Erstmals überhaupt versuchte der Solothurner Blasmusikverband am Wochenende, ein vollausgebildetes Blasorchester aus den solothurnischen Blasmusikvereinen für ein einziges Galakonzert zu bilden. Der Plan gelang. Am Sonntag füllten 75 Musikantinnen und Musikanten aus rund 20 Vereinen die Bühne im Solothurner Konzertsaal. Dabei waren wenige Zuzüger mit Instrumenten, die in den Dorfvereinen kaum vorkommen, im Blasorchester aber benötigt werden, wie etwa Cello, Harfe oder Klavier.

Unentbehrlich ist da natürlich ein Dirigent. Den fand man im international bekannten Henrie Adams. Der 1959 geborene Niederländer wohnt seit Jahren in Spanien, wo er hauptsächlich tätig ist. Eröffnet hat das Blasorchester sein Konzert mit «one2five», einem Marsch, der für das 125-Jahr-Jubiläum der Stadtmusik Dietikon komponiert wurde. Geschrieben hat ihn der in Mümliswil aufgewachsene Marco Nussbaumer. Auch wenn er nicht mehr im Kanton wohnt, ist er sehr aktiv im Kanton. Unter anderem in der Musikkommission und der Jugendkommission des Solothurner Blasmusikverbandes. Neben seinem Engagement für die Jugendförderung zeichnen ihn seine Erfolge sowohl als Dirigent wie als Komponist aus.

Für seine Märsche bekannt

Ähnliches gilt für den 1903 in Fulenbach geborenen Stephan Jaeggi. Seine Anliegen waren der Klang und die Intonation – seine Kompositionen entsprechend anspruchsvoll. Selten zu hören ist sein «Karnevals Rückzug». Genau deshalb hat die Musikkommission diese Ouvertüre ins Programm geholt. Jaeggi schrieb sie für die Musikgesellschaft Hägendorf-Rickenbach, deren Dirigent er von 1924 bis 1942 war. Seine anspruchsvollen Märsche werden noch heute geschätzt. Mit dem «General Guisan-Marsch» wurde das Konzert abgeschlossen, sein «Solothurner Marsch» bildete die Zugabe.

Aber wenn man schon einen grossen Dirigenten aus Spanien anreisen lässt, gehört auch etwas internationale Musik dazu. Auch da hat man ausgezeichnet gewählt. «Give us this day» tönt nach christlichem Gebet, das ist es aber nicht. Inspiriert hat den 1943 geborenen Amerikaner David Henry Maslanka ein Aufruf eines gläubigen Buddhisten. Entstanden ist eine 2006 uraufgeführte, gefällige Kurzsinfonie.

Spanische Klänge sind begehrt

Die wachsende Bedeutung Spaniens in der internationalen Blasmusik ist nicht zuletzt dem CIBM in Valencia zu verdanken. Genau für diesen jährlichen Wettbewerb wurde für 2008 Oscar Navarro mit einem Kompositionsauftrag bedacht. Der 1981 geboren Spanier studierte in Valencia, holte sich aber dann in Los Angeles das Rüstzeug zum Film- und TV- Komponisten. In dieser Sparte holte er sich bereits eine ganze Anzahl Preise. Dass er aber wirklich komponieren kann, bestätigte die Aufführung seiner sinfonischen Dichtung «Expedition». Es gelingt ihm, in mehreren Bildern eine Expedition in die Antarktis musikalisch nachempfinden zu lassen. Da packte er traumhafte Passagen hinein, wie etwa ein Cello-Solo zu eisigen Harfenharmonien. An anderer Stelle fesselten eine Flöte und das Englischhorn solistisch das Publikum. Wie begeistert das Publikum war, erfuhr man nachher im Gedränge im Foyer. Alle hoffen unisono auf eine Fortsetzung.