Ysopblättriges Gliedkraut
Gämsen fressen biologische Solothurner Rarität weg

Das Ysopblättrige Gliedkraut wird mit einfachen Massnahmen vor Störenfrieden geschützt.

Rahel Meier
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So sieht das Ysopblättrige Gliedkraut aus, wenn es blüht.

So sieht das Ysopblättrige Gliedkraut aus, wenn es blüht.

Rahel Meier

Wer via Ostgrat aufs Balmfluhköpfli wandert, kommt mehrmals am Ysopblättrigen Gliedkraut (Sideritis hyssopifolia) vorbei. Es handelt sich hierbei um ein rund 40 Zentimeter hoch werdendes Zwergsträuchlein. 27 dieser Pflanzen sind unter spezieller Beobachtung des Solothurner Amtes für Raumplanung. Die Standorte wurden einerseits markiert und andererseits die Sträuchlein teilweise mit sogenannten Erbsenkörben überzogen. «Diese Pflanze gehört zu unserem Solothurner Naturerbe, und darum möchten wir sie schützen», erklärt Jonas Lüthy vom Amt für Raumplanung.

Tatsächlich kommt das Ysopblättrige Gliedkraut eigentlich vorwiegend in den Bergen im Südwesten Europas vor und ist auch dort eher selten. Die Pflanze bevorzugt felsige Standorte. In der Schweiz sind nur ganz wenige Orte bekannt, an denen sie wächst. Vier liegen in der Genferseeregion und eine auf dem Balmfluhköpfli, sozusagen auf dem äussersten Vorposten. «Das ist eine biogeografische Besonderheit und vor allem in Botanikerkreisen bekannt.»

Dass die Pflanze im Kanton gefunden wurde, ist einem Zufall zu verdanken. Der Biologe Urs Schwarz war vor Jahren bei einer Wanderung im Jura beim Balmfluhköpfli unterwegs. Gleichzeitig war auch eine Gruppe des SAC dort, die das Abseilen übte. «Dabei brachte einer der SAC-Leute ein Pflänzchen mit nach oben und fragte, ob ich wisse, was das ist.» Schwarz kannte die Pflanze auf den ersten Blick nicht und auch sein Bestimmungsbuch führte nicht zum Ziel. «Erst zu Hause konnte ich es herausfinden.» Der Bestand des Ysopblättrigen Gliedkrautes ist gefährdet. Es wird von den Gämsen zertreten und verbissen. «Die Pflanze hat auch eine heilende Wirkung», so Lüthy, der sich vorstellen kann, dass die Gämsen sie deshalb gezielt abfressen. Tatsächlich scheint die Pflanze als Tee zubereitet gegen Verdauungsbeschwerden zu helfen. Da der Gamsbestand zurzeit sehr hoch ist, kommt die Pflanze seit Jahren nicht mehr zum Blühen. Damit kann sie sich auch nicht mehr verbreiten.

Mit den Erbsenkörben soll die Pflanze vor den Tritten und Bissen der Gämsen, aber auch vor Wanderern und Kletterern geschützt werden. «Ob die Körbe tatsächlich Wirkung zeigen, probieren wir seit letztem Sommer in einem Versuch herauszufinden», so Lüthy. Immerhin habe im August eine der geschützten Pflanzen tatsächlich geblüht. Ein gutes Zeichen. Da die Sträuchlein an diesem Extremstandort sehr langsam wachsen, brauche es Geduld. Auf der Roten Flue in Bärschwil schütze man eine andere Solothurner Rarität, das Fluhröschen, mit ähnlichen Massnahmen. «So, wie es aussieht, haben wir Erfolg.»

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