Bilanz
Für die grossen Würfe der Solothurner Nationalräte bleiben noch zwei Jahre

Die Solothurner Parlamentarier in der grossen Kammer in der Halbzeitbilanz.

Lucien Fluri
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Solothurner Nationalräte : Von links: Stefan Müller (CVP), Urs Schläfli (CVP), Walter Wobmann (SVP) Unten, von links: Roland F. Borer (SVP), Bea Heim (SP), Philipp Hadorn (SP) und Kurt Fluri (FDP)

Solothurner Nationalräte : Von links: Stefan Müller (CVP), Urs Schläfli (CVP), Walter Wobmann (SVP) Unten, von links: Roland F. Borer (SVP), Bea Heim (SP), Philipp Hadorn (SP) und Kurt Fluri (FDP)

Roland F Borer (62), SVP, Kestenholz

Roland F Borer (62), SVP, Kestenholz

Solothurner Zeitung

Kein Solohurner sitzt so lange in Bern wie Roland F. Borer. Seit 1991 bewegt er sich in den Wandelhallen des Bundeshauses, damals noch für die Freiheitspartei. Borer sitzt in der Sicherheitspolitischen Kommission und die Diskussionen um die Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs Gripen hat ihm nochmals einige Medienpräsenz beschert. Borer scheint nicht zu den Parlamentariern zu gehören, die viel von Vorstössen und Voten halten: 14 Meinungsäusserungen und 4 Vorstösse zählt die Parlamentshomepage zu seiner Person auf. In diesem Bereich kämpft er mit Newcomer Urs Schläfli um die Schlusslaterne. Der selbstständige Unternehmensberater ist Mitglied verschiedener Verwaltungsräte und Berater des Krankenversicherers Groupe Mutuel.

Kurt Fluri, (58), FDP, Solothurn

Kurt Fluri, (58), FDP, Solothurn

Solothurner Zeitung

Kurt Fluri hat in dieser Legislatur ausserhalb des Bundeshauses gewichtige Mandate geholt: Er wurde Präsident des Städteverbandes und der Stiftung Landschaftsschutz. Innerhalb der FDP führt Fluri das Migrationsdossier. Das neue Bürgerrechtsgesetz listet Fluri denn auch als Erfolg dieser Legislatur auf. Es kam im Sinne seiner Partei durch, ebenso wie Verschärfungen im Asylbereich. Bei seinen Vorstössen setzt sich der Stadtpräsident von Solothurn in Bern als einer der wenigen FDP-Politiker auch für die Kulturpolitik ein. So kümmert er sich um Urheberrechtsfragen in Zeiten des Internets. Seine Pläne für 2015 werde er sicher erst kurz vorher bekannt geben, sagt Fluri. Dass Anliegen des Landschaftsschutzes zuweilen liberalen Grundhaltungen widersprechen, kontert Kurt Fluri: «Wo massiv übertrieben wurde, schlägt irgendwann das Pendel zurück.»

Philipp Hadorn, (46), SP, Gerlafingen

Philipp Hadorn, (46), SP, Gerlafingen

Solothurner Zeitung

«Qualität vor Quantität», sagt Philipp Hadorn. Fünf Vorstösse hat er bisher eingereicht, 23 Voten gehalten. «Es geht nicht um Selbstprofilierung. Viele Bereiche sind schon beackert.» Grosses Thema Hadorns ist die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Er ist auch Mitglied der Finanzkommission. Nächstes Jahr präsidiert Hadorn die Aufsichtskommission über die Neat. Er merke, dass der Nationalrat ein Milizparlament sei, sagt Hadorn. Neben Mandat, Beruf, Familie bleibe wenig Zeit, zusätzlich in der nationalen Partei eine tragende Rolle zu übernehmen, kantonal schon eher. Er könne Synergien von Beruf und Politik nutzen. Hadorn wurde unlängst Präsident des Dachverbandes des Blauen Kreuzes.

