Auf einen Kaffee mit...
Für Andreas Burgener schliessen sich Naturliebe und Autolobby nicht aus

Der Bellacher Andreas Burgener ist seit zehn Jahren Direktor von Auto Schweiz. In Bern kämpft er für die Autolobby und die gemolkenen Autofahrer. Der 50-Jährige liebt die Natur. Neun Jahre lang war er Präsident des SAC Weissenstein.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Vom 4000er in den Alpen bis in die Tiefen der Berner Bundespolitik reicht die Spanne des Andreas Burgener.

Vom 4000er in den Alpen bis in die Tiefen der Berner Bundespolitik reicht die Spanne des Andreas Burgener.

Alois Winiger

Er hat ein Wochenende hinter sich, das jedem Elitesoldaten Ehre machen würde. Auf einer dreitätigen Tour hat Andreas Burgener die Kingspitz-Nordostwand in den Engelhörnern bestiegen. Weil er noch nicht genug hatte, nahm der Bellacher am Sonntag das Bike, fuhr auf den Weissenstein und von dort ins Thal. Den nächsten Halt machte er auf dem 1091 Meter hohen Malsenberg auf der zweiten Jurakette. Dann fuhr er über den Weissenstein zurück nachhause.

Jetzt sitzt Burgener im Solothurner Medienhaus. Für den Kaffee hat er nur eine Bedingung genannt. «Ich muss das Auto vor dem Haus parkieren können.» Nicht dass der 50-Jährige Muskelkater hätte. Zu Fuss kommt er in die Cafeteria im dritten Stock, den Lift lässt er links liegen. Aber Burgener ist ebenso leidenschaftlicher Automobilist wie Sportler. Seit zehn Jahren ist er Direktor von Auto Schweiz. Er ist das Sprachrohr von 33 Autoimporteuren. Und er ist politisch aktiv: Bei ihm laufen die Fäden für die «Milchkuh»-Initiative zusammen, mit der die Autolobby für eine neue Strassenfinanzierung kämpfen will.

Branche ist unter Druck

Wir hätten den Kaffee auch im Bundeshaus trinken können. SVP-Nationalrat Walter Wobmann hat Burgener eine der begehrten Zutrittskarten zur Wandelhalle verschenkt. «Lobbyist ist ein ehrbarer Beruf. Verbandsinteressen zu vertreten, gehört zu unserem Milizsystem», sagt Burgener. Und Arbeit hat er genug. Das Auto ist dem Schweizer zwar noch immer lieb und teuer: Letztes Jahr war eines der besten Verkaufsjahre der Geschichte. Doch politisch ist das Auto unter Druck. 151 Gramm CO2 pro Kilometer stossen die neu verkauften Autos aus. Bis 2015 will der Bundesrat den Ausstoss auf 130 Gramm senken.

Importeure, die das Ziel nicht erreichen, müssen Strafen bezahlen. Und für 2020 sind analog zur EU gar nur noch 95 Gramm im Gespräch. Für Burgener ein Problem. Denn in der EU können die Hersteller den CO2-Ausstoss ihrer Flotten über alle Länder abrechnen, auch die südeuropäischen Staaten, wo tendenziell kleinere Autos gekauft werden. Der Schweizer aber liebt Premiumfahrzeuge, spritschluckende SUVs und den Allradantrieb.

Leben die Schweizer also über ihren Verhältnissen und müssen zurückbuchstabieren? «Die Winter sind hart. Man will auch bei Schnee sicher nach Günsberg heimkommen», verteidigt Burgener die Interessen seiner Branche. Burgener ist nicht nur Funktionär. Sein Handwerk hat er von der Pike auf gelernt. In Grenchen hat er als Lastwagenmechaniker gestiftet, er hat als Chauffeur gearbeitet und bildete sich in Biel zum Autoingenieur weiter. Unterwegs ist Burgener derzeit in einem blauen Mazda-Kombi – der Familie zuliebe. Am liebsten fährt er sportliche Zweisitzer.

Sportliche Ziele für Initiative

Eine Milchkuh ziert derzeit die Homepage von Auto Schweiz. Mit Burgeners Liebe zu den Bergen hat das nichts zu tun. Sie ist das Symbol für den Kampf der gemolkenen Autofahrer. Mit einem überparteilichen Komitee kämpft Auto Schweiz für eine neue Strassenfinanzierung. «Das Geld, das der motorisierte Verkehr abliefert, soll auch diesem zugute kommen», sagt Burgener. Schon lange hinke der Ausbau der Infrastruktur dem Verkehrswachstum nach. «Die, die sagen, die Mobilität sei zu günstig, sind oft Politiker, die gratis ein GA auf Kosten der Steuerzahler besitzen.»

Bis Ende Jahr will Burgener die 100 000 Unterschriften zusammenhaben. «Je früher wir fertig sind, umso deutlicher ist das Signal an die Politik.» Beim Unterschriftensammeln auf dem Solothurner Märet trifft man ihn aber nicht an. Die Initianten konzentrieren sich auf autoaffine Anlässe.

Lange Zeit SAC-Präsident

In der Region ist Burgener vor allem als Präsident des SAC Weissenstein bekannt. Neun Jahre lang war er Präsident des Alpenclubs, bis zum Ende des 125-Jahr-Jubiläums 2011, wo zwei Mitglieder auf einer Tour ums Leben kamen. «Der Rücktritt auf das Ende des Jubiläumsjahres war vorher schon geplant», sagt Burgener, darauf angesprochen, ob sein Rücktritt mit dem Unglück zusammenhing.

Am Kaffeetisch ist der eloquente Burgener ruhiger. Auch heute noch geht das Burgener sichtbar nahe. In den Bergen ist er noch immer unterwegs, er biket, er klettert, er wandert. Nur den Deltasegler nahm der mehrfache Familienvater dieses Jahr nicht mehr hervor, seit er sich letztes Jahr verletzt hat.

Innovation statt Gesetze

Wie schafft man den Spagat vom 4000er in die Tiefen der Bundespolitik? Wie passen Naturliebe und Autolobbyismus zusammen? «Die Luftqualität ist heute besser als vor 20 Jahren, obwohl es mehr Autos gibt», rechtfertigt sich Burgener. Er vertraut auch weiterhin auf die Innovationskraft und Effizienzsteigerung der Autoindustrie.

Dass der Bürger sein Verhalten ändert, glaubt er nicht. «Wir wollen mit den Leuten sprechen und sie sehen. Sonst hätten wir zwei den Kopfhörer anziehen und vor dem Computer Kaffee trinken können.» Sagt`s, steigt in den blauen Kombi, den er aus familiären Gründen mit dem sportlichen Zweisitzer getauscht hat, und fährt zum nächsten Termin.