Solaranlagen
Gefahr für Einsatzkräfte bei Brand eines Hauses mit Solaranlage

Neue Bauweisen und -technologien sind für die Feuerwehren oft eine neue Herausforderung. Zu einer solchen zählen die zunehmenden Solaranlagen. Unbeschädigt geht von einer solchen keine Gefahr aus. Anders im Falle einer Beschädigung.

Marco Zwahlen
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Beschädigte Photovoltaik-Anlagen können bei Lichteinfall unter Strom stehen.

Beschädigte Photovoltaik-Anlagen können bei Lichteinfall unter Strom stehen.

AZ

In solarthermischen Anlagen fliesst ein bis zu 150 Grad heisses Gemisch zur Wärmegewinnung. Photovoltaik-Anlagen wiederum sind nie komplett ohne Spannung. Für die Einsatzkräfte ist bei beiden Anlage-Typen «das Risiko sehr gering, sofern gewisse Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden», erklärt Paul Haus, Feuerwehrinspektor Solothurnische Gebäudeversicherung (SGV).

Was es zu beachten gilt

In einem «Merkblatt für den Einsatz» listet die SGV das Gefahrenpotenzial auf. Solange bei einer beschädigten Photovoltaik-Anlage Licht auf die Module fällt, droht bei Berührung der Gleichspannungsseite ein Stromschlag. Neuere Anlagen verfügen zwar über einen Schalter, um die Module vom Wechselrichter zu trennen. Der Gleichstrombereich oberhalb des Wechselrichters bleibt bei Lichteinfall aber unter Spannung. Nur «die vollständige Verdunkelung, eine lichtundurchlässige und feste Abdeckung» kann diese Gefahr beseitigen.

Bei grösseren Anlagen oder im Brandfall ist das aber aus technischen Gründen unmöglich. Auch die Beschäumung einer Anlage ist laut der SGV als Sicherheitsmassnahme für die Einsatzkräfte ungeeignet. Tests zeigten: Nach wenigen Minuten war die Ausgangsspannung wieder erreicht.

Sprich: Es gibt derzeit keine Möglichkeit, oberhalb des Wechselrichters eine Spannungsfreiheit zu erreichen. Dies ist auch bei einem Hochwasser zu beachten. In diesem Fall «ist vor dem Betreten unbedingt der Standort des Wechselrichters zu erfragen» so das SGV-Merkblatt. Wegen der hohen Gleichspannung von 1000 Volt kann zudem ein Lichtbogen auftreten. Ist die anstehende Spannung unbekannt, muss laut der SGV bei Löscharbeiten beim Sprühstrahl ein Abstand von mindestens 5 Metern, beim Vollstrahl von mindestens 10 Metern eingehalten werden.

Gefahr von Verbrennungen

Bei solarthermischen Anlagen besteht für die Einsatzkräfte die Gefahr von Verbrennungen respektive Verbrühungen durch das heisse Gemisch in den Zuleitungen. Weitere Risiken sind herabhängende und unisolierte Kabel sowie toxische Gase, die sich durch Verbrennung von Kabelisolierungen, Kunststoffen und Bestandteilen der Module bilden.

Weitaus höher, als die eines Stromschlages, schätzt Paul Haus die Gefahr für die Feuerwehrleute ein, von herabfallenden Teilen getroffen zu werden. Die Anlage-Module haben eine Last von 10 Kilogramm pro Quadratmeter. Die Module können im Brandfall wie ein Schneebrett herunterrutschen. Das Gefahrenpotenzial ist laut Paul Haus auch regelmässig Thema in den Kaderausbildungen. Dies offenbar mit Erfolg, denn bisher sei es zu keinem Unfall gekommen.

«Wichtig ist vor allem die Einsatzvorbereitung», so Haus. Die Feuerwehrverantwortlichen müssten wissen, wo in ihrem Verantwortungsgebiet welche Solaranlagen stehen und wie das Gebäude zugänglich ist. Der Leiter des Feuerwehrinspektorats weist in diesem Zusammenhang konkret darauf hin, dass Solaranlagen Löscheinsätze grundsätzlich beeinflussen können. «Der Innenangriff ist für die Feuerwehr in der Regel die erste Wahl. Ist dieser aber nicht möglich, kann unter Umständen ein Angriff über das Dach sinnvoll sein. Diese Variante fällt jedoch weg, wenn die Module auf dem Dach den Weg versperren.» Für Gebäude mit grösseren Anlagen empfiehlt die SGV, Einsatzpläne zu erstellen. Sinnvoll sei ausserdem, Anlagen mit den Einsatzkräften zu besichtigen.

Kommt die Kennzeichnungspflicht?

Momentan haben die Feuerwehren keine Möglichkeit, Einsätze mit Solaranlagen zu üben. Auch am Interkanto- nalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum (ifa) in Balsthal fehlt eine Übungsanlage. Laut Haus ist es aber Ziel, diese Lücke zu schliessen. Von Vorteil wäre zudem, wenn Gebäude mit grösseren Anlagen angeschrieben würden, dass sie eine solche Anlage auf dem Dach haben. Denn das sei nicht immer ersichtlich. Noch besteht eine solche Kennzeichnungspflicht nicht.