Bea Heim(67), SP, Starrkirch-Wil

Bea Heim(67), SP, Starrkirch-Wil

Solothurner Zeitung

Ob Tamiflu, Patientensicherheit oder Krebsregister: Bea Heim ist Gesundheitspolitikerin und beackert ihr Thema mit Vehemenz: 51 Vorstösse listet die Parlamentsdaten- bank für diese Legislatur auf. Kein Solothurner Politiker hat der Verwaltung so viel Arbeit auferlegt. «Dass ich viele Vorstösse eingereicht habe, hat damit zu tun, dass es oft mehrere Anläufe braucht, bis der Bund zu handeln bereit ist», sagt Heim. Als Beispiel dafür verweist sie auf die überdurchschnittlich hohe Suizidrate der Jugendlichen, wo die Schweiz nicht handle. Damit hat sie sich als Fachpolitikerin einen Namen gemacht. Laut dem Links-Rechts-Rating der «Neuen Zürcher Zeitung» politisiert die Präsidentin der IGöV Schweiz am ganz linken Rand. Die Politikerin aus Starrkirch-Wil ist derzeit die einzige Frau, die Solothurn in Bern vertritt.

Stefan Müller, (37), CVP, Herbetswil

Stefan Müller, (37), CVP, Herbetswil

Solothurner Zeitung

Kein Solothurner Parlamentarier ist so aktiv wie Stefan Müller-Altermatt - jedenfalls wenn es ums Twittern geht. Der jüngste Solothurner Parlamentarier ist bei den Neuen Medien zuvorderst. Im Parlament ist der frühere Leiter des Naturparks Thal inzwischen Vizepräsident der Umwelt-, Raumplanungs- und Energiekommission. Bei einer Wiederwahl könnte er Präsident der gewichtigen Kommission werden, die den Fahrplan für die Energiewende gestaltet. Er schätze die lösungsorientierte Rolle, sagt Müller-Altermatt - mal arbeitet die CVP mit links, mal mit rechts zusammen. «Was nützt es, sich Gedanken zu machen», sagt Müller-Altermatt darauf angesprochen, dass auch seine Partei in zwei Jahren einen Sitz verlieren könnte. Er werde einfach eine möglichst gute Arbeit leisten.

Urs Schläfli, (50), CVP, Deitingen

Urs Schläfli, (50), CVP, Deitingen

Solothurner Zeitung

Die erste Session gehört dem Einarbeiten: Dieser einst sakrosankten Devise, die abseits des Medienkarussels ihre Bahnen zieht, schien Urs Schläfli zumindest zu Beginn anzuhängen. Er habe gelernt, wie wichtig es sei, ein gutes Netz aufzubauen, sagt Schläfli - mit den Medien und im Parlament. Mit neun Voten und sechs Vorstössen - zu landwirtschaftlichen Themen, zu Waldhäusern und zum Unterhalt des Kampfflugzeugs Gripen - ist Schläfli bisher aktiv geworden. Der Deitinger Meisterlandwirt setzt in Bern die lange Tradition fort, dass Solothurn mindestens einen Bauern nach Bern entsendet. Schläfli schätzt die «bodenständigen» Themen in der Sicherheitspolitischen Kommission.

Walter Wobmann, (56), SVP, Gretzenbach

Walter Wobmann, (56), SVP, Gretzenbach

Solothurner Zeitung

Böse Zungen sagen, Walter Wobmann bewirtschafte lieber Probleme, als Lösungen im Parlament zu suchen. Das dürfte Wobmann herzlich egal sein. Er reitet gerade auf einer Erfolgswelle: Er hat die Erhöhung der Autobahnvignette an der Urne zu Fall gebracht, und sich damit ebenso viel mediales Echo gesichert, wie mit der Anti-Minarett-Initiative. Überhaupt scheint Wobmann als Einzelkämpfer ausserhalb von Parlament (und Partei) seine Bekanntheit erlangt zu haben. «Ich schätze die persönliche Freiheit», sagt Walter Wobmann. Und wenn er das Gefühl habe, etwas müsse angepackt werden, so tue er das. In der Partei fühle er sich gut vernetzt, sagt Wobmann. In seinen jetzigen beiden Kommissionen, der Verkehrskommission einerseits sowie der Umwelt- Raumplanungs- und Energiekommission andererseits habe er seine Themen gefunden.