Interpellation
Für pflegende Angehörige gibt es trotz viel Arbeit keinen Lohn

Geschätzte 8000 Angehörige im Kanton Solothurn pflegen ihre kranken Verwandten und Bekannten. Luzia Stocker (SP, Olten) wollte von der Regierung wissen, was denn für diese Pflegenden getan wird.

Merken
Drucken
Teilen
Die Regierung nannte als Unterstützungsleistungen kurzfristig nutzbare Betten in Pflegeheimen, Spitex-Organisationen, die über Pflegemassnahmen orientieren, Tagesstätten, sowie diverse spezialisierte Beratungsorganisationen wie das Rote Kreuz, Pro Senectute oder Benevol, die Beratungsstelle für Freiwilligenarbeit. (Symbolbild)

Die Regierung nannte als Unterstützungsleistungen kurzfristig nutzbare Betten in Pflegeheimen, Spitex-Organisationen, die über Pflegemassnahmen orientieren, Tagesstätten, sowie diverse spezialisierte Beratungsorganisationen wie das Rote Kreuz, Pro Senectute oder Benevol, die Beratungsstelle für Freiwilligenarbeit. (Symbolbild)

Keystone

«Wertvoll» und «unverzichtbar»: Mit diesen Worten werden die geschätzten 8000 Angehörigen jeweils gelobt, die im Kanton ihre kranken Verwandten und Bekannten pflegen. Manchmal über Jahre. Aber was wird konkret für die pflegenden Angehörigen getan? Das wollte Luzia Stocker (SP, Olten) von der Regierung wissen. Wie können sie geschult werden und welche Angebote gibt es, damit sie auch einmal einen Tag ausruhen können? Oder gibt es gar eine finanzielle Entlastung? Gestern wurden deren Antworten im Kantonsrat diskutiert.

Von einem «enormen» volkswirtschaftlichen Nutzen sprach die Regierung in ihrer Interpellations-Antwort. Sie nannte als Unterstützungsleistungen kurzfristig nutzbare Betten in Pflegeheimen, Spitex-Organisationen, die über Pflegemassnahmen orientieren, Tagesstätten, sowie diverse spezialisierte Beratungsorganisationen wie das Rote Kreuz, Pro Senectute oder Benevol, die Beratungsstelle für Freiwilligenarbeit. Grundsätzlich, aber so die Regierung, würden Massnahmen zur Entlastung Angehöriger in die Zuständigkeit der Einwohnergemeinden fallen.

«Bekenntnis wäre nötig»

Das war für Luzia Stocker zu wenig. «Ein Bekenntnis, etwas zu machen, wäre nötig», sagte sie gestern. Schliesslich komme jeder Heimeintritt teurer. Und auch Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn) sah die «Steuerungsmöglichkeiten durch den Kanton noch lange nicht ausgereizt». Sowohl Stocker als auch Wyss monierten, dass einige der von der Regierung erwähnten Organisationen gar ums Überleben kämpfen müssten.

Sobald es ums Geld geht . . .

«Die künftigen Herausforderungen können nicht nur mit Geld gelöst werden», sagte Verena Enzler (FDP, Lostorf) mit Blick auf die demografische Entwicklung. «Es braucht neue Formen des Zusammenlebens.» – Eher «zurück zu den alten Formen des Zusammenlebens», wollte dagegen Tobias Fischer (SVP, Hägendorf). «Früher wurde diese Arbeit in Mehrgenerationenhäusern unentgeltlich geleistet.» Heute dagegen scheine der Staat den Angehörigen das nötige Vertrauen nicht mehr entgegenzubringen, weshalb er immer mehr Professionalität anstrebe.

So gehe auch die Interpellation in Richtung eines Ausbaus. Derweil warnte Susan von Sury (CVP, Solothurn): «Die Zahl Pflegebedürftiger steigt von Jahr zu Jahr.» Sozialdirektor Peter Gomm resümierte die Debatte ganz trocken. Einige Kantonsräte seien jetzt zufrieden, andere möchten mehr. «Aber wenn es dann Geld kostet, geht ein Projekt bachab.» Grundsätzlich, wiederholte er, seien die Gemeinden zuständig. «Wenn aber eine Empfehlung des Kantons gefordert wird, sei diese hiermit gegeben.» (lfh)