12,9 Mio. Fr. sollen der Umbau und die Innensanierung des Museums Altes Zeughaus in Solothurn kosten (wir berichteten). Gegner des Projektes haben hinter dem Rücken der Regierung ein «Gegengutachten» erstellen lassen, um das Projekt zu stoppen. Bedient wurden die Kantonsräte der vorberatenden Kommissionen.

Peter Platzer, Präsident des Vereins «Freunde des Museums Altes Zeughaus», macht keinen Hehl daraus, dass ihm die regierungsrätliche Vorlage nicht passt. «Ich finde das Projekt aus mehreren Gründen nicht gelungen», erklärt Platzer. «Niemand konnte befriedigend erklären, warum man lange von Kosten von 9 Mio. Fr. gesprochen hat, jetzt soll es plötzlich fast 13 Millionen kosten.» Platzer selbst vermutet, dass «falsche Vorgaben, denen die Architekten nicht ausweichen konnten» dazu geführt haben.

Lift ist Dorn im Auge

Der grösste Dorn im Auge der Museumsfreunde ist nach wie vor der Lift, der im Innern des Museums gebaut werden soll. «Er führt zu einer massiven Beschädigung der einzigartigen Bodenkonstruktionen aus Stein und Holz», ist Platzer überzeugt. Das versucht der Verein mit einem Gutachten zu belegen (vgl. Kasten). Die hohen Kosten des Projekts würden ferner dazu führen, dass auf Jahre hinaus keine zusätzlichen Mittel für das Museum zur Verfügung stehen würden, befürchtet Platzer.

Er bestreite nicht, dass Investitionsbedarf bestehe, meint er weiter, so im Eingangsbereich oder bei den Elektroinstallationen. Doch plädiere er für ein behutsameres Vorgehen mit der Bausubstanz. Auch Marco Leutenegger, pensionierter ehemaliger Leiter des Museums, warnt vor einem Lifteinbau: «Der irreparable Schaden an der Bausubstanz wäre einfach zu gross», erklärt er auf Anfrage. Die Sicherheit des Gebäudes könne allenfalls mit einer Feuertreppe an der Nordfassade verbessert werden, schlägt Leutenegger vor.

«Überrascht und konsterniert»

Cäsar Eberlin, Chef des Amtes für Kultur, zeigt sich «überrascht und konsterniert» über dieses Vorgehen. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir uns auf einem Weg des Konsenses befinden, und empfinden das als Rückenschuss.» Das Umbauprojekt sei Resultat eines lang andauernden und qualitativ hochwertigen Planungsprozesses mit Architekturwettbewerb, betont Eberlin. «Wir haben darüber auch offen, wiederholt und transparent kommuniziert.» Der bauliche Handlungsbedarf sei ausgewiesen und überfällig.

Adriano Vella, Sekretär des Departementes für Bildung und Kultur, widerspricht insbesondere dem Vorwurf im Gutachten, man habe zu wenig zwischen «weichen» und «harten Gebäudeteilen unterschieden. «Ein Blick in die Projektdokumentation zum Umbau hätte genügt, um zu sehen, dass wir dazu sogar externe Fachleute beigezogen haben.» Das Gutachten sei zudem vor dem Regierungsbeschluss erstellt worden, also in Unkenntnis wesentlicher Elemente. Das kritisierte Fehlen eines Museumskonzeptes, auf welchem die Kritik aufbaue, sei sogar ein Grundlagenirrtum. «Es wurde von der Regierung am 10. August 2010 verabschiedet. Der Gutachter wurde wahrscheinlich vom Auftraggeber, der über das Konzept verfügt, darüber nicht in Kenntnis gesetzt», vermutet Vella.

Platzer äussert sich denn auch eher gewunden zum neuen Ausstellungskonzept. Man spürt auch dort seine Vorbehalte. «Wir können aus dem Alten Zeughaus kein Konfliktforschungszentrum für die Vergangenheit machen.» Denn die konkreten Lebensumstände der Solothurner Söldner seien noch viel zu wenig erforscht, erklärt er. Platzer räumt immerhin ein: Museumspädagogik ist auch eine Weltanschauungsfrage. Und im aktuellen Mitteilungsblatt der Museumsfreunde (Oktober 2012) heisst es noch: «Das Ausstellungskonzept hat den Vorstand einhellig begeistert», es harmoniere aber nicht mit dem Umbaukonzept.

Das Museumskonzept wurde von der jetzt scheidenden Museumsleiterin Carol Nater Cartier erstellt und wird laut Cäsar Eberlin nach dem Umbau «1 zu 1 umgesetzt», schwergewichtig mit Geldern aus dem Lotteriefonds. Für die Umbauzeit soll das Museum interimistisch geführt werden.

Kostensteigerung relativiert

Und was ist mit den angeblichen Kostensteigerungen? Im November 2011 wurde noch von «unter 10 Mio. Fr.» gesprochen. «Das waren rund fünf Jahre alte Zahlen und noch nicht einmal Schätzungen», meint Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli dazu. Jetzt lägen genaue Zahlen vor. Gerade die sorgfältige Berücksichtigung von denkmalschützerischen Aspekten führe auch zu Mehrkosten. Mäusli betont, dass aus Sicherheitsüberlegungen weitere Erschliessungen nötig seien, darunter ein zweites Treppenhaus. «Sonst können wir nicht einmal zwei Schulklassen gleichzeitig hineinlassen.»

Auch Mäusli spricht von einem «seriösen, gut abgeklärten Projekt», bei dem die jetzigen Kritiker auch einbezogen gewesen seien. «Ich kann nicht wirklich verstehen, was das jetzt noch soll.» Er sei bereit, gegenüber den Kantonsräten zu allen Fragen Stellung zu nehmen.

Die Vorlage soll dieses Jahr vom Kantonsrat verabschiedet und das Bauprojekt in den Jahren 2014/15 umgesetzt werden. Analog zum gegenwärtigen Umbau des Naturmuseums soll das Alte Zeughaus während der Umbauzeit offen bleiben.