Solothurn
Gassler verteidigt den Wirtschaftsstandort Solothurn

Gelassen hat Regierungsrätin Esther Gassler das für Solothurn teilweise wenig schmeichelhafte jüngste Kantonsrating der UBS kommentiert. Und das ausgerechnet an einem Anlass der UBS im Landhaus Solothurn.

Franz Schaible
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Solothurner Zeitung

Zwei Hauptfaktoren werden entscheiden, ob die Schweiz in eine Rezession abgleitet oder nicht: Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz der UBS, nannte im vollbesetzten Landhaus die Frankenstärke und die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Im Saal ging erstmals die von UBS und Solothurner Handelskammer organisierte Veranstaltung «Wirtschaftsausblick für den Kanton Solothurn» über die Bühne.

Schweiz wird knapp wachsen

In seinem Tour d’Horizon stellte Kalt fest, dass die Schweiz «sehr viel richtig gemacht» habe. Aber wegen der Globalisierung würden «externe» Ereignisse die Schweiz stark beeinflussen. So bewege sich der Eurokurs gefährlich nahe bei der Untergrenze von Fr. 1.20. «Das schmerzt die Exportwirtschaft.» In diesem Zusammenhang wand Thomas Sommerhalder, Leiter Region UBS Aargau/Solothurn, insbesondere den Exportfirmen ein Kränzchen. «Den Unternehmen, die sich trotz des massiv aufgewerteten Frankens behaupten können, zolle ich grössten Respekt.»

Das Wirtschaftswachstum 2012 beurteilte Daniel Kalt unterschiedlich. Während die Schwellenländer weiterhin deutlich zulegen und die USA mit einer Wachstumsrate von 2 Prozent rechnen könnten, werde die Eurozone in eine leichte Rezession abgleiten. Für die Schweiz erwartet er ein knappes Wirtschaftswachstum.

Ohne Industrie keine Forschung

Anschliessend stellte der Ökonom den bereits vorgängig publizierten kantonalen Wirtschaftsindikator vor. Dem Kanton Solothurn wird darin zwar solide Wettbewerbsfähigkeit attestiert, er liegt aber mit Rang 16 im hinteren Mittelfeld (wir berichteten). Mit klaren Worten relativierte Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler in ihrer Ansprache die Aussagekraft solcher Ratings. «Wie sinnvoll ist es, ein so kleines Land wie die Schweiz in 26 noch kleinere Gebilde aufzuteilen?», fragte sie.

«Fachleute sind - auch ohne Uni-Abschluss - wahre Könner»

Und: «Bei allem Respekt: Ob 26-mal der Kanton Zürich als Nummer 1 die optimale Schweiz darstellen würde, ist zumindest diskussionswürdig.» Insbesondere störte sich Gassler an der schlechten Bewertung beim Indikator Humankapital. Dies sei undifferenziert, namentlich für einen Kanton, in dem noch industriell gearbeitet werde. «Wir haben sehr viele Facharbeitskräfte, die zwar keinen Uniabschluss vorweisen können, aber auf ihren Gebieten wahre Spezialisten sind. Dieses Können wird gering geschätzt.» Diese Fachkräfte seien es, die als Pioniere die Wirtschaft vorantreiben. «Wenn in der Schweiz nicht mehr industriell gefertigt werden kann, sind hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung bald verschwunden.»

Herausforderung «Strukturwandel»

Als grosse Herausforderung bezeichnete Gassler die Strukturanpassungen wie bei Borregaard oder Sappi. Der Staat müsse dafür sorgen, dass die sozialen Folgen abgefedert werden können und Rahmenbedingungen schaffen, die den nötigen Wandel ermöglichen. «Sich dem Wandel zu stellen, heisst nicht, den Niedergang zu beschleunigen, sondern den Neuanfang zu ermöglichen.»