Solothurner Superlative
Für diese Gebäude müssten die Versicherungen richtig tief in die Tasche greifen

Zusammen haben die drei teuersten Gebäude im Kanton Solothurn einen Wert von über 400 Millionen Franken. Ausser ihrem hohen Wert und dem Material aus welchem sie gebaut sind, haben die drei Gebäude aber nur wenig gemeinsam.

Sven Altermatt
Drucken
Teilen
Den ersten Platz belegt der Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf. Die Versicherungssumme des riesigen Logistikzentrums beläuft sich auf 174 Millionen Franken.
3 Bilder
Der Europa-Hauptsitz von DePuy Synthes in Zuchwil schafft es mit einem Versicherungswert von 126 Millionen Franken auf den zweiten Platz.
Die drei teuersten Gebäude im Kanton Solothurn

Den ersten Platz belegt der Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf. Die Versicherungssumme des riesigen Logistikzentrums beläuft sich auf 174 Millionen Franken.

SZ-Archiv

Fallen wir mit der Türe gleich ins Haus: Das teuerste Gebäude im Kanton Solothurn ist eine Lagerhalle. Sie steht – wen wunderts? – im Logistikparadies Gäu. Das Hauptgebäude des Migros-Verteilbetriebs in Neuendorf hat einen Versicherungswert von 174 Millionen Franken.

Zwischen Autobahn, Feldern und Bahngleisen lagern Tiefkühlwaren, Textilien und Non-Food-Produkte – in einer riesigen, von aussen eher schmucklosen Halle mit weinroter Fassade.

Solothurner Superlative

Grösser, breiter oder schneller? In einer losen Serie beleuchten wir Solothurner Orte, Menschen und Errungenschaften, die mehr zu bieten haben als der Durchschnitt.

Funktionalität geht vor, ein modernes Computersystem steuert die Logistik vom Wareneingang bis zur Auslieferung. Nach Angaben des Verteilbetriebs werden hier täglich über 10 000 Paletten abgefertigt.

Der Wert der eingelagerten Waren übersteigt eine halbe Milliarde Franken. Wäre der vor 40 Jahren erbaute Logistikbetrieb noch nicht mit Hochregallagern vollgestopft, hätten darin volumenmässig etwa 4000 Einfamilienhäuser Platz.

Ein weiterer Superlativ verbirgt sich auf den Dächern des Betriebs: Seit letztem Herbst befindet sich dort die grösste Solaranlage der Schweiz. Über 20 000 Solarpanels wurden installiert, etwa ein Drittel davon auf dem 12 000 Quadratmeter grossen Dach des Hauptgebäudes.

Ein moderner Palast

Dass unter den teuersten Gebäuden kein Hundehäuschen zu finden ist, überrascht kaum. Aber ist es allein die Grösse, die ein Gebäude zu einem wertvollen Gebäude macht? Nein.

Es gibt Dutzende Möglichkeiten, um den Wert eines Gebäudes zu bestimmen; ein beliebter Massstab sind etwa die Baukosten. Allerdings entsprechen diese nur einer Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Baus.

Deshalb zählt in unserer Rangliste der Versicherungswert. Dieser basiert auf der Schätzung der kantonalen Gebäudeversicherung. Bewertet werden der Ausbaustandard, der Gebäudezustand und die Konstruktion eines Gebäudes. Vor allem aber werden auch der historische Wert eines Bauwerks und die Bauteuerung berücksichtigt.

Zurück zum Ringen um das teuerste Gebäude im Kanton Solothurn. Der zweite Platz geht an den Europa-Hauptsitz des Medtechunternehmens DePuy Synthes in Zuchwil. Versicherungswert: 126 Millionen Franken.

Wie ein moderner Palast thront das 168 Meter lange, 32 Meter breite und rund 20 Meter hohe Gebäude auf dem ehemaligen Zeughausareal an der Aare, schräg gegenüber der Solothurner Altstadt.

Der Glas-Sichtbeton-Bau des Zürcher Architekten Peter Märkli entstand zwischen 2008 und 2012. Im Innern wirkt alles hochwertig, von Designerhand orchestriert und kühl – aber nicht kalt.

Eindrücklich sind die grossen Büroflächen in den Obergeschossen, die von einem 170 Meter langen Gang verbunden werden. Für die Industriegemeinde Zuchwil, die im letzten Jahrzehnt arg gebeutelt wurde, ist der Bau ein Wahrzeichen und ein Hoffnungsschimmer zugleich.

Kein einziger rechter Winkel

Mit einem Versicherungswert von 124 Millionen Franken liegt das Goetheanum knapp hinter dem Gebäude von DePuy Synthes. Ausser Sichtbeton haben die beiden Bauten jedoch nicht viele Gemeinsamkeiten.

Wer den Betonbau auf einem Hügel oberhalb Dornachs erblickt, wird von dessen Wucht fast erschlagen. Von jeder Seite zeigt das Zentrum der anthroposophischen Bewegung ein anderes Gesicht.

Es wurde 1929 von Rudolf Steiner, dem Vater der Anthroposophie, mit dem neuen Werkstoff Beton geschaffen. In der Geschichte der Architektur hat das Goetheanum längst einen festen Platz: als spirituelles Zentrum und Bauwerk ohne einen einzigen rechten Winkel.

Rudolf Steiners esoterische Weltanschauung war und ist umstritten; wohl auch deshalb fiel der hölzerne Goetheanum-Vorgängerbau 1923 einem Brandanschlag zum Opfer. Versicherungswert damals: knapp drei Millionen Franken.

Welches das teuerste Einfamilienhaus im Kanton Solothurn ist, ist uns indessen nicht bekannt. Sein Versicherungswert soll im tiefen zweistelligen Millionenbereich liegen.