Wisent-Projekt

Für Stefan Müller-Altermatt gab es zwei Möglichkeiten: «Entweder gehe ich oder er geht»

Stefan Müller-Altermatt reagierte nach dem Artikel, in dem sich Darius Weber äusserte.

Stefan Müller-Altermatt reagierte nach dem Artikel, in dem sich Darius Weber äusserte.

Warum kam es beim Wisent-Projekt zur Entlassung des Projektleiters? Nationalrat Stefan Müller-Altermatt nimmt Stellung, warum er sich so stark - und gegen viel Widerstand - für das Projekt einsetzt. Fürchtet er nicht, dass das Engagement seiner Nationalratskandidatur schaden könnte? Oder musste der Projektleiter gerade deswegen gehen?

Zwei Sätze zu viel reichten. Am Montag trennte sich der Verein Wisent Thal von seinem Projektleiter Darius Weber, nachdem dieser in einem Bericht in dieser Zeitung die Landwirte kritisiert hatte. Die Diskussion um das Projekt wird im Thal erbittert geführt. War die Heftigkeit der Aussagen zu viel oder wollte Wisent-Promotor, Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, vor den Wahlen im Herbst auch seinen Ruf schützen?


Stefan Müller-Altermatt, vom einen auf den anderen Tag haben Sie Ihren Projektleiter, Darius Weber, nach brisanten Aussagen, auf die Strasse gesetzt. Haben Sie unter öffentlichem Druck die Nerven verloren?
Stefan Müller-Altermatt: Nein. Ich bereue den Entscheid auch nicht. Darius Weber hat es mit seinen Aussagen «verkachelt». Wir mussten ihn auch aus der Schusslinie nehmen. Es wäre mit ihm als Projektleiter nicht mehr gegangen. Nach den Aussagen hätte uns kein Bauer mehr für objektiv gehalten.

Ging es Ihnen letztlich nicht eher um Ihren eigenen Ruf? Sie wollen ja im Herbst wiedergewählt werden. Oder anders gefragt: War Darius Weber ein Bauernopfer?
Wir haben keinen Krach. Aber so, wie sich Darius Weber ausgedrückt hat, konnte ich nicht hinter dem Projekt stehen. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder gehe ich oder er geht. Ich stehe hinter dem Projekt. Ich hätte von Anfang an sagen können: Ich will mit dem Projekt nichts zu tun haben. Aber ich stehe hin und will gewährleisten, dass es in richtigen Bahnen verläuft.

Aber mit dem Wisent-Projekt haben Sie sich im Thal doch mehr Feinde geschaffen als Freunde.
Darauf würde ich nicht wetten. Es ist nicht so, dass alle dagegen sind. Es gibt einen Freundesverein und die Gemeinde Welschenrohr steht hinter dem Projekt. Die Gegner sind aber laut.

Um Wählerstimmen haben Sie keine Angst?
Ich bin kein Populist. Wenn ich etwas gut finde, mache ich es. Wenn das Volk findet, es sei schlecht, was ich mache, gibt es auch keine Wählerstimmen. So ist das.

Warum engagieren Sie sich so stark für das Projekt?
Es geht um eine Tierart, die man retten muss. Und es geht um eine Region, die davon profitieren könnte. Das war der Antrieb. Auch einen Landwirtschaftsbetrieb führen wir damit in die Zukunft.

Mit dem Naturpark hatten Sie viel Erfolg. Jetzt stockt es bei der Innovation. Warum? Woran liegt der Widerstand?
Das Wisent-Projekt ist viel konkreter als der Naturpark. Es gibt möglichen Schaden, nicht nur Nutzen. Beim Naturpark sieht man keinen Schaden.

Das Projekt wurde völlig redimensioniert. Macht es so überhaupt noch Sinn?
Es macht auf alle Fälle Sinn, nur schon wegen der genetischen Komponenten: Jede Population führ zur Verbreiterung des genetischen Materials. Es geht hier um einen wissenschaftlichen Versuch, der Erkenntnisse bringt. Wir klären nach wie vor die Tragbarkeit der Art ab. Insofern hat sich am Projekt nichts geändert.

Aber so, wie das Projekt derzeit ausgestaltet ist, hat es mehr touristischen als ökologischen Charakter.
Nein, das würde ich nicht sagen. Es ist nach wie vor ein wissenschaftliches Projekt. Persönlich hätte ich gerne bereits jetzt bessere touristische Angebote. Vielleicht wird dies nun beschleunigt.

Legt das Wisent-Projekt nicht eine etwas diffuse Haltung zum Naturpark offen: Wo uns die Ökologie nützt, ist es ok. Aber dafür einen Nachteil inkauf nehmen, wollen wir nicht?
Ich glaube nicht, dass dies so ist. Es ist eine andere Frage, um die es hier geht: Ein einzelner Bauer würde vorerst vom Projekt profitieren, alle anderen Nutzergruppen hätten potentiell eher einen Schaden zu befürchten. Deshalb müssen wir mit dem Projekt einen Nutzen für die anderen generieren, etwa durch touristische Angebote oder indem man dort Produkte aus dem Thal verkauft.

Sie sind also nach wie vor vom Projekt überzeugt?
Ja, natürlich. Nur weil ein Projektleiter unglückliche Aussagen gemacht hat, ändert dies nichts am Projekt selbst.

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