«Alles fährt Ski, alles fährt Ski»? Mitnichten. Auf Schweizer Schulkinder trifft das kaum mehr zu. Die Zahl der Skilager - heute oft Schneesportlager genannt - geht hierzulande seit Jahren zurück.

Die Lager sind teuer, der organisatorische Aufwand riesig. Und: Gemäss Bundesamt für Sport wird es immer schwieriger, genügend Leiter für die Lager zu finden. Mit solchen Problemen haben die Schulen in der Region bisher wenig zu kämpfen. Aus den meisten Gemeinden sind die Skilager nicht wegzudenken - sie gehören zum Pflichtprogramm im Schuljahr.

Für Wintersport begeistern

«Eine Schule ohne Lager könnte ich mir kaum vorstellen», sagt Andreas Hänggi, Gesamtleiter des Schulkreises Bellach, Lommiswil und Selzach. Für Schüler seien die Lager nach wie vor ein Höhepunkt, freut er sich.

Von der vierten bis zur sechsten Klasse geht jedes Kind mindestens einmal in ein Lager, in der Oberstufe meistens sogar jährlich. Ob ein Lager im Winter oder im Sommer stattfindet, sei Sache der Klassenlehrer, erklärt Schulleiter Hänggi.

«Die Mehrheit entscheidet sich aber für den Winter.» In Zuchwil ist das Skilager für Schüler von der siebten bis zur neunten Klasse Pflicht. Das Lagergefühl sei für alle eine Bereicherung, betont Schuldirektor Stephan Hug. «Wir wollen zudem die zahlreichen Migrantenkinder bei uns für den Wintersport begeistern.» Wer keine Skiausrüstung besitzt, kann diese in der schuleigenen «Skibörse» kostenlos mieten.

Sinnvoll für Lehrer?

An manchen Schulen ist das Skilager auf eine Altersstufe beschränkt: So reisen an der Regionalschule äusseres Wasseramt jeweils nur die Fünft- und Sechstklässler ins Skilager, in Gerlafingen einzig die Oberstufenschüler.

Die Jugendlichen der Gemeinsamen Schule Unterleberberg hingegen kommen während ihrer Schulzeit in den Genuss von gleich fünf Skilagern: Von der fünften bis zur neunten Klasse ist das Lager obligatorisch.

«Das hat Tradition», sagt Schulleiter Stefan Liechti. Er ist überzeugt: Nirgendwo werde der Zusammenhalt besser gefördert als im Skilager. Auch Adrian van der Floe unterstreicht den sozialen Aspekt.

«Nicht zu vergessen ist der pädagogische Nutzen für die Lehrer», weiss der Gesamtschulleiter der Oberstufe Wasseramt Ost. Hier heisst es für alle Schüler: Ab auf die Piste! Allerdings beobachtet van der Floe, dass immer mehr Jugendliche in ihrem ersten Lager noch nie auf den Skiern oder dem Snowboard gestanden sind. Seine Vermutung, dass das Snowboard an Popularität eingebüsst hat, teilen auch andere Schulleiter.

Atelier statt Skilager

Den Trend, dass die Jungen mit Stemmbögli und Sessellift immer weniger anfangen können, wissen einige Schulen für sich zu nutzen: Sie haben ihre Skilager sanft aufgefrischt und Alternativen geschaffen.

Im Schulkreis der Gemeinden Langendorf, Oberdorf und Rüttenen etwa gibt es seit einigen Jahren die «Sonderwoche 10», die jeweils in der zehnten Kalenderwoche stattfindet.

Nebst dem klassischen Schneesportlager werden in der Region stattfindende Ateliers mit sportlichen und kreativen Aktivitäten angeboten. Das bewähre sich, erklärt Schulleiter Silvan Jäggi. «Etwa ein Drittel der Schüler nutzt die neuen Angebote.»

«Wunsch vieler Schüler»

Auf ein ähnliches Konzept setzen die Biberister Schulen. Die Schüler von der fünften bis zur neunten Klasse können zwischen einem Skilager und einer Themenwoche wählen. In dieser steht ein ganzer Strauss an Aktivitäten zur Auswahl.

«Beliebt sind beispielsweise die Hauswirtschaftskurse», berichtet Gemeindeschulleiterin Susanne Mollica. Sorgen bereitet ihr vor allem eines: «Es ist immer aufwändiger, geeignete und günstige Skilagerhäuser zu finden.»

Vielfalt statt Einheitsbrei heisst es schliesslich auch im Schulverband Bucheggberg - zumindest in der Oberstufe. «Indem wir nicht nur sportliche Aktivitäten anbieten, entsprechen wir dem Wunsch vieler Schüler», erklärt Hansjürg Bürki, Ressortleiter Sekundarstufe.

In den Bucheggberger Primarschulen würden ebenfalls vereinzelt Skilager organisiert, sagt Bürki. «Das ist jedoch von Dorf zu Dorf unterschiedlich.»

Bis zu 600 Franken pro Kind

Ist es möglich, dass Skilager auch hier dem Spardruck zum Opfer fallen? Nein, glauben die Schulleiter einhellig. «Überall wird gespart, aber die Skilager bleiben unangetastet», sagt etwa die Biberister Schulleiterin Susanne Mollica.

Der Rückhalt in den Gemeinderäten sei gross, betont Adrian van der Floe, Gesamtschulleiter der Oberstufe Wasseramt Ost. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet den Schulen allerdings die steigenden Kosten: Eine Lagerwoche kostet bis zu 600 Franken pro Kind.