EM 2016
Fussball-Fieber lässt auch Unternehmen im Kanton Solothurn nicht kalt

Heute Freitag werden die ersten Spiele der EM 2016 angepfiffen. Wie steht es aber mit der Kompromissbereitschaft der Firmen im Kanton Solothurn? Lassen sie ihren Angestellten während der Fussball-Saison einen gewissen Spielraum oder nicht?

Nadia Chamakhe
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Fussballverrückte freuen sich schon seit Monaten, um zu Hause oder im Public-Viewing die Matches mit zu verfolgen. Doch wie ist es im Büro?

Fussballverrückte freuen sich schon seit Monaten, um zu Hause oder im Public-Viewing die Matches mit zu verfolgen. Doch wie ist es im Büro?

Keystone

Bereits ab heute Freitag ist Europa wieder im EM-Fieber. Fussballverrückte freuen sich schon seit Monaten auf die Sommerzeit, um im Stadion, zuhause oder in einer Public-Viewing-Arena die Matches mit zu verfolgen. Doch hält die anfängliche Freude an oder macht der Job dem einen oder anderen Fan einen Strich durch die Rechnung?

Diese Zeitung wollte wissen, wie EM-freundlich die Solothurner Arbeitgeber sind und ob sie ihren Angestellten gewisse Zugeständnisse machen oder nicht.

Bildschirme im Büro?

In der Migros Grenchen soll die Arbeit nicht unter dem EM-Fieber leiden. Damit aber das Fussballvergnügen nicht zu kurz kommt, wird an den Spielen der National-11 ein Bildschirm für Kunden aufgestellt.

Auch bei der AXA Winterthur in Solothurn gibt es im Pausenraum einen Fernseher, wo die Arbeitnehmer ab und zu draufschauen dürfen. Eine Angestellte sagt: «So lange nicht der ganze Match geschaut wird, gibt es keine Probleme.» Da die meisten Matches gegen 18.00 Uhr oder 21.00 Uhr sind, könne die Mehrzahl der Spiele ausserhalb der Arbeitszeit geschaut werden.

Die EM-Ergebnisse erfährt man auch bei der Alpiq Group nicht erst am Folgetag von Freunden, auf Anfrage heisst es nämlich: «Alpiq stellt an einzelnen Standorten die Infrastruktur zur Verfügung, um Spiele bei Bedarf live mitverfolgen zu können.» Dennoch betont die Firma, dass Fussball – ob aktiv oder passiv – als privates Vergnügen gelte und somit nicht zur Arbeitszeit gehöre. Die Spiele könnten so in der Freizeit, also bei der Kompensation von Überstunden oder in den Ferien geschaut werden.

«Fähnli der Schweizer und anderen Natis aufzustellen ist – ausser während dem Verpacken von Esswaren – erlaubt», heisst es bei der Vebo. Die Genossenschaft sei aber selbstlenkend organisiert, so dass sich die Vorgesetzten und Mitarbeiter absprechen könnten.

Die Zuchwiler Bosch AG bietet ihren Arbeitnehmern gleitende Arbeitszeiten, so bleibe es den Angestellten überlassen, ihre Arbeitszeit selbst einzuteilen.

Auch die Stahl Gerlafingen AG bietet – zusätzlich zum Schichtmodell – Dienste nach dem Gleitmodell an, verfügt aber über keine Bildschirme, da sonst die Produktivität gefährdet wäre. Das Firma betont aber: «Die EM ist bestimmt ein beliebtes Pausenthema.»

Die obenstehenden Solothurner Unternehmen sind also relativ EM-freundlich und ermöglichen den Angestellten – wenigstens teilweise – sich am beliebten Sport zu erfreuen. Auffällig viele Krankschreibungen in vergangenen Saisons wurden übrigens nirgends beobachtet.

EM und Arbeit geht das wirklich?

Einzig drei der neun befragten Firmen bieten den Arbeitnehmern betreffend der EM wenig Spielraum.

Bei der Oltner Firma Sicher 24, die auf Objektschutz und Überwachung spezialisiert ist, heisst es, dass die Angestellten während der Arbeit die Meisterschaft nicht schauen dürfen. Ausserdem werde der Dienst entsprechend der Auftragslage geleistet, so dass Arbeitszeiten mit den Terminen der EM-Ausstrahlung kollidierten.

Von den befragten Unternehmen gibt auch die Spitäler AG zu, ihren Mitarbeitern keinerlei Spielraum zu lassen, denn das Spital sei «schliesslich ein 24-Stunden-Betrieb».

«Auch Bruno Walter, Chef eines Solothurner Architekturbüros meint dazu: «Fussball wird in der Freizeit geschaut.» Sollte die Schweiz doch noch im Finale stehen, könne man wieder darüber diskutieren, räumt er ein.