Instrument
Geigenbauer und Künstler haben einzigartiges Baryton geschaffen

Der Geigenbauer Kuno Schaub und der Künstler Schang Hutter sind seit Jahren Freunde. Jetzt verbindet sie jedoch nicht nur eine gute Freundschaft. Die beiden Solothurner haben zusammen ein Instrument geschaffen, das weltweit einzigartig ist.

Simon Wyss
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Am Anfang war ein Stück Holz: Kuno Schaub und Schang Hutter bearbeiten den Holzrohling an der Bandsäge. Rechts das fertige Gemeinschafts(kunst)werk.

Am Anfang war ein Stück Holz: Kuno Schaub und Schang Hutter bearbeiten den Holzrohling an der Bandsäge. Rechts das fertige Gemeinschafts(kunst)werk.

Flavia Schaub

1986 haben sich die beiden kennen gelernt. Zwischendurch verloren sie sich etwas aus den Augen. Ab 2010 trafen sie sich wieder öfters. «Schang besuchte mein Atelier immer wieder und ich seines auch», so Schaub. Beide zeigten jeweils Freude an der Arbeit des andern. «Dann fragte ich ihn, ob wir etwas zusammen machen wollen, und er sagte zu.» So entschieden sie sich, ein Instrument zu bauen.

Dass die zwei ein Baryton konstruieren wollten, hat seinen Grund: «Das Baryton lässt Verzierungen zu», erklärt Schaub. So legten die beiden Kulturschaffenden los. Schaub zeigte Hutter, an welchen Stellen er das Instrument verzieren kann, ohne dass der Klangkörper beeinträchtigt wird. «Ich probierte, ihn an das Instrument heranzuführen, und er liess sich darauf ein», sagt der Geigenbauer. Als Vorlage nahm er ein altes Baryton.

Bau des Barytons

Für den Bau wählte der Geigenbauer verschiedene Hölzer. Die Decke besteht aus Fichtenholz, der Korpus und der Hals aus Ahorn und das Griffbrett aus Ebenholz. «Der Erfindungsgeist der Menschen zeigte in der Vergangenheit, dass sich gewisse Hölzer besser eignen, als andere», erklärt Schaub.

Zu jeder Epoche gebe es verschiedene Klangbilder. Neben dem Griffbrett ist eine Skulptur von Hutter angebracht. Die Stimmwirbel bestehen aus Silber und sehen aus wie Hände. Deswegen ist es auch schwerer als die anderen Barytone. Die silbernen Hände waren Schang Hutters Idee. Den Abschluss des Wirbelkastens bildet ein Menschenkopf, den der Künstler anfertigte. Die Schalllöcher stellen ebenfalls Skulpturen von Hutter dar.

Gute Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit lief bestens. «Wir sind beide schwierige Menschen. Warum es so wunderbar funktioniert hat, weiss ich nicht», so Schaub. Wahrscheinlich liege es am gegenseitigen Respekt, vermutet er. Mit grosser Hingabe und Disziplin hätten sie daran gearbeitet. Zirka 600 bis 700 Stunden wurden gesamthaft für diese Arbeit aufgewendet. Schaub stellte das Instrument in einem Atelier in Bellwald fertig. «Ich war froh und dankbar, dass alles gut gegangen ist», erzählt der Geigenbauer.

Das Baryton

Im 18. Jahrhundert fand das Baryton in Deutschland und Österreich eine gewisse Verbreitung. Leopold Mozart, Vater von Wolfgang Amadeus Mozart, bezeichnete es einst als «eines der anmutigsten Instrumente». Anfang des 19. Jahrhunderts verschwand das Baryton fast gänzlich. Die sechs Melodiesaiten werden gestrichen und klingen wie eine Gambe. Die neun Resonanzsaiten werden gezupft und tönen wie ein Cembalo. Die Mechanik galt damals als Wunderwissenschaft. Es wird lediglich in kleinen Ensembles gespielt. Nur wenige Stücke wurden dafür komponiert. So war Joseph Haydn einer der wenigen, die Werke für Baryton-Trios komponierten. Insgesamt schrieb er 175. Seit der Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert wurde vermehrt wieder für das Baryton komponiert.

Quelle: Wikipedia

Kurz darauf stellte er das Unikat seinem Freund in dessen Atelier vor. Auch dieser zeigte viel Freude und Begeisterung. Das Instrument ist im Moment an Hutters grosser Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag in Bern ausgestellt. Zwischendurch holen Musiker es aus der Vitrine und spielen darauf. Nach der Ausstellung soll es in ein Atelier der beiden Erbauer kommen. «Wenn Musiker es spielen möchten, wird es zur Verfügung gestellt», lässt Kuno Schaub verlauten. Die Kulturschaffenden wollen auch in Zukunft miteinander arbeiten.

Ein seltenes Instrument

Das Baryton ist ein seltenes Holzinstrument. Weltweit gibt es etwa 200 davon. «Ein neuzeitlich gebautes Instrument ist nicht bekannt», so Schaub. Dementsprechend können nur wenige Musiker darauf spielen. In der Schweiz sind es zwei oder drei. Der Geigenbauer sieht das von ihm und Hutter konstruierte Exemplar auch als Kunstwerk. «Es gibt in diesem Sinn nichts Vergleichbares», meint Schaub.

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