Jugendpolittag

Gegen Homophobie, für mehr öV und Umweltschutz: Das sind die Anliegen der Jugend

Rund 100 Solothurner Jugendliche konnten am Jugendpolittag ihre Anliegen einbringen und mit Kantonsräten diskutieren. Viele ihrer Forderungen nahmen im Verlauf des Tages konkrete Formen an und werden noch politische Folgen haben. Etwa in Formen von Anfragen oder Interpellationen.

Am Mittwochmorgen noch diskutierte der Solothurner Kantonsrat im Rathaus, ob 16-Jährige künftig auf Gemeindeebene abstimmen dürfen oder nicht. Am Nachmittag, nach beendeter Debatte, füllte sich dann der Saal mit Vertretern ebenjener Generation, über deren politische Rechte zuvor noch gestritten wurde. Bereits zum zwölften Mal wurde der Solothurner Jugendpolittag durchgeführt. Gegen 100 Jugendliche aus dem ganzen Kanton pilgerten nach Solothurn, um ihre politischen Anliegen einzubringen, mit Kantonsräten zu diskutieren und einen Tag lang Politluft zu schnuppern.

Foodwaste, Umweltschutz oder der öffentliche Verkehr waren nur einige der Themen, die die Jugendlichen bewegten. Und auffallend viele Anliegen drehten sich um die Schule: Sollten Skilager obligatorisch sein? Sollte jede Schule einen Garten einrichten müssen, den die Schüler bewirtschaften und dort für den Umgang mit Lebensmittel sensibilisiert werden sollen? Oder sollten Schulen mehr gegen Homophobie unternehmen?

Jugendliches Engagement macht Kantonsräte sprachlos

Diese letzte Frage diskutierte eine Gruppen Jugendlicher mit drei Politikern in einem Sitzungszimmer im Rathaus. «Man kann sich nicht aussuchen, wen man liebt», argumentierten die Jugendlichen. «Es ist völlig natürlich, schwul oder lesbisch zu sein.» Nach ihren Erfahrungen würde das Thema im Unterricht aber kaum thematisiert werden. Das müsse sich ändern. Einer der Vorschläge der Gruppe: Schulen könnten Regenbogenfahnen aufhängen und damit ein Zeichen setzen. «Werden damit nicht mehr Probleme geschaffen als gelöst?», fragte Kantonsrat Markus Dietschi in den Raum. «Würde es dadurch nicht noch stärker zu Mobbing kommen?»

Spätestens hier zeigte sich: Die Jugendlichen scheuten sich in keiner Weise, mit den gestanden Politikern zu streiten. Noch bevor Dietschi zu Ende gesprochen hatte, schnellten zahlreiche Hände in die Höhe. Der FDP-Mann wurde geradezu mit Antworten eingedeckt: «Ja, Mobbing ist ein Problem. Aber man kann es nicht beheben, wenn man einfach nichts tut»; oder «Wir müssen endlich lernen, damit umzugehen, dass es auch Homosexualität gibt»; oder «Lehrer haben eine so starke Vorbildfunktion. Es bringt doch am Meisten, wenn die Schule endlich etwas auf dem Gebiet machen würde.» Dietschi, sonst im Kantonsrat nie um eine Antwort verlegen, zeigte sich baff. «Grossartig», kommentierte er den Tag später. «Für den politischen Nachwuchs im Kanton ist gesorgt.»

Kantonsratspräsidentin: «Engagiert euch und helft mit»

Bei den Diskussionen einen Raum weiter ging es etwas gemächlicher zu und her. Vielleicht lag es daran, dass sich die Gruppe vom gewaltigen Holztisch und von den goldgefassten Porträts ehemaliger und aktueller Regierungsräte, die die Wände schmücken, einschüchtern liessen. Oder vielleicht lag es daran, dass mit Richard Aschberger (SVP) und André Wyss (EVP) zwei Finanzpolitiker diskutierten, die die eine oder andere Idee jeweils sehr nüchtern kritisch hinterfragten.

Doch auch hier einigte man sich darauf, das Anliegen – Mehr alltagstaugliches Allgemeinwissen an Schulen zu vermitteln, etwa in Form von Projektwochen, in denen gezeigt wird, wie man eine Steuererklärung ausfüllt oder ein Handyabo abschliesst – politisch weiterzuverfolgen. Konkret will man eine kleine Anfrage an die Regierung einreichen und gleichzeitig mit Matthias Stricker (SP), dem obersten Lehrer des Kantons, in Kontakt treten.
Stricker war gestern auch sonst ein gefragter Mann. Viele der Forderungen betreffend der Schulen richteten sich direkt an ihn. An der abschliessenden Diskussion im Kantonsratssaal griff er dann auch gleich selber zum Mikrofon und meinte: «Sprecht eure Lehrer an. Es gibt Möglichkeiten im Lehrplan, gewisse Dinge umzusetzen.»

Dem schloss sich am Ende des Tages auch Kantonsratspräsidentin Verena Meyer-Burkhard (FDP) an: «Engagiert euch und helft mit. Gerade auf Gemeindeebene gibt es für euch viele Möglichkeiten, euch einzubringen und in die Politik einzusteigen. Wir bemühen uns, eure Anliegen ernst zu nehmen und aufzunehmen.» Denn, so Meyer-Burkhard, alle müssten mithelfen, damit es der Gesellschaft gut geht.

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