Bilanz
Für Bielersee-Schifffahrt war es die schlechteste Saison seit 2002

Die Zahl der Passagiere, die mit einem der Schiffe der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft auf der Aare und dem Bielersee unterwegs war, sank 2015 erneut. Schuld ist das Wetter.

Franz Schaible
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Auf dem Bielersee brachen die Frequenzen gegenüber dem Vorjahr um fast 10 Prozent ein.

Auf dem Bielersee brachen die Frequenzen gegenüber dem Vorjahr um fast 10 Prozent ein.

BSG

Das schlechte Wetter machte der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG) erneut einen Strich durch die Rechnung. Bereits zum dritten Mal in Folge ist 2015 die Zahl der beförderten Passagiere gesunken. Die Hochrechnung der Frequenzen per Ende November zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um rund 14 300 auf 283 400 Fahrgäste, wie BSG-Geschäftsführer Thomas Erne auf Anfrage erklärt.

Dies entspricht einem Rückgang von 4,8 Prozent. «Mit diesem Resultat können wir nicht zufrieden sein.» Kein Wunder: Das ist der tiefste Stand seit 2002. Dabei haben die drei «Divisionen» unterschiedlich abgeschnitten. Am meisten Passagiere habe die BSG auf dem Bielersee verloren, während sich die Nachfrage nach der Dreiseenfahrt (Bieler-, Neuenburger- und Murtensee) stabil entwickelt habe. Leicht zulegen konnte dagegen, so Erne, die Aareschifffahrt zwischen Solothurn und Biel.

160 Kursannullierungen

Für die durchzogene Bilanz macht der BSG-Chef in erster Linie das Wetter verantwortlich. Schon der Saisonstart sei buchstäblich ins Wasser gefallen. Das Hochwasser im Mai führte dazu, dass der gesamte Schiffsbetrieb vom 5. bis 12. Mai eingestellt werden musste. Auf der Aare erfolgte die Aufnahme des Betriebes sogar erst am 24. Mai. «In diesem Zeitraum musste die BSG 160 Schiffskurse annullieren, auf der Aare allein waren es 78 Kursfahrten.»

Dafür hat sich der Sommer wettermässig und somit auch für das Schiffsunternehmen sehr gut entwickelt. «Der Ausfall im Frühling wurde mehr als kompensiert und per Ende August konnten wir im Vergleich zum Vorjahr gar einen Passagierzuwachs von 3,5 Prozent erreichen», sagt Erne. Doch die Freude währte nur kurz.

Erstaunlicherweise sei der Herbst «sehr schlecht gewesen für die Schifffahrt». Allein im September, einem der wichtigsten Monate, betrug die Einbusse gegenüber dem Vorjahresmonat 25 Prozent. Zwar sei das Wetter unter der Woche gut, aber verhältnismässig kalt gewesen. Zudem habe es ausgerechnet an den Wochenenden geregnet oder zumindest seien die Wetterprognosen schlecht gewesen. «Die Schifffahrt ist mit einem Faktor eins zu zehn extrem wetterabhängig», beobachtet Erne. Auch andere Schifffahrtsbetriebe in der Schweiz hätten im Herbst ähnliche Passagierverluste hinnehmen müssen.

Wie sich die gesunkene Nachfrage nach Ausflügen mit einem der acht Schiffe umfassenden Flotte auf das Ergebnis auswirken wird, sei offen. Bilanz ziehen könne man erst am Ende des Geschäftsjahres. Nebst den direkten Erträgen aus dem eigenen Ticketverkauf und dem Erlös aus dem Gastrobereich entfalle auch ein grosser Teil des Ertrages auf Einnahmen aus Abonnenten wie GA und Tageskarten sowie externen Verkaufsstellen.

Die BSG sei aber ein gesundes Unternehmen, welches die laufenden Betriebskosten jeweils aus eigener Kraft decken könne. Das heisse ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand. Komme hinzu, dass die «Betriebsausfallversicherung einen Teil der Ausfälle, welche durch Hochwasser anfallen, deckt». In den vergangenen Jahren schloss die BSG-Rechnung jeweils mit einem kleinen Gewinn ab.

Ein teures Vergnügen

Die Frage sei erlaubt, ob die Schifffahrt nicht zu teuer ist und die Preise die Nachfrage negativ beeinflussten. So musste im laufenden Jahr ein Erwachsener – ohne Generalabonnement oder Halbtax – für eine einfache Aarefahrt von Solothurn nach Biel 60 Franken auf den Tisch blättern, von Biel nach Erlach kostete eine einfache Fahrt 30 Franken. Zum Vergleich: Das Bahnbillett von Solothurn nach Biel kostet Fr. 13.20.

Diesen Vergleich lässt Erne so nicht gelten. «Die BSG ist zu 100 Prozent im Freizeitverkehr unterwegs und bietet ein touristisches Angebot wie Bergbahnen an.» Und im Vergleich zu anderen Freizeitanbietern seien die Preise ähnlich.

Zudem biete die BSG seit Jahren auch Sonderangebote an wie Seniorentageskarten für 28 Franken oder am Samstag reisten die Kinder auf dem Schiff gratis mit. Nach 2014 (plus 3,5 Prozent) wurden die Preise auf der BSG-Flotte auch 2015 um durchschnittlich 2,9 Prozent angehoben. «Die Erhöhungen lagen im Durchschnitt des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz», sagt Erne. «Für das kommende Jahr sind aber keine Tariferhöhungen bei den Kursfahrten vorgesehen», versichert Erne.

Mehr Aarefahrten

Obwohl die Häufigkeit von Hochwasser grösser geworden sei – «in den vergangenen drei Jahren mussten wir immer für einige Tage die Schifffahrt auf der Aare oder auf dem See einstellen» – sei ein Abbau des Angebotes kein Thema.

Wie gesagt, sei die BSG ein gesundes Unternehmen und man habe die Kosten sehr gut im Griff. Das gelte auch für die Aareschifffahrt. «Diese ist und bleibt das Produkt mit dem grössten Potenzial für die BSG», hält Erne fest. Insbesondere mit der Inbetriebnahme der MS «Rousseau» 2012 habe man das Angebot qualitativ enorm steigern können. Die wichtige Aareschifffahrt sei nicht gefährdet. Im Gegenteil. «Wir planen, in Zukunft vermehrt Abendfahrten auf der Aare ab Solothurn anzubieten.»