Denkmaltage
Führungen zu machtvollen Bauten und prächtigem Kulturerbe

An den Denkmaltagen 2017 dreht sich alles um das Thema «Macht und Pracht».Repräsentative Denkmäler sind am 9. und 10. September in der ganzen Schweiz und auch im Kanton Solothurn zu besichtigen.

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Die Zentralbibliothek Solothurn ist einer der zwölf Solothurner Orte von «Macht und Pracht»

Die Zentralbibliothek Solothurn ist einer der zwölf Solothurner Orte von «Macht und Pracht»

Andreas Kaufmann

An zwölf Orten im Kanton Solothurn werden Führungen angeboten: in Dornach, Grenchen, Luterbach, Metzerlen, Mümliswil, Olten, Schönenwerd, Solothurn und Trimbach. Die Palette reicht von Burgen über Kirchen, ein Fabrik-Ensemble, ein Kinderheim, ein Herrenhaus, ein kirchliches Prachtornat bis zu den Wappenbüchern der Solothurner Patrizier.

Organisiert werden die Anlässe von der kantonalen Denkmalpflege und der Nationalen Informationsstelle zum Kulturerbe (NIKE). Dies in Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizer Architekten, dem Kultur-Historischen Museum Grenchen, dem Kunstmuseum Solothurn, dem Solothurner Heimatschutz und der Zentralbibliothek Solothurn. (mgt)

Die zwölf Solothurner Orte von «Macht und Pracht»

Burgruine Dorneck – Mahnmal soloturnischer Macht

Die mittelalterliche Burg Dorneck diente dem Staat Solothurn ab 1485 als Vogteisitz. Nach der Schlacht bei Dornach 1499 erfuhr sie in zwei Etappen einen Ausbau zur neuzeitlichen Festung: Massive Türme und Bastionen prägen noch heute ihr Erscheinungsbild. Seit 1798 erinnert sie als Ruine von beeindruckender Grösse an den ehemaligen Machtanspruch.

Grenchen – Fabrikgeschichte: wie gewonnen, so zerronnen

Beim Nordbahnhof Grenchen steht der imposante Bau der ehemaligen Uhrenfabrik von Adolf Michel, unmittelbar dahinter die Villen der ehemaligen Fabrikanten. Wie kam die Familie Michel nach Grenchen? Was passierte im 19. und frühen 20. Jahrhundert? Wie kam es zum Niedergang? Ein Vortrag zur Familiengeschichte und Führungen zur Fabrik und den Villen.

Luterbach, reformierte Kirche – formale Klarheit, streng reduziert

Der 1965/1966 von Hans Rudolf Bader realisierte Kirchenbau nimmt in der streng reduzierten Geometrie des Baukörpers und in der formal zur Schau gestellten Konstruktion Bezug auf die Architektur Ludwig Mies van der Rohes. Damit reiht sich die Kirche unter die Werke der Solothurner Schule ein und repräsentiert diese auf prächtige und machtvolle Art.

Metzerlen-Mariastein, Burgensymbolik in der Jugendherberge Rotberg

Die mittelalterliche Burg Rotberg, erst 1311 erstmals erwähnt und wenig später bereits aufgegeben, diente während Jahrhunderten als Steinbruch. Der Architekt Eugen Probst weckte sie 1934/1935 aus dem Dornröschenschlaf: Mithilfe arbeitsloser Jugendlicher baute er sie im Sinne der damaligen Burgenromantik zur wehrhaft-trutzigen Jugendherberge aus.

Mümliswil – das Kinderheim zwischen Sozialwerk und Machtmissbrauch

Architekt Hannes Meyer und Bernhard Jäggi, Stifter und SP-Nationalrat, suchten mit dem Kinderheim 1938/39 die Harmonie zwischen Individuum und Gesellschaft; funktionale Architektur, schlicht, ohne Pomp, eingebettet in die Landschaft. Einst eine Vorzeigeinstitution, kam das Heim später in Verruf. Heute ist es eine Gedenkstätte für «Verdingkinder».

Olten – die Stadtkirche St. Martin als Monument des Bürgertums

Mit der Stadtkirche leistete sich Olten 1806–1813 ein monumentales klassizistisches Gotteshaus am Rand der Altstadt, gleichsam das bürgerliche Gegenstück zu St. Ursen in Solothurn. Im Innern weist es eine spätbarocke Disposition und eine intakte Ausstattung auf. Denkmalpfleger, Restaurator und Architekt führen durch den eingerüsteten Innenraum.

Schönenwerd, katholische Pfarrkirche – modern gelöster Kulturkampf

Der Architekt Fritz Metzger errichtete die römisch-katholische Pfarrkirche 1937/1938 als schlichte Basilika mit wuchtigen Chorflankentürmen, vermied aber eine Konkurrenzierung der nahen Stiftskirche. Der Denkmalpfleger erzählt, was der moderne Bau mit der alten Stiftskirche, dem Kulturkampf und den Machtspielen des 19. Jahrhunderts zu tun hat.

Solothurn, Aarhof – vom Herrensitz zum Ärztehaus

Einst ein typischer spätgotischer Landsitz von 1610, erhielt der Aarhof bereits 1619 einen repäsentativen Treppenhausturm und hundert Jahre später eine grosszügige Neubefensterung. Ein Mittelkorridor und Kassettendecken prägen das Innere. Der Bauforscher, der Architekt und der Eigentümer erzählen, wie der Landsitz zum heutigen Ärztehaus wurde.

Solothurn, Franziskanerkirche – Bettelorden mit Prachtornat

1748 stiftete der französische König Ludwig XV. den Franziskanern in Solothurn ein vielteiliges Ornat. Es zeugt von der Hochblüte des Klosters Mitte des 17. bis weit ins 18. Jahrhundert. Die Führung erläutert die liturgische Funktion und Bedeutung der prachtvollen Paramente und beleuchtet die Stiftungspraxis machthabender Parteien für die Kirchen.

Solothurn – die Pracht der Tracht im Kunstmuseum

Das Museum präsentiert die Tracht in der bildenden Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart, in Fotografien, Plakatkunst und Film, ergänzt durch kunsthandwerkliche Objekte. Die umfassende Ausstellung bildet eine Plattform, um auch ausserhalb der Trachtenszene eine Auseinandersetzung mit der schweizerischen Bekleidungstradition anzuregen.

Solothurn, Zentralbibliothek – Selbstdarstellung in Büchern und Dokumenten

Prächtige Renaissancebände, Tafelwerke und Wappenbücher stellen das Selbstverständnis und den Anspruch von Solothurner Patriziern wie Hans Jacob vom Staal, Johann Victor von Besenval oder Ludwig von Roll zur Schau. Aber auch die Faszination, die der französische Hofstaat des Ancien Régime in der Ambassadorenstadt ausgeübt hat, ist allgegenwärtig.

Trimbach, Ruine Frohburg – exponiert, konserviert, restauriert

Die Ruine Frohburg, auf steiler Felsrippe gelegen und Stammsitz der Grafen von Frohburg, ist eine der ältesten Burganlagen der Schweiz. Umfangreiche Gebäudereste erzählen von der einst bedeutenden Dynastenburg. Der Burgenspezialist führt durch die um 1300 aufgegebene Anlage und erklärt die jüngsten Unterhaltsmassnahmen.