Der Bücherherbst steht vor der Tür. Für die Literaturbranche ist dies eine Zeit, die von der Frankfurter Buchmesse geprägt ist, aber auch von einigen Literaturpreisen, die im Herbst verliehen werden. Der Schweizer Buchpreis hat soeben die fünf Nominierten verkündet, die Verleihung des Deutsche Buchpreises und des Büchner-Preises stehen kurz bevor.

Für Leserinnen und Leser bedeuten diese Preise: Eine spannende Liste mit Büchern, die von einer (Fach-)Jury als herausragend befunden wurden und die als Inspiration für neue Lektüren dienen. Auch für Lesezirkel und Buchclubs sind diese Bücher oft eine gute Wahl für spannende Diskussionen. Für Autorinnen und Autoren bedeuten die Preise: eine Würdigung und grosse Aufmerksamkeit. Wer aber denkt, dass damit finanzieller Reichtum einhergeht, irrt leider.

Eine Auszeichnung in Form eines Preises bedeutet für Schreibende zweifelsohne ein Beitrag an die Lebenskosten. Aber selbst ein Buch, das sich gut verkauft, ernährt seine Autorin nicht über eine lange Zeitspanne. Lesen mag eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigung der Schweizerinnen und Schweizer sein, vom Schreiben hingegen kann in unserem Land – und notabene in jedem Land – fast niemand leben. Pro verkauftes Buch verdient eine Autorin, ein Autor zirka zwei Franken. Dazu kommt, dass die Käufe von Büchern nach wie vor rückläufig sind. Schon lange werden keine so hohen Auflagen mehr erreicht wie noch vor zehn Jahren.

Und von einer Autorin, einem Autor zu verlangen, sie sollten ihr Geld mit einem Brotjob verdienen, heisst, dass weniger Zeit und Aufmerksamkeit für das Schreiben bleibt. Wer würde das von einem Bäcker, einer Lehrerin, einem Banker erwarten?
Auch wenn dies ein weitverbreiteter Irrtum ist: Literaturpreise sind nicht die wichtigste Einnahmequelle. Viel wichtiger sind Lesungen, bei denen Autorinnen und Autoren eine faire Gage erhalten.
Was ist aber mit all den anderen Büchern, die erscheinen? Wussten Sie, dass in der Schweiz über 300 Romane pro Jahr erscheinen? Sachbücher, Kochbücher und Reisebücher ausgenommen. Im ganzen deutschsprachigen Raum sind es selbstredend ein Mehrfaches davon. Literaturpreise tragen bedeutend dazu bei, wo der Fokus gelegt wird und welche Bücher im öffentlichen Rampenlicht stehen. Man sollte aber nicht vergessen, dass ein Preis immer auch bedeutet, dass ganz viele gute Bücher keinen Preis erhalten.

Dennoch finde ich es wichtig, dass es die Literaturpreise gibt. Sie schaffen es, kurz das Buch ins Scheinwerferlicht zu stellen. Wer vielleicht schon lange nichts mehr gelesen hat, hört von einem spannenden Thema, das ihn oder sie motiviert wiedermal ein Buch zu kaufen. Schön wäre es, wenn die Lesenden dadurch auf den Geschmack kommen, mit dem Lesevirus infiziert werden und gleich das nächste und übernächste Buch in die Hand nehmen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass es auch in Zukunft Bücher geben wird. Denn, dass Literatur ein Kulturgut ist, das gefördert und erhalten werden muss, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.