Gartencenter im Kanton Solothurn
Ein Jahr Corona: Gartencenter profitieren von der Sehnsucht nach einem grüneren Zuhause

Trotz einem schwierigen Jahr geht es den meisten Gartencentern und Blumengeschäften im Kanton Solothurn gut. Die Pandemie spielt den Geschäften gar positiv in die Karten.

Andri Morrissey
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Gartencenter Wyss Zuchwil.

Gartencenter Wyss Zuchwil.

Michel Lüthi

Die Schweiz hat ein Jahr Coronavirus und zwei Lockdowns hinter sich. Trotz dem kompletten Lockdown im März 2020 - vor allem dieser traf die Geschäfte besonders hart - stehen die Gartencenter im Kanton Solothurn aber zum grössten Teil auf sicheren Beinen.

Die Ausgangslage des Lockdowns ist bei den Gartencentern etwas anders als bei anderen Branchen. Zwar mussten die Geschäfte während des ersten Lockdowns ihre Türen schliessen aber schliesslich fanden viele regelkonforme Methoden, um das Geschäft am Leben zu halten. Beispielsweise verlegten viele Geschäfte ihr Angebot in einen Online-Shop. Im zweiten Lockdown kam es nicht so weit, denn die Gartencenter konnten offen bleiben.

Die Vebo-Genossenschaft, die Menschen mit Beeinträchtigungen in die Gesellschaft eingliedert, konnte gar kleine Erfolge feiern. «Der Verkauf lief [2020] gut. Nur die Art des Verkaufs änderte sich», sagt Pascal Erne, Geschäftsführer der Vebo in Matzendorf. Während des ersten Lockdowns wurden auch bei der Vebo immer noch Bestellungen Online und telefonisch gemacht, die abgeholt werden konnten. Bis die Läden wieder aufgehen konnten, wurden Bestellungen bei Vebo zur Haupteinnahmequelle. «Wir merken, dass die Menschen durch weniger Mobilität gezwungen sind, zu Hause zu bleiben. Darum wollen sie drinnen und draussen ihr Zuhause mit Pflanzen ausschmücken.»

Während der ersten Coronawelle im März 2020 litt die Branche besonders, sagt Othmar Ziswiler vom Gärtnereiverband Jardin Suisse. Konkret bezeichnet er den ersten Lockdown als «schmerzhaft» für die Branche, weil Gärtnereien in den Monaten März und April hohe Umsätze machen. Und es waren genau diese, die im Rahmen des ersten Lockdowns im letzten Jahr weggefallen sind.

Ziswiler verweist auf einen Trend, der sich während des vergangenen Jahres gezeigt hat. Da fast die gesamte Bevölkerung zu Hause bleiben musste, ist es keine Überraschung, dass viele ihr Zuhause auch ausschmücken wollten. «Garten und Balkon sind zurzeit im Trend sowie Frisches und Gesundes aus dem eigenen Garten», sagte Ziswiler. Viele Menschen hätten viel Zeit gehabt, ihren Horizont auszubauen - dafür eigne sich ein Gemüsegarten gut.

Diese positive Nachricht ist aber nicht universell. Am Solothurner Hauptbahnhof befindet sich der Laden Bettinas Atelier. Das Blumengeschäft durfte zwar während des Winters offen bleiben, jedoch fiel im Januar ein grosser Teil des Umsatzes weg. Viele Läden in und um den Bahnhof mussten schliessen, damit auch das Cafe Spectaccolo, dass die Räumlichkeiten mit dem Atelier teilt. «Man merkte, dass die Menschen zu Hause sind. Die Frequenzen rund um den Bahnhof sind komplett weggefallen», sagt Geschäftsführerin Bettina Rust.

Weil das Geschäft offen bleiben durfte, war nie die Rede von finanzieller Unterstützung. auch Kurzarbeit war aus dem gleichen Grund im Atelier nie ein Thema. Ab Februar bahnte sich jedoch mit dem Valentinstag ein Hoffnungsschimmer im Form einer grösseren Kundschaft an, und am Frauentag am Montag, 8. März, wurde das Geschäft laut Bettina Rust überrannt. «Der Frauentag war noch besser als der Valentinstag», sagt Rust. Nun erhofft sich die Floristin einen Erholungskurs für das Geschäft ab dem Sommer.

Ziswiler hat hingegen kaum Sorgen um die Zukunft. Mit dem laufenden Trend im Gartengeschäft bleibt er optimistisch. «Wir hoffen, dass dieser Trend in den nächsten Jahren anhält», sagt Ziswiler. Zum Vorteil der Gartencenter kam es laut Othmar Ziswiler in der Branche zu keiner Schliessungswelle während der Pandemie. Nur die Nebenleistungen der verschiedenen Gartencentern müssen nach wie vor auf die grosse Lockerung warten.