Solothurn
Führungen im Staatsarchiv zum Thema «Fürsorgerische Zwangsmassnahmen»

Am Samstag bietet das Staatsarchiv Solothurn einen Einblick in seine Arbeit der vergangenen Jahre. Es werden drei identische, einstündige Führungen zu verschiedenen Aspekten der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen durchgeführt. Das Staatsarchiv war massgeblich an der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels Schweizer Geschichte beteiligt.

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Einblicke ins Solothurner Staatsarchiv zum 100-Jahr-Jubiläum
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100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Noch eineinhalb Jahre lang arbeitet Fankhauser hier im Staatsarchiv. Wie es danach mit dem Gebäude und den Beständen weitergeht, weiss er heute noch nicht.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Viele der Schätze sind nicht mehr im besten Zustand.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Dafür findet sich hier unter der Erde Einzigartiges: Zum Beispiel die Jahresrechnungen sämtlicher Solothurner Gemeinden seit 1842.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Rund 10 Lauf-Kilometer Akten finden sich im Solothurner Staatsarchiv. Für 14.5 Laufkilometer wurde das Gebäude erschaffen.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Dazu kommt: So eng wie früher archiviert man heute nicht mehr - Akten wird grundsätzlich, um sie zu schonen, mehr Platz und Luft gelassen.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Einen Quarantäneraum für beschädigte oder schimmlige Akten gibt es nicht.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Auch würden die Mitarbeitenden fehlen, die sich beschädigten Dokumenten annehmen könnten.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Auch fehlt die Kapazität, die Bestände zu digitalisieren. Ab 2021 soll dafür auch in Solothurn die "digitale Langzeitarchivierung" möglich sein.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Mitarbeiter Stefan Rech räumt Akten ein.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Es ist ein Archiv des Staates - das heisst, hier finden sich hauptsächlich Akten des Staates. Dazu gehören Dokumente aus der Verwaltung oder Protokolle von Kantons- und Regierungsrat.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn In die Magazine schauen darf nicht jeder. Datenschutz ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Eine Vision des Chefs des Staatsarchivs: Irgendwann soll es eine Plattform geben, mit welchem Besucher Bestände online abfragen können.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Alleine hier unten zu recherchieren - das hielten nicht alle Besucher aus, erklärt der Chef des Staatsarchivs.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Bis dahin bleiben die Dokumente nach Schema der Mitarbeitenden erfasst und sie finden das richtige Dokument meist auch.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Stefan Frech, wissenschaftlicher Mitarbeiter, beschäftigt sich seit fünf Jahren ausschliesslich mit dem Thema fürsorgerische Zwangsmassnahmen, hat etliche Dokumente herausgesucht und damit teilweise auch ehemaligen Verdingkindern helfen können.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Auch im Archiv: Ein Foto von Oskar Munzinger, FDP-Politiker und erster Präsident der Solothurner Kantonalbank (1885-87).
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Gemütlichere Stimmung herrscht oberhalb der Erde - im Lesesaal. Viele verirren sich allerdings nicht mehr hierher.
100 Jahre Staatsarchiv Solothurn Der Empfang mit Sonja Fischer. Hier erhalten Interessierte ihre Informationen.

Einblicke ins Solothurner Staatsarchiv zum 100-Jahr-Jubiläum

Hanspeter Bärtschi

Zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und 1981 wurden Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fremdplatziert, in Heimen versorgt oder in Anstalten eingewiesen. Dies, weil ihre Familien aufgelöst wurden oder weil ihr Lebenswandel von den gesellschaftlichen Normen abwich. Seit mehr als zehn Jahren ist in der Schweiz die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der jüngeren Sozialgeschichte im Gang.

Das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) vom 30. September 2016 sprach den Betroffenen einen Solidaritätsbeitrag zu. Die Opfereigenschaft musste allerdings durch Dokumente belegt werden. Die Kantonsarchive erhielten die Aufgabe, Betroffene und ihre Angehörigen bei der Suche nach Akten zu unterstützen und die Recherchen im Kantonsgebiet zu koordinieren. Gemeinden und private Institutionen wurden zur Sicherung und Aufbewahrung ihrer Unterlagen verpflichtet.

Gegen 300 Anfragen und Gesuche

Seit 2013 bearbeitete das Staatsarchiv Solothurn, das eng mit der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn kooperierte, gegen 300 Anfragen und Gesuche. Die Abklärungen gestalteten sich vielfach schwierig und dauerten oft monatelang. Mehrheitlich wurden Akten gefunden, und viele Betroffene konnten Lücken in ihrer Biografie schliessen. In einzelnen Fällen blieb die Suche leider ergebnislos. Im Zentrum der Nachforschungen standen Sozialhilfe-, Vormundschafts-, Adoptions-, Pflegekinder,- Jugendanwaltschafts- und Gerichtsakten.

Hinzu kamen die Protokolle der kommunalen Armen- und Vormundschaftsbehörden und einzelner regionaler Armenerziehungsvereine, deren Schriftgut gesichert werden konnte. Im Staatsarchiv wurden ungefähr 40'000 Einzelfalldossiers durch Personenregister zugänglich gemacht. (mgt)

Informationen zu den Führungen

Die Rundgänge beginnen am Samstag, 16. November 2019, um 10.30 Uhr, um 14.00 Uhr und um 15.30 Uhr. Die Führungen sind kostenlos, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Das Staatsarchiv befindet sich an der Bielstrasse 41 in Solothurn.

https://so.ch/staatskanzlei/staatsarchiv/

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