Der Weg der Zeitung
Für Wirtschafts-Redaktor Franz Schaible ist Journalismus ein Traumjob

Franz Schaible ist als Redaktor dieser Zeitung immer am Puls der Wirtschaft. Schon während seinem Studium der Betriebsökonomie hat er seine Leidenschafts fürs Schreiben entdeckt.

Renate Bigler-Nägeli
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Fragen und zuhören – Franz Schaible bei einem Interview.

Fragen und zuhören – Franz Schaible bei einem Interview.

Hanspeter Bärtschi

Als im August 2011 die Papierfabrik Biberist dichtmachte, traf dies Franz Schaible ganz besonders. Der Wirtschafts-Redaktor der Solothurner Zeitung ist in Biberist aufgewachsen. «Die Papieri gehörte einfach zum Dorf, fast undenkbar, dass sie einmal zugehen würde.» Beeindruckt hat ihn, wie die über 500 Beschäftigten für ihre Firma kämpften. Und es war seine Aufgabe, darüber zu schreiben.

Die Freude am Schreiben und die Lust am Journalismus packte ihn während seines Betriebsökonomie-Studiums an der Wirtschafts- und Verwaltungsschule in Olten, der heutigen Fachhochschule für Wirtschaft. Danach absolvierte er ein Volontariat bei der Berner Zeitung, arbeitete in den Wirtschaftsredaktionen beim «Bund», bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA und bei der Wirtschaftszeitung Cash bis zu deren Ende im 2007. Des Pendelns müde ergab sich für ihn die glückliche Situation, in seinem Wohnort Solothurn auf der Redaktion einsteigen zu können. Hier hat der 58-Jährige mit aktuellen Wirtschaftsereignissen zu tun. Er möchte Zusammenhänge aufzeigen – in einer Sprache, welche die Leserschaft versteht. «Wenig Wirtschaftsjargon, denn wir sind eine Regionalzeitung.» Er porträtiert auch Firmen, die sonst nicht in den Medien erscheinen, kleine und mittelgrosse Betriebe aus der Region. «Für mich hat sich der Wechsel gelohnt», sagt er heute. Lokaljournalismus findet er sehr spannend. «Als Journalist bin ich so viel näher bei den Menschen.»

Ein grosses Beziehungsnetz

Journalist bleibt für Schaible ein Traumjob. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, am Morgen weiss er jeweils nicht, was bis zum Abend passiert. Und es gibt viele Kontakte zu den unterschiedlichsten beruflichen Schichten. Es sind interessante Begegnungen. Familienbetriebe, die etwas leisten, Risiken eingehen und Arbeitsplätze in der Region schaffen, beeindrucken ihn immer wieder. Er muss jedoch auch über die Kehrseiten schreiben: Firmenschliessungen, Abbau von Arbeitsplätzen, Arbeitslosigkeit.

Doch wie kommt ein Redaktor zu seinen Themen? «Ich verfolge relevante Themen und frage mich, ob die Ereignisse auch Auswirkungen auf unsere Region haben.» Er hat sich in der regionalen Wirtschaftslandschaft inzwischen ein grosses Beziehungsnetz aufgebaut. Daraus ergeben sich immer wieder Ideen für neue Artikel. Weitere Quellen sind Diskussionen auf der Redaktion oder das Internet.

Von Print zu Multimedia

Auch er musste sich mit der technologischen Entwicklung auseinandersetzen. «Das Berufsbild des Journalisten ändert sich, das ist manchmal eine Herausforderung.» Heute ist man nicht einfach nur Print-Journalist, sondern wird zum Multimedia-Fachmann. Umdenken können ist wichtig. Im Grossraumbüro im 3.Stock des Medienhauses an der Zuchwilerstrasse nimmt das Newsdesk einen wichtigen Platz ein. Dort verarbeitet ein Online-Redaktor Beiträge, die gleich ins Netz gestellt werden. Es gilt «online-first», das heisst, für die Online-Ausgabe muss auch Schaible zuerst einen Beitrag verfassen und wenn möglich ein kleines Video drehen oder auch mal selber fotografieren. Erst danach kann er seine Notizen ordnen, gewichten, mit Informationen aus anderen Quellen ergänzen. «Ich schreibe nie etwas, was ich selber nicht verstehe», betont er. «Das Ziel ist immer eine möglichst objektive Darstellung eines Sachverhaltes.» Franz Schaible hat erst seit Kurzem ein 100-Prozent-Pensum. Solange seine beiden Kinder noch zur Schule gingen, war er immer auch noch Teilzeit-Hausmann. Er kocht sehr gerne und liest mit Vorliebe nordische Krimis. Beim Reisen, Wandern und Skifahren mit seiner Frau sind Wirtschaftsthemen weit weg.