Gastautor
Die Vernunft hat gesiegt

Beat Künzli
Beat Künzli
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Boris Bürgisser

Die Klima- und Umweltabstimmungen sind Vergangenheit. Sie werden als sehr emotional und heftig geführte Abstimmungskämpfe in die Geschichte eingehen. Den realitätsfremden und existenzbedrohenden Ideen von einem «pestizid- und CO2-freien Super-Bio-Land Schweiz» wurde eine deutliche Abfuhr erteilt. Das Schweizervolk liess sich Gott sei Dank nicht verunsichern von der Weltuntergangsstimmung fast aller Parteien. Nein, es hat absolut vernünftig und nüchtern, meist gar sehr deutlich entschieden.

Dass die Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmittel ad absurdum geführt wurde, zeigen unter anderem folgende Beispiele: In einer Debatte im Kantonsrat bezeichneten die Befürworter einer Cannabislegalisierung doch tatsächlich nicht den Cannabis an sich als gefährlich für die Konsumation, sondern seine mögliche Kontamination mit allfälligen Pflanzenschutzmitteln. Weiter sind es vielfach jene, die sich selber möglichst als Erstes eine vorbeugende Impfung gegen Covid spritzen lassen wollen, welche gleichzeitig das vorbeugende oder behandelnde Schützen von Pflanzen und Tieren zur Sicherung des täglichen Brotes verbieten möchten. Eine völlig verkehrte Welt!

Eine gute Ernte ist in der Landwirtschaft nicht selbstverständlich. Der Bauer trägt ein grosses Risiko für Krankheiten, Insektenbefall oder Wetterlagen, welche einen Totalausfall verursachen können. Gleichzeitig hat die Landwirtschaft den Auftrag, auf immer weniger Grünlandfläche, für immer mehr Leute durch die enorme Zuwanderung, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren. Mit Innovation und Technik wird die Landwirtschaft in Zukunft mit Sicherheit noch sehr viel in Richtung Reduktion von synthetischen Pflanzenschutzmitteln tun.

Trotzdem bin ich zutiefst überzeugt, dass auch jeder und jede, welche den Umweltanliegen ernsthaft Rechnung tragen will, seinen ganz persönlichen Teil dazu beitragen kann, anstatt immer nur auf teure Interventionen, Gesetze und Vorgaben von Vater Staat zu warten.

Dabei wäre nun gerade von den Ja-Stimmenden zu erwarten, dass sie selber mit gutem Beispiel vorangehen und zukünftig nachhaltig und regional produzierte Lebensmittel einkaufen sowie dass sie dem Littering und Foodwaste Einhalt gebieten. Weiter zum Beispiel auf synthetische Shampoo und Duschgel für die Körperpflege verzichten. Oder dass biologisch abbaubare Reinigungs- und Waschmittel verwendet werden. Dass die Einnahme von allen chemischen Tabletten, Hormonen und Zusätzen, welche zur Vorbeugung von Krankheiten eingenommen werden, gestoppt wird. Dass sie von künstlichem Rasen-, Blumen und Pflanzendünger absehen. Dass sie auf Breitblattherbizide für ihren englischen Rasen verzichten und stattdessen die Kräuter von Hand ausreissen. Dass sie Wasserzusätze wie Chlor in ihrem Pool nicht einsetzen. Dass jegliche kosmetischen Produkte im Schminkschrank bleiben. Und dass Alternativen zu Mücken- und Fliegenmittel, Schneckenkörner oder Ameisengift gesucht werden.

Denn all dies ist zwar schön zu haben, fliesst aber ebenfalls irgendwann in den Kreislauf, obwohl es für die Produktion von Nahrung nicht essenziell ist. Dies alles könnte sehr viel zu einer saubereren Umwelt beitragen. So schaffen wir es gemeinsam, die hehren Ziele zu erreichen, ohne die inländische Nahrungsmittelproduktion praktisch einzustellen.

Beat Künzli, Meisterlandwirt, SVP-Kantonsrat, Laupersdorf