Aare-Schifffahrt
Für BSG ist Ausfall durch Hochwasser «kaum mehr aufzuholen»

Hochwasser wirbelt den Fahrplan der Aare-Schifffahrt gehörig durcheinander und führt im Juli zu massivem Passagier-Einbruch. «Dieser Fahrgäste-Ausfall ist kaum mehr aufzuholen», so Thomas Erne, Geschäftsführer der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft.

Franz Schaible
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Ein Bild im Juli mit Seltenheitswert: Das Hochwasser führte dazu, dass die Aare-Schifffahrt im Sommermonat mehrheitlich eingestellt blieb.

Ein Bild im Juli mit Seltenheitswert: Das Hochwasser führte dazu, dass die Aare-Schifffahrt im Sommermonat mehrheitlich eingestellt blieb.

Hansjörg Sahli

Kaum eine Branche ist so wetterabhängig wie die Schifffahrt auf Seen und Flüssen. Dies bekommt nun auch die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG) zu spüren. Vom 11. Juli bis und mit vorerst 1. August war und ist der Schifffahrtsbetrieb auf der Aare zwischen Solothurn und Biel wegen Hochwasser eingestellt. Dies entspricht 19 Betriebstagen.

«Von der Dauer her ist es die längste Betriebseinstellung in den letzten Jahren», sagt BSG-Geschäftsführer Thomas Erne. Im August 2007 verkehrten während 14 Tagen keine Schiffe auf dem Fluss, im vergangenen Jahr fiel der Betrieb an zehn Tagen ins Wasser.

Dies führt logischerweise zu einem massiven Einbruch der transportierten Fahrgäste. Im Juli 2013 beförderte die BSG auf der Aare rund 20 300 Passagiere, in diesem Jahr ist es nur ein Bruchteil davon. Besonders schmerzlich ist, dass «die Monate Juli und August die beiden wichtigsten Monate in der doch recht kurzen Schifffahrtssaison sind», hält Erne fest. So entfielen in der Vergangenheit jeweils über die Hälfte aller Aare-Fahrgäste auf die beiden Hochsommermonate.

Regen dämpft auch die Reiselust

Als Glück bezeichnet Erne den Umstand, dass das Hochwasser bislang den Schiffsbetrieb auf den Seen – namentlich die Bielersee-Rundfahrten, die Drei-Seen-Fahrten sowie die Themen- und Extrafahrten – nicht beeinträchtigte. Doch der viele Regen führte nicht nur zu Einstellung der Aarefahrten, sondern drückte auch generell auf die Reiselust von Ausflüglern. «Im Vergleich zum Vorjahr haben wir in diesem Juli auf den Seen und der Aare insgesamt über 40 Prozent weniger Gäste befördert», rechnet Thomas Erne vor. Im Juli 2013 zählte die BSG dank dem damals schönen Wetter total rund 73 000 Personen.

Finanzielle Folgen noch offen

Bereits vor Abschluss der Schifffahrts-Saison 2014 ist klar: «Dieser Fahrgäste-Ausfall ist kaum mehr aufzuholen», weiss der «oberste Kapitän» der BSG-Flotte aus Erfahrung. Die finanziellen Auswirkungen seien aber im Moment noch nicht absehbar. Denn die Erträge im öffentlichen Verkehr stammten aus verschiedenen Quellen.

So komme etwa ein wichtiger Teil der Einnahmen aus Generalabonnements oder Tageskarten, welche nicht täglich oder monatlich abgerechnet werden. Zudem würden jene Betriebsausfälle, die auf exogene Faktoren zurückzuführen seien, teilweise durch eine Versicherung gedeckt. «Die Bilanz können wir deshalb erst Ende Jahr ziehen.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Thomas Erne will aber nicht jammern, sondern hofft jetzt auf eine nachhaltige Besserung an der Wetterfront. «Neben dem Juli sind auch der August und die Herbstmonate wichtig. Bei gutem Wetter können wir hier noch hohe Frequenzen generieren.» Zudem habe man in den ersten Monaten der Saison 2014 dank zufriedenstellenden Frequenzen gute Erträge erwirtschaften können.

Fahren die Schiffe am Wochenende?

Ob die BSG die Aare-Schifffahrt am Wochenende nach dem Nationalfeiertag wieder aufnehmen wird, entscheidet sich morgen Donnerstag. «In Absprache mit den zuständigen Behörden werden wir darüber entscheiden und informieren», meldet Erne. Die gestern Morgen vom Regierungsstatthalteramt Biel verschickte Warnung vor einem Hochwasser auf dem Bielersee habe noch keinen Einfluss auf die Schifffahrt auf dem See gehabt, berichtet der BSG-Geschäftsführer.

Auch 2013 fiel ins Wasser

Bereits die Saison 2013 ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Auf den acht Schiffen der BSG wurden insgesamt rund 312 000 Passagiere befördert. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von 23 Prozent (wir berichteten). Hauptgrund war das schlechte Wetter. Ferner war die BSG mit einem negativen Basiseffekt konfrontiert. Denn 2012 war ein absolutes Rekordjahr mit 407 000 Fahrgästen. Gründe dafür waren die Inbetriebnahme des neuen Schiffs «Rousseau», eine Aktion der Grossbank UBS mit Fahrgutscheinen sowie das 125-Jahr-Jubiläum der BSG mit zahlreichen Sonderaktionen.