Sie sitzen seit 2005 im Regierungsrat, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler (FDP) und Peter Gomm, Vorsteher im Departement des Inneren (SP). Mit dem Ende der jetzigen Legislatur im Jahr 2017 werden sie während zwölf Jahren die Politik des Kantons Solothurn an vorderster Front mitbestimmt haben.

Gassler wird dann bereits in ihrem 66. Altersjahr stehen, Peter Gomm in seinem 58. Beide haben sie somit Anspruch auf die maximal möglichen Entschädigungen. Die Freisinnige aus Schönenwerd darf mit einem Ruhegehalt rechnen, das der Hälfte ihres Regierungsratslohnes entspricht. Und ihr sozialdemokratischer Amtskollege aus Olten hat bis zur ordentlichen Pensionierung eine Überbrückungsrente in der Höhe von 80 Prozent seines Salärs zugute.

Während Esther Gassler bereits zu Beginn der jetzigen Legislatur angekündigt hat, dass sie bei der Gesamterneuerungswahl im März 2017 nicht mehr zur Wahl stehen wird, lässt sich die SP – noch – nicht in die Karten blicken. «Wir stecken mitten in intensiven Diskussionen», sagte Kantonalparteipräsidentin Franziska Roth gegenüber dieser Zeitung. Und: «Im Januar stehen weitere entscheidende Sitzungen an.»

Die FDP hat derweil in ihrem aktuellen Newsletter den Fahrplan bis zu den Wahlen abgesteckt. Das erklärte Ziel: die Verteidigung der beiden Regierungssitze. Jenen von Bildungsdirektor Remo Ankli, der erneut antreten wird – und den frei werdenden Sitz von Esther Gassler.

FDP rechnet mit einem Angriff

Zu diesem Zweck hat die FDP Kanton Solothurn jetzt eine Findungskommission eingesetzt. Diese soll in den nächsten Wochen und Monaten Ansprechpartner für mögliche Interessenten sein – und ihrerseits auf Erfolg versprechende Kandidierende zugehen. «Wir machen der Kommission keine Vorgaben, weder was das Geschlecht oder die regionale Herkunft betrifft», meinte Parteipräsident Christian Scheuermeyer.

Nominiert werden die Kandidierenden über die Orts- und Amteiparteien zuhanden der Nominationsversammlung, die aller Voraussicht nach Ende August 2016 stattfinden wird. Scheuermeyer gibt sich dabei optimistisch, den Delegierten im Sommer mehr als einen Kandidierenden präsentieren zu können. «Wir brauchen Kandidierende mit einer hohen Legitimation», unterstreicht Scheuermeyer, der fest mit einem Angriff der beiden Polparteien SP und SVP auf den frei werdenden FDP-Sitz rechnet.

Für den Fall, dass Peter Gomm erneut antrete, so die Spekulationen von Christian Scheuermeyer, dürfte die SP mit zwei Kandidierenden in den Wahlkampf steigen. Die Parteistrategen der SP halten sich freilich auch zu dieser Frage bedeckt. Präsidentin Franziska Roth will das Szenario weder verneinen noch bestätigen.

Eine solche Strategie hätte einiges für sich. Mit einem erneuten Antreten von Peter Gomm dürfte die SP ihren Regierungsratssitz bei den Gesamterneuerungswahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Trockene bringen. Und mit einer zweiten Kandidatur kann sie zumindest eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufbauen, der oder die Peter Gomm zu einem späteren Zeitpunkt «beerben» kann.

Ein vitales Interesse daran, endlich ihren ersten Sitz in der Solothurner Regierung zu ergattern, hat die SVP. «Wir bereiten derzeit die Einsetzung einer Findungskommission vor», sagte denn auch Parteipräsident Silvio Jeker.

Anders als von Christian Scheuermeyer befürchtet, zielt die Volkspartei aber explizit nicht auf den zweiten Sitz der FDP. «Wir anerkennen, dass die Freisinnigen als wählerstärkste Partei bei kantonalen Wahlen einen Anspruch auf zwei Regierungssitze haben», so der Parteipräsident der SVP – ganz in Sinne des angekündigten Schulterschlusses zwischen FDP und SVP. Die CVP indes, die bei den kantonalen Wahlen 2013 von den vier grossen Parteien den geringsten Wähleranteil erzielte, habe keine Legitimation für zwei Sitze, lanciert Jeker eine direkte Kampfansage an die CVP. Am liebsten wäre im allerdings ein breiter bürgerlicher Schulterschluss gemeinsam mit der CVP – und der Rauswurf der SP aus der Regierung.

Marianne Meister bleibt Thema

Solche strategischen Spielereien sind das eine. Sie stehen und fallen mit den Kandidatinnen und Kandidaten, welche die Parteien ins Feld schicken. Explizit nicht aus dem Rennen nimmt FDP-Präsident Christian Scheuermeyer Kantonsrätin Marianne Meister aus Messen, obwohl diese bei den Ständeratswahlen im Oktober ein eher enttäuschendes Resultat erzielt hat. Weitere Namen will Scheuermeyer keine nennen. Besonders gute Chancen dürften Männer und Frauen aus dem oberen Kantonsteil haben.

Dieser ist zurzeit nämlich einzig mit CVP-Regierungsrat Roland Heim in der Exekutive vertreten. Im Gespräch für eine mögliche Kandidatur aufseiten der FDP ist sicher Anita Panzer, Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen, die als Nationalratskandidatin ein Glanzresultat gemacht hat. Über ein hohes Renommee innerhalb der FDP verfügt Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger, ein möglicher Kandidat wäre aber auch der Grenchner Stadtpräsident François Scheidegger.

Aufseiten der SP steht die Oltner Kantonsrätin und Juristin Susanne Schaffner in den Startlöchern – allerdings nur, wenn Peter Gomm nicht mehr antritt. Für eine zweite Kandidatur neben Gomm müsste sich die SP nach einer Kandidatur im oberen Kantonsteil umschauen. Hier dürfte vor allem Parteipräsidentin Franziska Roth (Solothurn) über den nötigen Bekanntheitsgrad verfügen. Bei der SVP gehören Fraktionspräsident Christian Werner (Olten) sowie die beiden Kantonsräte Manfred Küng (Kriegstetten) und Roberto Conti (Solothurn) zu den Wortführern – und möglichen Kandidaten.