Auf ein Bier mit...

Für Roland Fürst gibt es Wein statt Bier - wegen der Kohlenhydrate

Roland Fürst im Berghof Blüemlismatt.

Roland Fürst im Berghof Blüemlismatt.

Regierungsratskandidat Roland Fürst achtet auf seine Ernährung. Deshalb trinkt er auch nie Bier. «Die Gesundheit ist ein wichtiger Faktor, wenn man Leistung erbringen will», so der CVPler.

Plakate wie «Asylzentrum Fridau, nein danke» hängen zuhauf an den Häusern - die Strasse oberhalb von Egerkingen wird immer kurviger und schmaler. Schliesslich mündet sie in ein Natursträsschen ein, das nicht enden will. Lange Waldstücke, eine respektable Abbruchstelle, ansehnliche Schneereste, dann endlich der Berghof Blüemlismatt. Roland Fürsts Wahl für die Serie «Auf ein Bier mit ...», als gäbe es keine bequem erreichbaren Restaurants unten im Mittelland.

Der 51-jährige Handelskammerdirektor, heute im Freizeitlook, versteht den Spass und strahlt vor Freude auf dem Parkplatz zwischen Ökonomiegebäude und Restaurant. Gleich liefert er die Erklärung für den abenteuerlich anmutenden Abstecher. Hier fühle er sich ausnehmend wohl und könne sich in der Natur bestens erholen. Er habe bereits seinen 50. Geburtstag und den jüngsten Jahreswechsel auf der Blüemlismatt gefeiert.

Oft sei er auch zusammen mit Frau, Kind, Hund und Kamera auf den Jurahöhen unterwegs, schwärmt der leidenschaftliche Hobbyfotograf. Immer hoch hinaus, also und jetzt gar an die Spitze des Kantons? Fürst lächelt sibyllinisch und versucht den Ball flach zu halten: «Noch ist alles möglich, in der Politik weiss man bis zum Schluss nie genau, wie das Leder rollt», ergänzt der ehemalige Fussballer mit Hang zu weiteren Ballsportarten.

Lange Arbeitstage

Es ist kalt draussen, wir wechseln in die gemütliche Stube. Nicht hinter, sondern vor den wärmenden Ofen. Eine Stange Bier für den Schreibenden, Roland Fürst bestellt ... ein Glas Weisswein. Nein, deshalb titeln wir die Serie nicht um. Kein Bier? Nie Bier? «Richtig, ich achte auf die Ernährung und meide so gut es geht Kohlenhydrate.» Ein Ernährungstaliban? Fürst wehrt heftig ab, die Gesundheit sei aber ein wichtiger Faktor, wenn man Leistung erbringen wolle. Deshalb besuche er auch regelmässig ein Fitnesscenter. Dann erzählt er von langen Arbeitstagen, die in der Regel um 5.20 Uhr vom Wecker eingeläutet werden und meist bis Mitternacht andauern. Die Abende seien vielfach durch Sitzungen und Veranstaltungen belegt, vertrete seine Organisation doch über 500 Firmen. Das bedeute ständige Präsenz. Diese zeitliche Belastung scheint Fürst locker wegzustecken und er wiegelt auch in diesen Punkt ab: «Ich bin daran gewöhnt.

Schon als Gemeindepräsident von Gunzgen musste ich diese Arbeit zusätzlich leisten, da der damalige Arbeitgeber in Zürich weder auf diese Funktion noch auf den gleichzeitigen Einsatz im Kantonsrat Rücksicht nehmen wollte.» Den Begriff Stress meidet er, für ihn gibt es allenfalls Phasen von hoher Belastung. Ein Workaholic, der bald auf den ruhigeren Posten des Regierungsrats wechselt? Der Gunzger lächelt freundlich und meint, das sei jetzt etwas gar frei interpretiert. Bei aller Sachlichkeit des studierten Biologen mit Zusatzausbildung in Informatik bleibt dem Beobachter das politisch bedingte Kribbeln des Kandidaten in der Poleposition nicht verborgen. Es liegt förmlich in der Luft: Nachdem es bisher mit dem National- und Ständeratsmandat nicht ganz gereicht hat, würde Fürst liebend gerne in den Regierungsrat einziehen.
Ein Wort gibt das andere, dabei erwähnt Fürst, dass er und der abtretende Walter Straumann am selben Tag Geburtstag haben. Wir können es uns nicht verkneifen: der Vorgänger und sein Nachfolger, also? Wenn das kein gutes Omen ist. Der wirtschaftsnahe und in breiten SVP-Kreisen akzeptierte Kandidat quittiert den Spruch mit einem breiten Lachen. Wenn aber in einer Woche doch alle Stricke reissen sollten? Dann gehe das Leben eben weiter: «Ich habe derzeit einen Superjob und kann dabei auf ein tolles Team zählen.»

Die Gesprächszeit ist um, die Gläser leer. Roland Fürst bleibt noch auf «seinem» Berg. Es wartet ein Abendessen mit Ehefrau Gabriela - heute für einmal keine berufliche Nachtschicht.

Bereits erschienen: Auf ein Bier mit ... Remo Ankli (FDP, Beinwil), 3. April; Brigit Wyss (Grüne, Solothurn), 4. April; Roland Heim (CVP, Solothurn), 5. April.

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