100 Jahre Landesstreik
Für Theaterstück zum Landesstreik werden noch zahlreiche Freiwillige gesucht

Im Kanton Solothurn wird 2018 ein aufwendiges Theaterstück zum Thema 100 Jahre Landesstreik gezeigt. Noch werden zahlreiche Freiwillige gesucht, die mitwirken wollen.

Lucien Rahm
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Im Oltner Gemeinderatssaal haben die Organisatoren potenzielle Schauspieler und -spielerinnen über das Theaterprojekt «1918.ch – 100 Jahre Landesstreik» informiert.

Im Oltner Gemeinderatssaal haben die Organisatoren potenzielle Schauspieler und -spielerinnen über das Theaterprojekt «1918.ch – 100 Jahre Landesstreik» informiert.

Bruno Kissling

Die Arbeiterbewegung könnte auch in der Schweiz einen bolschewistischen Staat errichten, fürchteten viele Bürgerliche damals. Damals, als die Unzufriedenheit der Arbeiter ob ihrer Arbeitsbedingungen immer mehr zunahm. Die Umstände zum Ende des Ersten Weltkriegs führten schliesslich zum ersten und einzigen Generalstreik in der Schweiz.

250'000 Arbeiterinnen und Arbeiter, unterstützt von Gewerkschaftern, legten ihre Arbeit 1918 für vier Novembertage nieder. Die in der Folge zur Wahrung der öffentlichen Ordnung aufgebotenen Armeetruppen bewahrten nicht überall einen kühlen Kopf. In Grenchen beispielsweise wurden drei Streikende von Soldaten erschossen – nachdem deren Protest bereits beendet worden war

«Müssen es in Olten machen»

Ein Jahrhundert später sollen diese dramatischen Ereignisse in einem gross angelegten Theaterstück wiedergegeben werden. Etwa 200 Schauspielerinnen und Schauspieler sollen ab August 2018 den Landesstreik in 24 Aufführungen inszenieren – unterstützt von Chor und Orchester. Als Aufführungsort wurde Olten gewählt, konkret eine Halle der alten SBB-Hauptwerkstätte, direkt neben dem Oltner Bahnhof. «Wir müssen es dringend in Olten machen, weil es der Eisenbahnknotenpunkt ist», begründete Regisseurin Liliana Heimberg die Wahl an einer Informationsveranstaltung des Theaters «1918.ch».

Denn geplant ist, 12 bis 15 verschiedene Theatergruppen aus der ganzen Schweiz mit einzubeziehen und ins verkehrstechnisch zentral gelegene Olten anreisen zu lassen. Ausserdem sei das hier gegründete Oltener [sic] Komitee bei der Durchführung des Streiks federführend gewesen.

Nebst den für die Haupthandlung vorgesehenen 200 Laiendarstellern werden wie erwähnt 12 bis 15 Theatergruppen aus allen Sprachregionen der Schweiz mitwirken. Diese Gruppen sollen dann jeweils Einzelschicksale aus ihrer Region inszenieren, die mit Unterstützung des Zürcher Historikers Stefan Keller noch recherchiert werden sollen. Schicksale wie jenes von Anna Vogt: Ihr Mann wurde im Rahmen des Streiks angeschossen und verstarb schliesslich an den Folgen davon, worauf seine Witwe verarmte. Zwei Jahre lang schrieb sie regelmässig Briefe an den Bundesrat, in denen sie ihre Situation schilderte und um Hilfe bat. «Wir wollen dem Publikum die Ernsthaftigkeit der damaligen Lage begreifbar machen», so Heimberg. Und dies mit einer «eher atmosphärischen Darstellung».

Freiwillige gesucht

Um das für die Haupthandlung vorgesehene Ensemble zusammenstellen zu können, suchen die Organisatoren derzeit nach Schauspielerinnen und Schauspielern aus dem Kanton Solothurn oder angrenzenden Gemeinden – mit Erfahrung oder ohne. Ebenso dürfe man sich melden, wenn man im Chor oder einfach im Hintergrund mitwirken möchte. Verstärkung sucht ausserdem auch Kostümbildnerin Eva Butzkies: «1000 Kostümteile werden es am Schluss wohl sein.»

Hierzu könne sie noch einige Unterstützung gebrauchen von Freiwilligen, die «Spass am Nähen» haben. Derzeit analysiert Butzkies Fotografien aus besagter Zeit, um den Stil der 1910er-Jahre in den Kostümen, Frisuren und Gesichtsbehaarungen der Darsteller wiederzugeben, sodass sich die Zuschauer dann im kommenden Jahr in die damalige Zeit zurückversetzen können.

Infos und das Anmeldeformular für Freiwillige finden sich auf www.1918.ch.