriathletin Daniela Ryf einen Erfolgsbeitrag über 8000 Franken aus dem kantonalen Sportfonds erhalten hatte. Damals allerdings war die Situation eine andere: Dies war kein verliehener Preis gewesen, Ryf hatte selbst um den Zustupf gebeten. Laut der Feldbrunnerin handelte es sich allerdings um einen Irrtum. Es sei von ihrem Management einfach das Prozedere der vergangenen Jahre wiederholt worden, als sie auf die Förderung noch angewiesen gewesen sei. Ryf spendete den Betrag – für den Sportnachwuchs.

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