Unternehmerfrühstück «8vor8»
«Für ein richtiges Hochhaus in Olten ist es ohnehin noch zu früh»

Immobilienmarkt Markus Graf, CEO der Swiss Prime Site AG, referiert beim Unternehmerfrühstück «8vor8». Thema dabei war das Immobiliengeschäft - mit Blick auf die Region.

Adriana Gubler
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Er kennt das Immobiliengeschäft in- und auswendig: Markus Graf.

Er kennt das Immobiliengeschäft in- und auswendig: Markus Graf.

bko

Nach dem Engadiner Skimarathon am Sonntag hatte Markus Graf, CEO der Swiss Prime Site AG, am Dienstag einen Treppenmarathon zu absolvieren. Wegen eines Stromausfalls musste der Prime-Tower in Zürich vorgestern evakuiert werden. Für Graf bedeutete dies, vom 34. Stockwerk ins Erdgeschoss hinunterzusteigen. «Ich war zum Glück fit, da ich kurz zuvor am Engadiner teilgenommen hatte», meinte Graf schmunzelnd, wurde aber sogleich wieder ernst: «Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, und als ich die vielen Menschen draussen sah, sind mir die Bilder von 2001 in New York in den Sinn gekommen.» Die anwesende Frau Landammann Esther Gassler kommentierte den Stromausfall übrigens lakonisch: «Markus Grafs Tower war ohne Power.»

Markus Graf wurde aber nicht an das traditionelle Unternehmerfrühstück «8vor8» der Wirtschaftsförderung des Kantons Solothurn eingeladen, um über diese Anekdote zu sprechen, sondern über das Immobiliengeschäft – mit Blick auf die Region. Denn Graf ist als Geschäftsführer des Immobilienriesen Swiss Prime Site ein zentraler Player im Schweizer Immobilienmarkt. Seit der Gründung 1999 in Olten verzeichnet das Unternehmen ein stattliches Wachstum, die Swiss Prime Site ist mittlerweile eines der grössten Unternehmen im ganzen Kanton. «Angefangen haben wir mit 20 Mitarbeitern», sagt Graf, der bei der Gründung massgeblich mitwirkte, «heute arbeiten 1440 Personen für uns. Im Geschäftsjahr 2011 konnten wir einen Reingewinn von 365 Millionen Franken vorweisen.»

Das grosse Plus ist die Lage

Mit Immobilien lässt sich gut Geschäfte machen, dies konnte Graf in seinem Referat vor den gut 60 anwesenden Wirtschaftsleuten klar aufzeigen. Aber auch im Kanton Solothurn? «Der Kanton Solothurn wird als Immobilienstandort unterschätzt», hielt Graf fest und hebt die zentrale Lage und die verkehrstechnisch einwandfreie Anbindung des Kantons hervor.

Immobilien seien ein derart lukratives Geschäftsfeld, weil die Schweiz jährlich eine grosse Zuwanderung erlebe, begründete Graf. Und er verdeutlichte: «So viele Menschen, wie in der Stadt St. Gallen leben, kommen jährlich in die Schweiz.» Deshalb ist mehr Wohnraum gefragt. «Es ist vor allem wichtig», sagte der CEO der Swiss Prime Site, «dass verdichtet und in die Höhe gebaut wird.» Ein Grossteil der Gebäude in der Schweiz verfüge beispielsweise nicht über mehr als drei Stockwerke. «Deshalb sollte man damit anfangen, renovationsbedürftige Wohnhäuser anstatt zu sanieren, abzureissen und Neubauten hinzustellen. Ziel muss es sein, vermehrt in die Höhe zu bauen», sagte Graf und fügte an: «Es müssen ja nicht gleich Hochhäuser sein.» Für ein richtiges Hochhaus in Olten sei es aus wirtschaftlicher Sicht ohnehin noch zu früh. «Die Region Olten wird wohl erst in zehn, zwanzig Jahren dafür bereit sein. Denn man müsste dafür höhere Mieterträge generieren können.»

Kanton macht Immobiliengeschäfte

Beim Unternehmerfrühstück richtete auch Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler einige Worte zum Thema Immobilien an die Anwesenden und zitierte dafür den US-amerikanischen Unternehmer Donald Trump: «Die Immobilie ist der Kern von jedem Geschäft.» Dass auch der Kanton Solothurn mit Immobiliengeschäften zu tun hat, zeigte Gassler am Beispiel von Attisholz/Luterbach. Der Kanton hat dort ein 35 Hektaren grosses Industrieareal gekauft. «Nun haben wir dieses Gebiet so weit ‹zwäg› gemacht, dass es verkauft werden kann», sagte Gassler. Und: Viele Unternehmen bekunden ihr Interesse. «Wir haben es aber nicht pressant und können ein geeignetes Unternehmen aussuchen.» Eine Bedingung etwa, die der Kanton an den Käufer stellt, ist die Nutzung des vorhandenen Gleisanschlusses.

Ein weiteres Immobiliengeschäft, das der Kanton tätigte, war der Kauf des Hotels Krone. Laut Gassler hat sich dies als Erfolg bestätigt. Sie sagte gestern: «Dies hat zwar hohe Wellen geworfen, aber wir hatten den Kauf zu diesem Zeitpunkt zum Glück bereits getätigt.»

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