Solothurn
Gegner einer «Bipperlisi»-Doppelspur beissen bei der Regierung auf Granit

Auf der Baselstrasse in Solothurn sollen sich in Zukunft Bahn und Individualverkehr das gleiche Trassee teilen. Die Mischverkehrslösung ist für den Regierungsrat nicht mehr verhandelbar, die städtische SVP findet mit einer Petition kein Gehör.

Urs Moser
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zvg

Wie sollen in Solothurn die Bahn der Aare Seeland mobil AG (das sogenannte Bipperlisi), der motorisierte Individualverkehr und der Langsamverkehr aneinander vorbei kommen? Eine lang und heiss diskutierte Streitfrage, an der es für den Regierungsrat nichts mehr zu rütteln gibt.

Im Mitwirkungsverfahren zur Planung des Projekts für die Sanierung und Umgestaltung der Baselstrasse auf dem Abschnitt Baseltorkreisel bis St. Katharinen wurde die vorgeschlagene Mischverkehrslösung zwar «mehrheitlich skeptisch bis ablehnend beurteilt», räumt der Regierungsrat ein.

Die Projektverantwortlichen seien denn auch angewiesen worden, die Mitwirkungseingaben in den nun folgenden Projektierungsschritten «gegebenenfalls zu berücksichtigen» und die Bedürfnisse der direkt betroffenen Anwohner noch einmal bezüglich Optimierung von Liegenschaftserschliessungen zu prüfen.

Aber: Eine erneute Prüfung der zu wählenden Gleisführung des Bipperlisi sei «explizit nicht Bestandteil der weiteren Arbeiten», macht der Regierungsrat in der Beantwortung einer Petition unmissverständlich klar, mit der die städtische SVP den Doppelspurausbau der Bahn doch noch zu verhindern versuchte.

Es geht nicht um mehr Platz für die Bahn

Die Mischverkehrslösung mit der Führung des Bipperlisi jeweils auf der Fahrbahn und in Fahrtrichtung des motorisierten Individualverkehrs sei das Resultat umfangreicher Variantenstudien und somit einer sorgfältigen Interessenabwägung. Die auf 30 bis 40 Millionen geschätzte Variante sei nicht wie vielfach behauptet den künftigen Anforderungen des Bahnverkehrs, sondern den Anforderungen an die städtische Ausfallachse Baselstrasse mit ihren beschränkten räumlichen Begebenheiten geschuldet.

Selbst bei einer Erhöhung der Fahrplandichte auf einen Viertelstundentakt würden sich die Züge nicht zwischen dem Baseltorkreisel und der Haltestelle St. Katharinen kreuzen, sondern zwischen St. Katharinen und Feldbrunnen Sandmatt. Im Abschnitt Bahnhof Solothurn bis St. Katharinen sei immer nur ein Zug unterwegs. Das Mischverkehrskonzept stelle die beste Lösung dar, um den bestehenden Raum effizient zu nutzen, führt der Regierungsrat aus.

In der Petition der SVP ist von einer Gefährdung der Lebens- und Wohnqualität für die Anwohner entlang des besagten Strassenabschnitts die Rede. «Das Gegenteil ist der Fall», sagt der Regierungsrat. Der Strassenabschnitt weise heute wesentliche Sicherheitsdefizite auf.

Das Sanierungsprojekt bringe hier erhebliche Verbesserungen, insbesondere auch für den Velo- und den Fussgängerverkehr. Weiter verursache der Bahnbetrieb heute aufgrund der nicht mehr zeitgemässen Fundation der Gleisanlage für die Anwohner deutlich spürbare Erschütterungen und der Strassenbelag aufgrund des schlechten Zustands hohe Lärmemissionen. Kurzum: Das Projekt führe im Ergebnis sogar «zu einer deutlichen Steigerung der Lebens- und Wohnqualität an der Baselstrasse».

Und was ist mit dem Problem, dass durch die Zusammenlegung von Bahn- und Strassentrassee vermehrt mit Stau und Behinderungen zu rechnen ist? Auch dieses Argument lässt der Regierungsrat nicht gelten. Das Amt für Verkehr und Tiefbau habe diese Frage mit Verkehrsflusssimulationen eingehend untersucht. Ergebnis: Mit der Trennung von Bahn-/Individualverkehr und Velo-/Fussgängerverkehr sei ein ausrechender Verkehrsdurchfluss nachgewiesen worden.

Das Vorankommen der Bahn werde durch das Verkehrsmanagement über Lichtsignalanlagen gewährleistet, und für den motorisierten Individualverkehr verändere sich die Fahrzeit auf dem rund einen Kilometer langen Streckenabschnitt gegenüber dem heutigen Verkehrsregime kaum.

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